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„Unser Stall ist komplett spaltenfrei“

Vollspalten kommen in der Gesellschaft nicht gut an. Eine Alternative wäre ein spaltenfreies Stallsystem, wie ein Pig Port 5. Doch funktioniert das? Praktiker erzählen über ihre Erfahrungen.

Lesezeit: 4 Minuten

Wir haben den ersten Pig Port 5 Österreichs“, heben Dietmar und Anna Haas aus Kapelln (NÖ) hervor. Grundsätzlich ist der Stall aufgebaut wie ein Pig Port 3. Der Unterschied ist aber, dass der Pig Port 5 komplett spaltenfrei ist. „Als wir diesen Stall bei einem deutschen Berufskollegen angesehen haben, waren wir gleich überzeugt“, erzählen die Schweinebauern. Sie wollten einen Tierwohlstall bauen, der ihnen gefällt und der funktioniert. Im Juli des Vorjahres stallten sie erstmals Ferkel ein.

Luxus mit einer Suhle

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Im Stall haben 500 Mastschweine Platz, 23 Schweine je Bucht. Pro Tier stehen mindestens 1,12 m² zur Verfügung. Der Pig Port 5 besteht aus einer Liegebucht, die mittels Deckel geschlossen werden kann, einem Fressbereich und einem Außenbereich. Im Auslauf ist der Kotbereich und eine eigens errichtete Senke, die als Suhle an heißen Sommertagen mit Wasser befüllt werden kann.

Alle Bereiche haben ein leichtes Gefälle, damit der Harn abfließen kann. In der Suhle und im Auslauf sind jeweils Rohre einbetoniert, um Kot und Harn zu trennen und Wasser abzuleiten. Getrennt werden Innen- und Außenbereich durch aufrollbare Curtains.

Im Vordergrund steht beim Pig Port 5 klar das Tierwohl. Dazu gehören die Strohraufen, die vom Kontrollgang aus befüllt werden können. Regelmäßig streuen die Landwirte auch etwas Stroh in den Liegebereich ein. Zusätzlich befindet sich unter der Liegefläche eine Fußbodenheizung, die durch die eigene Hackschnitzelheizung betrieben wird. Somit bieten Haas‘ ihren Tieren auch im Winter hohen Liegekomfort.

Bei der Fütterung setzen sie auf Breiautomaten. Die Rationen gestalten sie mit eigener Maiskornsilage, Ergänzer und Getreideschrot. Je nach Gewicht der Tiere, arbeiten Haas‘ mit unterschiedlichen Phasen. Vor wenigen Monaten stellten sie zum Mais-Mischen einen Vorlagebehälter auf. Davor haben sie mit Fertigfutter gearbeitet. Zudem planen sie für die Maislagerung bereits, einen Fahr- oder Hochsilo zu bauen.

Ein Schrapper muss her

Was sie auch verbessern müssen, ist die Entmistung. „Derzeit müssen wir den Kot drei Mal in der Woche abschieben. Dazu brauchen wir mit dem Teleskoplader samt Schaufel 30 Minuten. Und es muss eine zweite Person dabei sein, um die Trennwände der Buchten zu öffnen und die Ecken auszuputzen“, erzählt Anna Haas. Dazu kommt noch eine Stunde Arbeit am Samstag, um den Dreck aus der Suhle zu entfernen. Ein automatischer Oberflurschrapper soll aber Abhilfe schaffen. „Ein Bekannter hat bereits einen, der gut funktioniert“, erklärt er.

Wenn sie die Entmistung neu einbauen, dann wollen sie gleichzeitig auch eine Heizungsleitung im Auslauf einbetonieren. Damit im Notfall bei starken Minustemperaturen, der Kot nicht friert.

Probleme mit in den Liegebereich hineinkotenden Schweinen hatten sie einmal bei Ferkeln. Mit einer 50 % höheren Besatzdichte zu Beginn der Mast sowie Anfüttern auf der Liegefläche konnten sie dies aber sofort lösen.

Ansonsten funktioniert der Stall gut. Die Schweine bewegen sich viel und nutzen auch im Winter den Auslauf. Leistungstechnisch sind die Bauern nach einem halben Jahr zufrieden. Dietmar Haas vergleicht die Leistungen mit den Tieren in seinem konventionellen Stall: „Die täglichen Zunahmen passen und liegen bei über 800 g. Auch der Magerfleischanteil ist durch die Futterumstellung auf über 60 gestiegen.“ Die fertig gemästeten Schweine vermarkten Haas‘ über die EZG Gut Streitdorf als Tierwohlfleisch. Dieses geht schließlich als Marke „Voralpenschwein“ an den Fleischhauer Radatz.

15 € mehr pro Schwein

Damit sich der zusätzliche Aufwand für mehr Tierwohl lohnt, nimmt Familie Haas an allen Tierwohlprogrammen teil: Für AMA-Qualität erhalten sie so ca. 4 € mehr pro Tier sowie einen Tierwohlzuschlag von 5 Cent/kg. Weitere 65 € je GVE gibt es dann noch über das ÖPUL-Programm „Tierschutz Stallhaltung“. „Das macht dann rund 15 € mehr pro Tier aus“, so Haas.

Insgesamt hat der Pig Port 5 etwa 1 000 €/Mastplatz gekostet – inklusive Steuern, Güllegrube und der Gründung einer eigenen GmbH. Somit liegen die Kosten je Mastplatz etwa 200 € höher im Vergleich zu einem konventionellen Neubau.

Dennoch weiß Familie Haas, dass der spaltenfreie Pig Port 5 in Österreich eher eine Nische bleiben wird. Dazu wird Tierwohlfleisch noch zu wenig bezahlt. „Wir wollten etwas Neues probieren und uns über ein solches Projekt drübertrauen“, betont Anna Haas. Die ersten Kinderkrankheiten wollen sie sobald als möglich korrigieren und die Leistungen der Tiere weiter verbessern.

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