VR-Landwirtschaftstag

Albrecht schlägt Werbeverbot für Billigangebote vor

Nach Ansicht von Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Albrecht sollte die Bundesregierung den LEH zu konkreten Maßnahmen zwingen, damit die Bauern faire Preise bekommen.

Schleswig-Holsteins Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht hat am Donnerstag beim VR-Landwirtschaftstag in Neumünster zugesagt, mit dem Handel darüber sprechen zu wollen, wie die Bauern für ihre Produkte wieder mehr Geld bekommen könnten.

Laut NDR verlangt der Grünen-Politiker aber von der Bundesregierung, vom Einzelhandel Zusagen für konkrete Maßnahmen einzufordern. U.a. schlägt Albrecht vor, Werbung für Dumpingpreise von Lebensmitteln zu verbieten. Das würde der Handel nur dafür nutzen, um die Kunden in die Supermärkte und Discounter zu locken.

Für den Bauernverband sind dagegen nicht die Sonderangebote das Problem. Man müsse vielmehr für die hohe Qualität von Fleisch, Milch und Gemüse werben, die die Landwirte in Schleswig-Holstein herstellen, hieß es. Und das habe seinen Preis - den die Landwirte dafür aber aktuell nicht bekommen.

Dringend Gegenfinanzierung für Tierwohl notwendig

Albrecht will sich auch verstärkt für eine artgerechte Haltung von Nutztieren wie Schweine einsetzen. Dafür werbe er auch im Bund. "Weil diese Maßnahme aber wie alle anderen Tierwohlmaßnahmen auch mit Kosten für die Nutztierhalter verbunden sein werden, brauchen wir dringend eine belastbare Gegenfinanzierung über ein Umlagesystem", zitiert der NDR Albrecht weiter.

Klaus-Peter Lucht, Präsident des Landesbauernverbandes, beklagte, dass die Umsetzung höherer Standards die wirtschaftlichen Möglichkeiten der Bauern übersteige. Dadurch wären sie in der Europäischen Union nicht mehr wettbewerbsfähig, auch weil der Verbraucher die Standards für die Tierhaltung fordere, sie aber freiwillig nicht bezahlen wolle.

Aus Sicht der Landwirte wäre ein System analog zur Initiative Tierwohl wünschenswert. "Ob das Steuer finanziert ist oder Umlage finanziert, muss man noch erörtern", sagte Lucht. Albrecht erinnerte an die Idee eines Tierwohl-Cents: "Diese Lösung wäre effizient, praktikabel und für den Verbraucher sicher akzeptabel, weil der Aufpreis an der Kasse eher marginal ist, das Geld aber gezielt in Tierschutzmaßnahmen fließen kann."

Videobericht beim NDR

VR-Landwirtschaftstag

Themen auf dem Landwirtschaftstag in Neumünster am Donnerstag waren die verschärften Düngeregeln, Tierwohl, Agrargelder und die extremen Billigangebote für Lebensmittel.

Unter der Leitung des Moderators und Agrarjournalisten Dietrich Holler diskutierten:

  • Jan Philipp Albrecht, Landwirtschaftsminister Schleswig-Holstein
  • Werner Schwarz, Präsident Bauernverband Schleswig-Holstein
  • Niclas Herbst, Mitglied des Europäischen Parlaments, Vorsitzender Haushaltsausschuss
  • Prof. Dr. Harald Grethe, Prof. für Internationalen Agrarhandel und Entwicklung an der HU Berlin; Vorsitzender Beirat Agrarpolitik, Ernährung und gesundheitlicher Verbraucherschutz beim BMEL
  • Ute Volquardsen, Präsidentin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein
  • Inken Burmester, Landwirtin, Sprecherin der Arbeitsgemeinschaft Junge Landwirte im Kreis Herzogtum Lauenburg


Diskussionen zum Artikel

von

Werbung = Erziehung

Wenn man im Radio alle 15 min von den tollen und vor allem billigen Sonderpreisen hört wird man doch automatisch zum Schnäppchen Jäger. Man bekommt von der Werbeindustrie suggeriert das es kein Problem ist Fleisch und andere Lebensmittel billigst möglich einzukaufen. Durch diese ... mehr anzeigen

von Erwin Schmidbauer

Lächerlich

Der Vorschlag für ein Werbeverbot dürfte rechtlich gar nicht durchsetzbar sein, weil wahrscheinlich sogar grundgesetzwidrig. Somit ist der Vorschlag nichts weiter als grüner Populismus.

von Rudolf Rößle

Amazon

und andere Großdienstleister übernehmen immer mehr das Onlinegeschäft mit Lebensmittellieferungen mit enormen Wachstum. Wo das alles her kommt und zusätzlich die Straßen verstopft ist mir schleierhaft, und dass so etwas genehmigt wird. Die Regierung verschläft schon den nächsten Kollaps.

von Willy Toft

Es war schön, dass wir mal über alles gesprochen haben, nur das alles auf einmal passieren soll,

macht doch das Ganze zu einer Farce! Wer soll das durchstehen, bei den Ertragsaussichten? Der Handel hat dafür kein Verständnis, und stellt sich gerade richtig Bockbeinig an!

von Eike Bruns

Undurchdacht wie immer,

Fleischsteuer, Umlage, etc. das ist alles nur mit Verwaltung verbunden. EU Verbraucher nur mit EU Standards versorgen und den Rest draußen lassen. 1. verschieben sich dann auch die Angebotsmengen weil z.B. Eiweißfuttermittel fehlen und 2. werden weniger/keine Importe zu uns kommen. ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Der Zappel-Philipp aus Schleswig-Holstein

will den Heiland der Bauern spielen. Er überschätzt sich, Und der Grethe fährt auch nur rückwärts. Das ist kein Landwirtschaftstag gewesen, wohl aber ein NABU-Tag. Liebe Kollegen aus Schleswig-Holstein, ihr sollt den Landwirten und deren Familien helfen und nicht in tiefste ... mehr anzeigen

von Christian Bothe

Grüne

Nicht mehr weit bis zu einer „Ökodiktatur“. Hatten wir schon mal, das Preise festgelegt wurden und das war ein „Riesenerfolg“in der DDR...Klingt ja erst einmal verlockend für unsere stark gebeutelte Bauern, wenn es denn durchgereicht würde!Hat allerdings dann nichts mehr mit ... mehr anzeigen

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