Land schafft Verbindung

Bauerndemo in Bonn geplant

Nach den Grünen Kreuzen als stille Mahnung wollen viele Lanwirte zu lautstärkeren Mitteln greifen. Sie planen für den 22. Oktober eine Kundgebung in Bonn. Als Vorbild dient die jüngste Demo in den Niederlanden.

Protestierende Landwirte haben vergangenen Dienstag in den Niederlanden ein Verkehrschaos ausgelöst. Tausende Bauern blockierten mit ihren Treckern Den Haag (top agrar berichtete). Auch Berufskollegen in Deutschland verfolgten die Demonstration aufmerksam. Viele Landwirte fordern eine ähnliche Aktion in Deutschland. Im Rahmen einer Umfrage auf unserer Facebookseite beurteilen 92 % der über 7.000 Teilnehmer die Protestaktion der niederländischen Landwirte als gut und nachahmenswert.

Für die Protestaktionen der niederländischen Landwirte zeigte auch der Präsident des Deutschen Bauernverbandes (DBV), Joachim Rukwied, Verständnis. Er hält derartige Proteste auch in Deutschland für möglich und begründet dies mit dem umstrittenen Aktionsplan Insektenschutz.

Land schafft Verbindung

Ähnlich wie die Berufskollegen im Nachbarland fühlen sich auch die Landwirte in Deutschland zu Unrecht an den Pranger gestellt. Das Agrarpaket und die verschärfte Düngeverordnung habe das Fass zum Überlaufen gebracht. Nach der großen und positiven Resonanz auf die Aktion in Den Haag, wollen auch deutsche Landwirte deutlich lautstärkere Proteste organisieren. Es gründete sich noch am Dienstag vergangener Woche die Facebook-Gruppe „Land schafft Verbindung“. Mittlerweile gehören dieser fasst 10.000 Landwirte aus ganz Deutschland an. Hier wird ausgiebig diskutiert und um Ideen gerungen. Aus der Gruppe hat sich ein Organisationsteam von neun Landwirten gebildet, die die Aktion im Hintergrund planen.

Treckerkonvoi in Bonn

Die Hauptveranstaltung soll am 22. Oktober um 11 Uhr in Bonn auf dem Münsterplatz stattfinden. In Belgien und Frankreich seien an dem Tag ähnliche Proteste geplant. Neben der Großdemo mit Treckerkonvoi in Bonn soll es auch regionale Kundgebungen geben. Heute sollen detaillierte Gespräch mit der Stadt Bonn geführt werden. „Danach wissen wir mehr und werden euch zeitnah informieren!“ heißt es von der niedersächsischen Mitorganisatorin Anita Lucassen.

Mitorganisator Thomas Andresen aus Schleswig-Holstein ruft in einem Video zu einer lauten, aber zugleich friedlich ablaufenden Demonstration auf:

„Wir wollen laut sein, wir wollen Aufmerksamkeit erreichen, wir wollen in den Nachrichten kommen, wir wollen Trecker auf den Straßen sehen und wir wollen Druck aufbauen… Was wir nicht wollen sind brennende Strohballen und Reifen oder Gülle vor irgendwelchen Verwaltungsgebäuden…“- Mitorganisator Thomas Andresen

Kritik von „Grüne Kreuze“-Initiatoren

Die Gruppe von Landwirten, die die Aktion der Grünen Kreuze ins Leben gerufen haben, wiesen in diesem Zusammenhang nochmal drauf hin, wie erfolgreich bisher der stille Protest gelaufen sei und zu einer großen medialen Aufmerksamkeit und Akzeptanz in der Öffentlichkeit geführt habe. Mitglied der selbsternannten „Graßwurzler“, Dr. Willi Kremer-Schillings („Bauer Willi“), warnt in der Facebook-Gruppe jedoch davor, „dass jetzt, in der momentanen Euphorie, viele zu schnell zu viel wollen und deshalb gerne zu Aktionen wie in NL aufrufen, die bei den Berufskollegen gut ankommen, aber für den Normalbürger unverständlich sind und gewonnene Sympathien verspielen.“ Für die Großdemo in Bonn sollen die Grünen Kreuze nicht zweckentfremdet werden: "Wir, die Graswurzler, zu denen Nadine Henke, Gabi Mörixmann, Bernhard Barkmann, Marcus Holtkötter, Dirk Nienhaus, Ralf Paulsen, Rene Rempt und Willi Kremer-Schillings gehören, heißen eine solche Zweckentfremdung nicht gut und möchten uns hier klar und ausdrücklich davon distanzieren.", schreibt die Gruppe auf ihrer Facebookseite.

RLV-Kundgebung am 14. Oktober in Bonn

Unabhängig von der geplanten Demo am 22. Oktober hat der Rheinischer Landwirtschafts-Verband (RLV) bereits im Vorfeld eine Kundgebung am 14. Oktober in Bonn geplant. Die Information, dass eine bundesweite Interessensgruppierung nach dem Vorbild der Demonstration in Den Haag eine ähnliche gelagerte Veranstaltung plant, sei beim RLV erst seit dem 3. Oktober bekannt. Der Vorwurf, der Verband wolle der Demonstration der Netzblogger zuvorkommen, um diese zu untergraben sei falsch, heißt es in einer Mitteilung des Verbandes. Er beabsichtige in keiner Weise, andere Aktivitäten zu behindern oder zu unterbinden. Der RLV bietet an, seine Infrastruktur für die Demo am 22. Oktober zu Verfügung zu stellen.

Die Redaktion empfiehlt

Wegen des Aktionsplans Insektenschutz hält es DBV-Präsident Joachim Rukwied auch in Deutschland für möglich, dass die Bauern protstieren und den Verkehr lahmlegen.

Auch die Berufskollegen in den Niederlanden sehen sich derzeit Verschärfungen bei Tierhaltung und Düngung gegenüber. Tausende Bauern blockieren mit ihren Treckern Den Haag.

Reicht T-Führerschein für Treckerkonvoi aus?

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Artikel geschrieben von

Christina Lenfers

Redakteurin top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Andreas Stroh

Schade,dass sich schon wieder die Bauern zweiteilen lassen.Warum kann nicht einmal zusammenhalt bewiesen werden, da bricht keinem ein Zacken aus der Krone. Wir haben grüne Kreuze und machen bei der Demo mit.

von John Nissen

Anders geht es nicht mehr...

... Deutschland zu zeigen, dass zur Zeit die bäuerliche Landwirtschaft zu Grunde geht. Wir werden von BMU und BMEL den NGOs zum Fraß vorgeworfen damit niemand auf die Idee kommt die wahren Klimasünder zu bestrafen. Wenn VW droht Mitarbeiter zu entlassen, dann gibt's Mal eben eine Abwrackprämie oder andere Steuergeschenke. Wenn 10.000 landwirtschaftlichen Betrieben die Aufgabe droht, dann gibt es noch ein Mercosur und Agrarpaket obendrauf. Der Kern unseres Problems ist der brutale Preiskampf des LEH. Dort muss die Politik eingreifen, um nachhaltig für eine stabile und ökologisch verträgliche Landwirtschaft zu sorgen. Macht Sie aber nicht, weil das ja die Kaufkraft der Menschen für Autos, Klamotten, etc mindert.und dann die Wirtschaft schwächt. Aber so geht es nicht weiter, wir wissen wie wichtig wir sind!

von Rudolf Rößle

Smartphones

die klickern bei vielen. Es ist erstaunlich was eine vernetzte Welt für Bewegungen erzeugen kann.

von Torsten Kremershof

Andrea Nahles Zitat :

"Ab morgen kriegen sie in die Fresse !! " Zitat Ende . Zwinker ;).

von Willy Toft

Die AMK ist das Ziel der Aktion, und sollte nicht zerredet werden!

Außerdem wird es wohl auch noch andere Aktionen geben. Es geht um mehr Mitsprache bei den ganzen Restriktionen, die gerade aus dem BML auf den Weg zu uns sind. So geht es nicht weiter, wir lassen uns nicht die Existenz- Grundlage nehmen!

von Gerd Uken

Der DBV springt auf den fahrenden Zug

auf, darum soll das ganze ja sicherlich sich wohl in Bonn stattfinden?? Das dort das LW Ministerium ist ist klar aber genau gegenüber hat ja noch jemand seinen Sitz.....

von Karlheinz Gruber

Ruckwied hat Verständnis

da sage ich mal : Danke. Danke dafür, dass uns der DBV soweit gebracht hat. Danke dafür, daß bei den Verhandlungen immer die Interessen der anderen besser gewogen haben als die eurer Mitglieder. Danke für die Verhandlungen mit den Freihandelsabkommen. Danke bei der DÜV, Erschließung von Wasser bei den Ställen, Danke usw..... Nun meine Frage: Was hat der DBV jetzt vor? Was kommt von Ihm. Ich bin immer noch mehr dafür vor dem Präsidium zu Demonstrieren. Denn ich gebe Bauer Willi und den Grünen Kreuzen hier mehr recht. Mit Bulldogs auf der Straße werden wir wieder von allen angefeindet. vor allem wenn lauter schöne neue teure Teile mitfahren. Das paßt zur Untergangsstimmung wie die Faust aufs Auge. Wenn dann kleine Nadelstiche bei den Ministerien und Infostände in den Städten, die die unterschiede in der Gesetzesanwendung aufzeigen. Nahrungsmittel aus dem Supermarkt ausstellen mit Herkunftskennzeichnung, Rechnungen von vor 20 Jahre und Preise vor 20 Jahren mit Heute aufzeigen. DASS wirkt mehr. Lohnvergleiche vor 20 jahren mit heute. Damit können sich die Leute identifizieren. Aber helfen tut es nur bis zum nächsten Einkauf.... Leider... Wir sind auf verlorenem Posten. Die Politik gehört gerupft, nicht der Bürger

von Albert Maier

Da will ich mal sehen...

... wie sich der DBV positioniert!

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