"Kein Kavaliersdelikt"

Landwirt mäht Kitz trotz vorherigem Hinweis aus

Aktuell berichten Medien wieder verstärkt über ausgemähte Kitze. Jäger und Vertreter landwirtschaftlicher Ortsverbände ermahnen die Bewirtschafter, die Flächen vorher abzusuchen.

In den Medien erhalten seit einigen Jahren zunehmend Meldungen von ausgemähten Kitzen Aufmerksamkeit. Nicht zuletzt auch durch harte Urteile gegen Landwirte, die ihren Kontrollpflichten nicht nachgekommen sind.

Aktuell erregt ein Fall aus Herrieden Ärger. Wie nordbayern.de berichtet, hatten Spaziergänger beobachtet, wie sich ein Rehkitz in einer Wiese ablegt. Als kurz darauf der Landwirt zur Mahd eintraf, hätten die Passanten den Fahrer informiert. Dieser soll die Warnung aber ignoriert und die Wiese gemäht haben, heißt es. Gegen den Landwirt wurde deshalb eine Anzeige wegen Verstoß nach dem Tierschutzgesetz erstattet.

Alle mähen gleichzeitig: Wetter erschwert Suche nach Wild

Ähnliches berichtet die Meppener Tagespost. Sie fragt, ob die Bauern den Mähtod von Kitzen in Kauf nehmen. In dem Zeitungsartikel empört sich der Aschendorfer Hegeringleiter Josef Schwindel. Er habe wiederholt Wildtiere gesehen, die kurze Zeit später ausgemäht wurden.

Viele Flächennutzer würden sich zwar an präventiven Schutzmaßnahmen beteiligen, doch es gebe in diesem Jahr wieder welche, denen das anscheinend egal ist, moniert der Jäger aus Neulehe. "Wir Jäger beobachten, dass sich einige Landwirte aus der Verantwortung stehlen wollen", sagte Schwindel der Zeitung. Entweder würden Flächennutzer vor der Mahd überhaupt keine Maßnahmen treffen und damit den Tod von Wildtieren billigend in Kauf nehmen oder sich dermaßen kurzfristig bei Jägern melden, dass diese kaum noch eine Möglichkeit hätten, das Wild aus dem Feld zu verscheuchen. "Da wird ohne Rücksicht einfach losgemäht."

Schwindel appelliert an die Flächennutzer, die Jäger mit etwas mehr Vorlauf über die bevorstehende Arbeit auf dem Feld zu informieren. "Wir sind auf die Zuarbeit der Landwirte angewiesen und fordern diese Unterstützung auch ein." Natürlich habe er Verständnis, dass gerade bei dem aktuell schlechtem Wetter mit viel Regen die kurzen Trockenphasen von allen Landwirten genutzt würden, um die Mahd vorzunehmen. "Wenn aber alle gleichzeitig auf dem Feld sind, kommen wir Jäger nicht hinterher."

Er macht aber deutlich, dass die Unterstützung aus der Jägerschaft auf freiwilliger Basis erfolge. "Wir machen das natürlich gerne, aber der Flächennutzer bleibt bei der Wildtierrettung in der Verantwortung", betont Schwindel. Gesetzlich sind Landwirte zur Wildtierrettung verpflichtet. "Wir wollen keinen bei der Polizei anzeigen, sondern setzen auf Zusammenarbeit. Doch dafür braucht es beide Seiten."

Auch Thomas Korte, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisvereins Aschendorf-Hümmling, nimmt seine Berufskollegen in die Pflicht. "Der Mähtod ist keineswegs ein Kavaliersdelikt und bringt uns alle in Verruf", macht der Surwolder im Gespräch mit der Meppener Tagespost deutlich. Er appelliert an die Landwirte alle Möglichkeiten auszuschöpfen, um Wildtiere vor dem grausamen Tod zu schützen.

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