Rabobank

Traumberuf Landwirt: Wie es um die Attraktivität des Berufs bestellt ist

Mehr als die Hälfte der Deutschen sieht eine eher schwindende Attraktivität des Berufs Landwirt. Das gilt vor allem bei jungen Menschen. Der Stadt-Land-Vergleich dagegen zeigt ein anderes Ergebnis.

Die Marktforscher von Civey haben Anfang September im Auftrag von Rabobank Food Navigator 2.800 Bürger zur Attraktivität des Berufs Landwirt befragt.

Mehr als die Hälfte der Deutschen (54,1 %) glaubt demnach nicht daran, dass der Beruf des Landwirts in Zukunft attraktiver wird. Immerhin ein Drittel (30,5 %) bewertet die Anziehungskraft des Berufs positiv. Gleichzeitig sprechen sich 46,4 % der Befragten dafür aus, Landwirte fairer zu entlohnen.

Dass der Beruf insbesondere bei der jungen Bevölkerung zunehmend an Attraktivität verliert, bestätigen auch die Ausbildungszahlen des Bundesagrarministeriums: Sie sind seit Jahren schwach rückläufig, so die Rabobank weiter. 2010 entschieden sich noch 38.667 junge Menschen (davon 8.772 Frauen) für eine Ausbildung in landwirtschaftlichen Berufen. 2019 sank die Zahl der Nachwuchslandwirte um rund 6.000 auf 32.331 (davon 7.470 Frauen). Auch die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe schrumpft weiter: 2001 gab es noch rund 450.000 Betriebe in Deutschland, 20 Jahre später sind es noch knapp 263.000.

Wenig Interesse bei den Jüngeren

Der Rabobank Food Navigator zeigt: Je jünger die Befragten, desto weniger attraktiv erscheint der Beruf des Landwirts. Während bei den 65-Jährigen Zustimmung und Ablehnung noch relativ gleichauf liegen - 42,8 % glauben nicht daran, 19,8 % sind unentschieden und 37,4 % sind überzeugt, dass der Beruf attraktiver werden wird, - klafft bei den 18- bis 29-Jährigen eine deutlich größere Lücke: 71,0 % sehen die Attraktivität schwinden, fast doppelt so viele wie die Generation der Eltern und Großeltern.

Dagegen kann sich nur ein Sechstel (16,0 %) der jungen Menschen vorstellen, dass der Beruf des Landwirts in Zukunft spannender wird. Bei den Altersgruppen dazwischen zeigt sich eine lineare Entwicklung: Je jünger die Befragten, desto weniger attraktiv finden sie diesen Beruf.

Grafik

Im Jahr 2020 gab es insgesamt 32.469 Auszubildende in den Grünen Berufen – 138 Auszubildende mehr als 2019. Gegenüber dem Vorjahr nahm 2020 die Anzahl der Auszubildenden zum Gärtner oder Gärtnerin um 345 zu. Die Auszubildenden zum Landwirt oder Landwirtin nahmen hingegen um 204 ab. Unter allen Auszubildenden in den Grünen Berufen lag der Frauenanteil bei 23,5 %; er ist damit gegenüber dem Vorjahr geringfügig gestiegen. Unter den 8.460 Auszubildenden im Beruf Landwirt oder Landwirtin waren 2020 1.569 Frauen. Damit machten die angehenden Landwirtinnen fast ein Fünftel der Auszubildenden aus – ein etwa doppelt so hoher Anteil wie noch vor 15 Jahren. (Bildquelle: BLE)

Mehr Überzeugungsarbeit bei Männern nötig

Bei den Geschlechtern glauben etwas mehr Männer als Frauen, dass der Beruf des Landwirts künftig nicht attraktiver wird: Mehr als die Hälfte der Männer (56,1 %) kann sich das nicht vorstellen. Die Frauen liegen mit 52,1 % etwas dahinter. Auf der anderen Seite glauben mehr Frauen (32,8 %) als Männer (28,2 %), dass der Beruf künftig interessanter für den Nachwuchs wird.

Ost und West nahezu gleichauf, genau wie Stadt und Land

Der Blick auf die Bevölkerungsdichte zeigt wenig Unterschiede bei Land- und Stadtbewohnern: In der Stadt ist man mit 57,7 % am ehesten überzeugt, dass Landwirte künftig mehr Werbung für ihren Beruf machen müssen, auf dem Land sehen das 53,1 % so. Auf der anderen Seite leben hier - sicherlich der Nähe geschuldet - auch die meisten, die weiterhin an eine positive Entwicklung des Berufs glauben (31,3 %). Nur in Kleinstädten finden sich noch etwas mehr Befürworter (31,5 %).

Ost- und Westdeutsche sind sich ziemlich einig in der Annahme, dass das Dasein als Landwirt an Attraktivität verliert - im Osten sehen das 54,0 % so, im Westen 54,2 %. Auf der anderen Seite sind die Menschen im Osten zuversichtlicher, dass es eben nicht so kommt: Ein Drittel (33,9 %) glaubt an die wachsende Attraktivität, während es im Westen nur 29,5 % sind.


Mehr zu dem Thema

Die Redaktion empfiehlt

Welche Bedeutung hat nach Meinung der Verbraucher die Politik, wenn es um eine verantwortungsvolle, nachhaltige Landwirtschaft geht? Die Rabobank hat die Bürger befragt, mit überraschendem Ergebnis.

Niederländische Fachleute sehen im Jahr 2030 eine globale Nachfrage nach 500.000 t Insektenprotein. Die Ware ist im Vergleich zu Sojaschrot und Fischmehl aber noch zu teuer.

71 % der Bürger sind überzeugt, dass künftig vermehrt Extremwetterlagen auftreten, die unter anderem auch erhebliche Ernteausfälle verursachen können. 50 % sehen Starkregen und Überschwemmungen...