Digitalisierung

Start-up will mithilfe künstlicher Intelligenz Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren

Das Start-up Vivent nutzt künstliche Intelligenz, um interne Pflanzensignale zu entschlüsseln, und will damit Erkenntnisse über Pflanzengesundheit und Krankheitserreger liefern.

Wie lassen sich Mineraldünger und Pflanzenschutzmittel nachhaltig einsparen, ohne dass es zu Ertragsverlusten kommt? Möglicherweise könnten digitale Technologien Abhilfe schaffen. Einen Ansatz auf Basis von künstlicher Intelligenz liefert das Schweizer Start-up Vivent. Mit seiner Lösung will es die Gewinnspannen der Landwirte erhöhen und die Produktqualität und die Sicherheit der Ernte verbessern, indem es Informationen zur Optimierung der Anbaubedingungen über Echtzeit-Messungen der Pflanzenvitalität liefert. Die Technologie zur Diagnose der Pflanzengesundheit nutze dabei künstliche Intelligenz, um interne Pflanzensignale zu entschlüsseln. Sie liefere außerdem Erkenntnisse über die Pflanzengesundheit und diagnostiziere Krankheitserreger und Schädlinge, einschließlich des Wurzelzustands, bevor sichtbare Symptome auftreten.

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Andrzej Kurenda vom Start-up Vivent mit Sensoren zur Übewachung des Pflanzenwachstums. (Bildquelle: EIT Food)

Für sein Geschäftsmodell erhielt das Start-up kürzlich 10.000 € und ging als Sieger aus dem europaweiten Wettbewerb „Digitale Landwirtschaft für nachhaltige Ernährungssysteme“ des Europäischen Innovations- und Technologieinstituts EIT Food, dem LfL Bayern und Siemens hervor. Für den AgriTech-Wettbewerb wurden Start-ups und innovative, digitalisierte Anwendungen zur Reduktion von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln in der Landwirtschaft gesucht.

Gesundheitszustand von Pflanzen erkennen

„Vivent hat ein Konzept präsentiert, mit dem wir über Sensoren nun die Pflanzen direkt verstehen können“, erklärte Christina Toigo, Gründerin von „Christina Toigo Consulting” für die siebenköpfige Jury aus Experten der Landwirtschaft. Und ihr Jury-Kollege Thomas Murr, Gründer von „geo-konzept“, ergänzte: „Wir können so auf dem Feld viel schneller und auch effizienter reagieren, also in der Folge viele Pflanzenschutzmittel im Einsatz deutlich verringen.“

Das in Genf ansässige Unternehmen habe sich auf das Gebiet der Pflanzenelektrophysiologie spezialisiert und verfüge über eine große Datenbank elektrophysiologischer Pflanzendaten und Algorithmen für die Frühdiagnose von Bodenschädlingen, saugenden und beißenden Insekten auf Blättern, Pilz- und Bakterieninfektionen, Trockenstress und Nährstoffmangel.

Die Produkte von Vivent sollen den Landwirten helfen, die Anbaubedingungen zu optimieren, um den Aufwand an Betriebsmitteln zu verringern.

Das Unternehmen unterstütze Landwirte dabei, Einblicke in die Art und Weise zu gewinnen, wie Pflanzen ihren „Gesundheitszustand“ mitteilen und wie sie auf Veränderungen von Umweltbedingungen oder auf Schädlings- und Krankheitsbefall reagieren. Die Sensoren erfassen von den Pflanzen ausgesandte elektrischen Signale, um ihre Reaktionen auf Veränderungen in der Umwelt schnell zu erkennen. Die Produkte von Vivent sollen den Landwirten helfen, die Anbaubedingungen zu optimieren, um den Aufwand an Betriebsmitteln zu verringern.

Austausch mit Landwirten

Das Start-up führte im Rahmen des Wettbewerbs über einen längeren Zeitraum Tests auf betreuten Feldern im bayrischen Ruhrstorf durch, darunter u.a. Trockenstressversuche an Mais. „Wir stellen fest, dass es viele technologie-affine Start-ups im Agrarbereich gibt, die mehr Zugang zu Testflächen benötigen, um ihre Ansätze auszuprobieren und direkt validieren zu können“, so Projektkoordinatorin Olivia Spykman vom LfL Bayern. „Die teilnehmenden Teams haben Einblicke in unsere Forschungsergebnisse erhalten und konnten gezielt mit Landwirten aus unserem regionalen Netzwerk in Kontakt treten, um die Kundenbedürfnisse noch besser zu verstehen“, ergänzt Projektkoordinatorin Marie Ammann von EIT Food.


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