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Praxistest: Jede Box schüttelt anders

Lesezeit: 7 Minuten

Mit einer Schüttelbox lassen sich Rationen optimieren. Doch es gibt große Unterschiede zwischen den Modellen. Das zeigt ein Praxistest aus Hessen.


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Die bedarfsgerechte Versorgung mit Strukturfuttermitteln beeinflusst die Gesundheit und Leistung von Milchkühen. Um einfach und schnell einen Überblick zum Strukturanteil in der Ration zu bekommen, eignet sich eine Futterschüttelbox: Die Boxen zeigen die Verteilung der Partikellängen mittels verschiedener Siebböden auf.


Darüber hinaus, lässt sich mit einer Schüttelbox die Misch- und Verteilgenauigkeit einer frisch vorgelegten Ration prüfen oder der Selektionsgrad im Tagesverlauf dokumentieren. Die Ergebnisse bieten eine Grundlage, um Rationen anzupassen oder das Futtermischen zu optimieren (top agrar 3/2019, Seite 98).


Die Hersteller der verschiedenen Schüttelboxen nutzen dieselben Zielwerte, um die Ergebnisse zu interpretieren und Schlussfolgerungen für die Ration zu ziehen (Seite R11). Deshalb müssen die Ergebnisse aussagekräftig und vergleichbar sein. Das haben wir in einem Praxistest überprüft.


Drei Modelle auf dem Markt


Es gibt drei Schüttelbox-Modelle auf dem Markt, die sich im Aufbau und der Bedienung unterscheiden (Übersicht 1).


Der von Wissenschaftlern der Penn State University in den USA entwickelte „Penn State Particle Seperator“ (PSPS) ist wohl die am häufigsten eingesetzte Schüttelbox. Zahlreiche Untersuchungen haben mit dieser Standardbox die Richtwerte für eine optimale Verteilung der Futterpartikellängen in Silagen und Mischrationen ermittelt.


Die Schüttelboxen „Shaky 4.0“ (Firma Wasserbauer) und die „Schudbox“ (Firma Sweep Agro) weichen von diesem Standard in Material, Form und Größe ab. Lediglich der Lochdurchmesser im Ober- und Mittelsieb sind mit 19 mm und 8 mm vergleichbar mit der Standardversion PSPS.


Die Penn State-Box besteht aus zwei oder drei Siebböden sowie einem Unterboden aus Hartplastik. Die Bodenstärke liegt bei 13 mm im Obersieb und 6 mm im Mittelsieb. Die Schüttelboxen der Firmen Wasserbauer und Sweep Agro weisen mit ihren 1 mm dicken Edelstahlsieben bzw. 4 mm dicken Kunststoffböden keine Differenzen zwischen den Siebböden auf.


Die Anzahl der Löcher je Siebboden und die Grundfläche der einzelnen Böden unterscheiden sich erheblich zwischen den drei Modellen. Die Besonderheit des „Shaky 4.0“ ist zudem, dass die Siebböden in Richtung Unterboden kleiner werden und so die Bodenfläche variiert. Alle diese Eigenschaften führen zu deutlichen Differenzen zwischen den drei Modellen – besonders im Hinblick auf das Verhältnis von Loch- zu Bodenfläche.


Darüber hinaus unterscheiden sich die Boxen auch in der Handhabung: Der Shaky 4.0 weicht stark von dem Standard ab, der durch die Penn State University festgelegt wurde (siehe Übersicht 2).


So wird bei dem Shaky über die Diagonale mit 1 x 12 statt 2 x 5 Hüben geschüttelt und nach jeder vollendeten Runde, das oberste Sieb abgenommen und nicht weiter in das Schütteln mit einbezogen.


Boxen im Praxistest


In einem Fütterungsversuch am Landwirtschaftszentrum Eichhof (Hessen) haben wir die drei Schüttelboxvarianten miteinander verglichen. An zwei aufeinander folgenden Tagen haben wir bei der Futtervorlage drei Proben gezogen. Alle Proben hat immer dieselbe Person nach Herstellervorgabe „geschüttelt“.


Die Löcher im Mittelsieb der Penn State-Box messen 8 mm2, aber die untersten Siebe von Shaky und Schudbox 4 und 1,18 mm2. Um die Modelle vergleichen zu können, haben wir die Werte zwar ermittelt, in den Darstellungen aber auf das dreiteilige PSPS-System bezogen (< 8 mm) zusammengefasst.


Der Praxistest zeigt: Die Anteile der Siebfraktionen von beiden Testtagen eines Schüttelbox-Modelles stimmen gut überein (Übersicht 3). Gravierend sind jedoch die Unterschiede zwischen den verschiedenen Boxen.


Ein wesentlicher Grund dafür ist wohl die Ausführung der Bödenstärke. Beim PSPS sind die Siebböden insgesamt dicker und variieren. Wir konnten beobachten, dass die Futterpartikel beim Auftreffen auf die Bohrungen häufiger „zurückschleudern“ und nicht sofort in den nächsten Siebkasten „kippen“. Die Böden vom Shaky und der Shudbox sind dünner und die Partikel fallen schneller in die nächste Fraktion.


Neben der Bauart beeinflusst auch die Handhabung das Ergebnis. Laut Firmenangaben ist die Shaky 4.0 am PSPS validiert, allerdings mit 10 Hüben je Seite. Das ist die doppelte Anzahl an Schüttelhüben gegenüber dem PSPS.


Verschiedene Empfehlungen


Aus den Ergebnissen einer Schüttelbox lassen sich Orientierungswerte für die Beurteilung der Strukturversorgung ableiten. Ein wichtiger Parameter ist der Gehalt an physikalischer effektiver Neutraler Detergentienfaser (peNDF). Dieser Wert lässt sich in Bezug auf den Anteil der Partikel > 8 mm berechnen.


Innerhalb der Systeme stimmen die Ergebnisse überein und lagen im Schnitt der beiden Testtage für die Penn State-Box bei 29%, Shaky 20% und Shudbox 25%. Das zeigt: Zwischen den Modellen unterscheidet sich der Parameter peNDF zum Teil erheblich.


Alle Hersteller beziehen sich aber hinsichtlich der anzustrebenden Partikelverteilung auf die Empfehlungen der Penn State University. Berater bzw. Landwirte würden aus den Ergebnissen also unterschiedliche Schlussfolgerungen für die Fütterung ziehen. Deshalb ist unser Vergleich der Schüttelboxen ernüchternd: Für die praktische Anwendung sind die Modelle von Wasserbauer und Sweep Agro nicht zu empfehlen.


Einfluss der Handhabung


Im Anschluss an den direkten Vergleich der drei Boxen haben wir die Modelle PSPS und Shaky genauer untersucht. Wir wollten wissen, welchen Einfluss die Bedienung, also das häufigere Schütteln der Shaky hat. Wir haben dazu 350 g frisch gehäckselte Maissilage geschüttelt und zwar: PSPS mit fünf und mit zehn Hüben je Seite (zwei Durchgänge) sowie Shaky nach Hersteller-Anleitung und mit fünf Hüben (zwei Durchgänge) über die Längsseite ohne Abnahme der einzelnen Siebe.


Wird die PSPS deutlich häufiger geschüttelt, verschieben sich die Anteile im Ober- bzw. Mittelsieb deutlich (Übersicht 4). Im Vergleich dazu sind die Anteile im Obersieb noch einmal fünf Prozent geringer, wenn der Shaky nach Hersteller-Anleitung geschüttelt wird. Wird der Shaky nur fünf Mal über die Längsseite bewegt, verschieben sich die Anteile der Mittel- und Feinfraktion. Die Abweichungen zum PSPS-Standard sind nicht zu tolerieren und führen zu Fehlinterpretationen der Fütterung.


Einfluss der Probenmenge


Welchen Einfluss die Probenmenge auf das Ergebnis hat, haben wir auch untersucht. Dazu haben wir die Probe der frisch vorgelegten Ration in homogene Teilproben gegliedert und mit jeweils 150, 200, 300 und 400 g geschüttelt.


Bei der Penn State-Box lässt sich ein stabiles, wiederholbares Ergebnis mit einer Probenmenge von 200 bis 300 g erzielen. Bei größeren Portionen gleitet das Material nicht mehr gleichmäßig über das Sieb und führt genauso wie zu wenig Material zu einer stark abweichenden Verteilung der Siebfraktionen.


Beim Wasserbauer-Modell haben wir diesen Versuch wiederholt, mit einer zusätzlichen Variante von 600 g bzw. einem Volumen von 1,5 l, wie vom Hersteller vorgeschlagen. Die Verteilung der Siebfraktionen stabilisiert sich nicht. Das heißt, dass hier schon abhängig von der Materialmenge Fehleinschätzungen in der Rationsbeurteilung hinsichtlich der Struktur möglich sind. Offen bleibt, ob 600 g bzw. 1,5 l das Maß aller Dinge ist.


Bei der Shudbox sollten nicht mehr als 150 bis 200 g Material geschüttelt werden. Da die Box rechteckig ist, kommt es mit größeren Mengen bei gleicher Schüttelintensität dazu, dass Material heraus geschleudert wird.


Einfluss des Anwenders


Häufig diskutiert wird, dass der Anwender durch Kraft oder Schnelligkeit einen Einfluss auf das Schüttelergebnis hat. Sicherlich ist dies nicht von der Hand zu weisen und muss berücksichtigt werden. Allerdings kann das Ergebnis auch sehr synchron ausfallen.


Zum Abschluss des Praxistests haben beide Autoren zwölf doppelt gezogene Proben parallel geschüttelt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Abweichungen bei gewissenhafter Einweisung und Einarbeitung sehr gering bis kaum darstellbar sind. ▶


anke.reimink@topagrar.com


Unsere Autoren


Thomas Bonsels und Stephanie Ped, Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen

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