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topplus Reportage

Fleckvieh besticht mit Doppelnutzen

Die gute fachliche Praxis zahlt sich im Betrieb von Christian und Lea Ertelt aus: Sie haben Management und Fütterung optimiert. Die Leistung pro Kuh und Jahr stieg so um 3.000 kg.

Lesezeit: 5 Minuten

Ganz klassisch findet man Fleckviehkühe im Süden Deutschlands, die Rasse Braunvieh ist im Allgäu zuhause und Holsteins im restlichen Teil der Bundesrepublik. Doch das geht auch anders: Wir haben uns zwei Milchkuhbetriebe angesehen, die für die jeweilige Region eher untypische Rassen melken.

Nach einem Urlaub in Bayern stand für Familie Ertelt fest: Die Kühe der Rasse Rotbunt Doppelnutzung verlassen den Hof in Torsholt (Niedersachsen) und Fleckviehkühe ziehen ein. Das war vor 25 Jahren. „Die Verkaufspreise für unsere Rinder wurden schlechter. Da kam meinen Eltern die Idee, die Rasse zu wechseln“, sagt Christian Ertelt. Er führt seit 2017 den elterlichen Betrieb gemeinsam mit seiner Frau Lea weiter. Sie haben sich in der landwirtschaftlichen Ausbildung kennengelernt und die Meisterschule besucht.

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3 .000 kg mehr pro Kuh und Jahr

Das Herz des Betriebes sind heute etwa 90 melkende Kühe und 120 ha Land. Das war nicht immer so: „Erst 1976 hat meine Mutter den Hof nicht mehr verpachtet und fing mit Kühen an, damals im Nebenerwerb. 2007 baute sie einen neuen Laufstall und führte den Betrieb haupterwerblich“, so der 35-Jährige.

Die Kühe gaben vor der Hofübergabe rund 6.100 kg Milch je Kuh und Jahr. Seit 2017 konnten Christian und Lea die Leistung auf 9.000 kg steigern. „Wir haben umgesetzt, was wir in der Schule gelernt haben“, sagt Lea Ertelt. Dazu gehört eine eigene Gruppe für Trockensteher mit entsprechender Fütterung in der Transitphase. Auch die Fütterung der melkenden Herde hat sich geändert: Jetzt besteht die Teil-TMR aus einem Drittel Gras- und zwei Dritteln Maissilage mit besseren Qualitäten. Raps, Soja und Weizen gleichen die Ration aus. Die Fütterung von Fleckviehkühen finden beide Landwirte einfach: Sie sind nicht so anfällig für Stoffwechselkrankheiten. „Im Zweifel sinkt die Milchleistung kurzfristig. Aber die Fleckviehkühe kurieren sich selber aus und die Milchmenge steigt wieder“, sagt Lea Ertelt.

Unsere Bullen sind sehr gefragt. Den Preis bestimmen wir selbst.
Christian und Lea Ertelt

Durch eine frühe Ernte und kürzere Anwelkzeiten ist die Grassilage nun um 2 MJ NEL energiereicher. Mit dem guten Grundfutter wollen Ertelts das Kraftfutter reduzieren. Färsen bekommen bis zu 6 kg und Kühe bis zu 8 kg.

Die alte Mehlfütterung im Tandemmelkstand musste 2019 weichen. Dafür erhielten ein Doppel-9er-Fischgrätenmelkstand mit gebrauchter Melktechnik und eine Abruf-station für Kraftfutter Einzug. Damit melken sie momentan rund 29 kg Milch je Kuh und Tag. Der Melkstand befindet sich in einem Altgebäude. Der Treibweg dorthin dient gleichzeitig als Vorwartehof.

Erlöse aus Milch und Fleisch

„Fleckviehtiere haben mehr Charakter. Trotzdem kommen wir mit der Rasse gut zurecht“, sagt Christian Ertelt.

Kälber ziehen sie im ersten Jahr sehr intensiv auf. Rinder kalben mit 24 Monaten. Das Landwirtsehepaar schätzt es, dass die Tiere ihre Kondition nach einer Geburt gut halten. Das Abgangsalter liegt im Mittel bei 63 Monaten und die Abgangsleistung bei 38.750 kg. Lea Ertelt ist stolz, dass ihre Fleckviehkühe im Kontrollverband die gleiche Lebensleistung erreichen wie Holsteins.

Schlachtkühe bringen am Haken noch 400 kg auf die Waage – da zeigt sich der Doppelnutzen aus Milch und Fleisch deutlich.

Bullenmast im Boxenlaufstall

Der bessere Fleischansatz macht sich auch bei der Nachzucht bemerkbar, die komplett im Betrieb verbleibt. Etwa die Hälfte der Bullenkälber gehen als Deckbullen im Alter von zwölf bis 15 Monaten in andere Betriebe. „Die Nachfrage ist groß, sogar aus der Region“, sagt Christian Ertelt. Anfragen kommen z. B. aus Schleswig-Holstein, Brandenburg, Hessen und Rheinland-Pfalz. Teilweise sind es Holstein-Betriebe, die keine eigene Nachzucht aufziehen oder Mutterkuhhalter. Oder Höfe, die Fleckvieh einkreuzen oder ganz umstellen wollen.

Die Vermarktung hat Christian Ertelt über Ebay gestartet. Alternativ verkauft er Bullen über Händler oder den örtlichen Zuchtverband. Sein Preismodell: 330 € Grundpreis im Alter von 14 Tagen zzgl. 4 € je weiterem Lebenstag.

Sowohl die Bullen als auch die weibliche Nachzucht und Trockensteher befinden sich in dem 2014 gebauten Boxenlaufstall. Dieser schließt an den ersten Stall von 2007 an. Linksseitig vom Futtertisch stehen Bullen in Hochboxen mit Gummiauflage. Auf der rechten Seite haben Rinder in Hoch- und Trockensteher in Tiefstreuboxen Platz. Die planbefestigten Laufflächen reinigen Faltschieber. „Bullen in Liegeboxen zu halten ist ungewöhnlich, aber wir wollten uns damals nichts verbauen“, so der Landwirt. Es wäre möglich, die Bullen abzuschaffen und mit dem Kapital auf bis zu 200 Kühe aufzustocken.

Aus Fehlern lernen

Ziel ist, wieder 100 Kühe zu melken. Aufgrund von Dürre und Futterknappheit in den vergangenen Jahren haben Ertelts weniger weibliche Nachzucht behalten. Zuletzt sind einige alte Kühe abgegangen, sodass eine Lücke entstanden ist. Arbeitstechnisch passte das, da Lea sich zudem um die Kinder Hanna (15), Lasse (3) und Lotte (1) kümmert. „ Unsere Zeit ist ein knappes Gut, da muss alles funktionieren“, sagt sie. Umso mehr motivieren Erfolge: Etwa, wenn sie eine ihrer Kühe als höchstleistende Fleckviehkuh in der Zeitschrift vom Zuchtverband entdecken.

Christian und Lea Ertelt haben es ­geschafft, dass der Betrieb wieder schwarze Zahlen schreibt und managen eine gesunde und leistungsstarke Herde. Sie sind sich einig: „Wir lernen aus unseren Fehlern und müssen uns überall voran tasten.“

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