Forschungsprojekt

Stall vs. Weide – Welche Haltungsform ist besser?

Ein Verbundprojekt mit 60 Betrieben in Niedersachsen hat Haltungssystemen für Milchkühe analysiert. Im Fokus waren z.B. Tiergesundheit, Nährstoffe und Betriebswirtschaft. Ergebnis: Jedes System hat Stärken. Wichtig ist, wie Landwirte diese nutzen.

Viel Weide, wenig Weide, reine Stallhaltung – alle Haltungssysteme haben Stärken und Schwächen, so das Ergebnis des Verbundprojektes "Systemanalyse Milch". (Bildquelle: Werkbild)

„Weide macht weniger Arbeit, aber damit kann man kein Geld verdienen. Im Stall ist die Milchleistung besser, aber das Tierwohl schlechter.“ Diese und viele andere Behauptungen kursieren seit Jahren in der Diskussion um die Haltungssysteme von Milchkühen, erklärt das Grünlandzentrum Niedersachsen/Bremen. Um einen differenzierten Überblick zu verschaffen, haben das Grünlandzentrum, die Landwirtschaftskammer Niedersachsen und die Universität Göttingen das Projekt „Systemanalyse Milch“ ins Leben gerufen. Nach fünf Jahren Laufzeit kommt das vom Niedersächsischen Ministerium geförderte Verbundprojekt zum Abschluss.

Kein klarer Gewinner

Die Ergebnisse seien sehr umfangreich. Zusammenfassend lasse sich aber sagen, dass jedes System seine Stärken und seine Schwächen hat. Wichtiger als die Wahl des Haltungssystems sei das richtige Management, um die Stärken von Weide und Stall zu nutzen und die Schwächen auszugleichen. Hohes Tierwohl und wirtschaftlicher Erfolg seien keine Gegensätze, sondern gehen Hand in Hand.

Die Wissenschaftler haben den Einfluss der Haltung auf folgende Bereiche untersucht: Tiergesundheit und Wohlbefinden, Eutergesundheit, Parasitologie, Futterproduktion und Nährstoffmanagement, Pansengesundheit und Tierernährung, Nachhaltigkeit, Betriebswirtschaft und Verbraucherakzeptanz

Teilergebnisse des Projektes sind beispielsweise:

Die 60 Betriebe waren in vier Haltungsgruppen mit Vollweide bis ganzjährige Stallhaltung unterteilt. (Bildquelle: Werkbild)

60 Praxisbetriebe mit Vollweide bis ganzjähriger Stallhaltung

Die Wissenschaftler arbeiteten zusammen mit 60 Landwirtinnen und Landwirten, die ihre Höfe für Untersuchungen zur Verfügung stellten, Einblick in Betriebsunterlagen gewährten und für Befragungen bereitstanden. Die Betriebe befinden sich in den intensiven Milchviehregionen Niedersachsens, ähneln sich in Struktur und Größe, unterscheiden sich aber in ihrer Bewirtschaftungsform.

Insgesamt gab es vier Gruppen mit je 15 Betrieben: In der Gruppe 1 hatten die Kühe über zehn Stunden täglich Weidegang, in der Gruppe 2 konnten sie zwischen sechs und zehn Stunden auf der Weide verbringen, in der Gruppe 3 hatten die Tiere unter sechs Stunden Zugang und in Gruppe 4 wurden sie ausschließlich im Stall gehalten. Ergänzend zu den Untersuchungen auf den Höfen gab es Exaktversuche und Verbraucherberfragungen. Die Forschungsarbeit wurde von drei Universitäten, einer Fachhochschule und zwei Instituten durchgeführt. Insgesamt waren 15 Doktorandinnen und Doktoranden aus acht Arbeitsgruppen beteiligt.

Alle Ergebnisse im Überblick

Das Wissen um die in dieser Studie erarbeiteten Stärken und Schwächen der Milchproduktion soll Landwirten, Beratern und Experten aus dem vor- und nachgelagerten Bereich helfen, die Bedingungen in den verschiedenen Haltungssystemen zu optimieren und zukunftsfähig zu gestalten. Die für die Praxis wichtigsten Ergebnisse werden in dem Buch „Systemanalyse Milch – Hintergründe für die Praxis“ vorgestellt. Darin haben die Wissenschaftler die komplexen Sachverhalte für die Praxis zusammengefasst und Empfehlungen abgeleitet. Es erscheint zur Abschlusskonferenz am 9. November 2018 und ist dann beim Grünlandzentrum Niedersachen Bremen e.V. sowie als E-Book auf der Homepage von Systemanalyse Milch erhältlich: www.systemanalyse-milch.de

Artikel geschrieben von

Anke Reimink

Redakteurin Rinderhaltung

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Diskussionen zum Artikel

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von Willy Toft

Weidehaltung ist Wunschform, aber nicht mehr bezahlbar!

Alle Bemühungen in der Richtung werden nicht ausreichend honoriert, das ist der Punkt! Wir würden liebend gern diesem Wunschdenken entsprechen. Es kostet Leistung und Fläche. Wir gönnen es den Tieren, im Frühjahr für einige Stunden am Tag.

von Steffen Hinrichs

Letztendlich zählt leider nur die Wirtschaftlichkeit

Wir befinden uns in der Milchvergütung im knallharten Wettbewerb und da Stallhaltungsbetriebe erheblich mehr Milch pro Kuh im Tank erzielen und man Weidemilch nicht durch einer höheren Vergütung auffängt ,oder einer Weideprämie ausgleicht ,wird die Weidehaltung sich immer mehr zurückziehen .

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