Tipps zur Tiergesundheit

Tierarzt rät dringend zur Rindergrippe-Impfung

Tierarzt Dr. Fabian Schleß und Familie Maas sind von der Rindergrippe-Impfung überzeugt. Wir haben nachgefragt, welche Vorteile das regelmäßige Impfen bringt und was es kostet.

Die Grippeimpfung für unsere Rinder wollen wir nie wieder missen. Denn wir haben einmal einen Grippeeinbruch erlebt und das wollen wir unbedingt verhindern“, sagt Tobias Maas, Milchviehhalter und Bullenmäster aus Alpen bei Wesel (NRW).

Zusammen mit seinen Eltern Ulla und Klemens Maas bewirtschaftet er den Betrieb mit 200 Milchkühen, Nachzucht und 100 Mastbullen. Mit ihrer Fleckvieh-Herde melken sie rund 10.300 kg.

Seit etwa zehn Jahren impfen die Landwirte das Jungvieh gegen Rindergrippe und sind überzeugt: „Der Schutz der Kälber und Jungtiere zahlt sich aus: Wir haben so gut wie nie Tiere mit Atemwegserkrankungen und wenn, dann nur mit sehr milden Symptomen.“

Die Tierarztpraxis „Rinderteam Niederrhein“ in Sonsbeck betreut Familie Maas. Dr. Fabian Schleß ist Tierarzt und Geschäftsführer. Mit einem Team von zwölf Tierärztinnen und Tierärzten betreut er 120 Rinderhalter in der Region, darunter Mastbetriebe und Milchviehbetriebe mit 30 bis 1.500 Tieren.

Impfen gegen Grippe

Etwa 70 % seiner Kunden impfen gegen Rindergrippe und Schleß ist von der Wirksamkeit überzeugt. „Etwa 15 bis 20 % der Kälber in Deutschland erkranken in den ersten drei Lebensmonaten an einer Atemwegserkrankung. Das zeigte eine Studie der TiHo-Hannover. Doch bei der Atemwegserkrankung bleibt es meist nicht“, so Schleß.

Eine Lungenerkrankung bei Kälbern und Jungrindern zieht oft einen Rattenschwanz an Folgeerkrankungen nach sich: Die Futteraufnahme geht zurück und auch die Lebendmassezunahmen sinken. Dann steigen oft auch das Erstkalbealter und damit die Kosten der Aufzucht. Laut Studien seien das rund 300 € Mehrkosten pro Tier.

Hinzu kommen Einbußen durch eine geringere Milch- oder Mastleistung. Denn Lungenschäden sind nicht sichtbar, doch einmal erkrankte Tiere erreichen als Milchkuh nie die maximale Milchleistung, ist Schleß überzeugt: „Die Lungen sind nicht optimal ausgebildet und damit ist eine Hochleistung nicht möglich.“

Impfen reduziert AB-Einsatz

Weil sich auf Lungenerkrankungen oft weitere Virus- oder Bakterieninfektionen setzen, reduziert das Impfen auch den Einsatz von Medikamenten. „Das können wir eindeutig bei unseren Kunden sehen: Betriebe, die Impfen, benötigen im Schnitt 50 % weniger Antibiotika im Kälberbereich als Betriebe, die nicht impfen“, sagt Schleß.

Mit dem ab Ende Januar 2022 ­geltenden EU-Tierarzneimittelgesetz werden Tierärzte in der Auswahl und Anwendung von Antibiotika deutlich eingeschränkt. Auch das spricht laut Schleß für das Impfen.

Mit Impfstoff therapieren

Es gibt grundsätzlich zwei Impfstoffvarianten. Inaktivierte Impfstoffe (Totimpfstoffe) enthalten nicht-vermehrungsfähige Bestandteile des jeweiligen Erregers, die der Körper als „fremd“ erkennt. Das regt das Immunsystem an, spezifische Antikörper gegen diesen Erreger zu bilden.

Aktivierte Impfstoffe (Lebend­impfstoffe), enthalten geringe Mengen vermehrungsfähiger, aber abgeschwächter Krankheitserreger. Diese lösen die Krankheit nicht direkt aus, sondern „infizieren“ im Körper die passenden Zellen. Es kommt zu einer schnellen und effizienten Antikörperbildung. Die Immunität kommt der einer...

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