Das Comeback des Roggens Plus

Neue Roggensorten ohne das alte Mutterkorn-Risiko sind für die Schweinefütterung äußerst interessant. Über erste Versuchsergebnisse sprach top agrar mit Prof. Dr. Josef Kamphues von der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Was macht Roggen wieder so interes-sant für die Schweinefütterung? Gibt es neue Erkenntnisse?

Kamphues: Allerdings! Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass Roggen mehr „Ballaststoffe“ enthält als Hafer. Bei der bisher gängigen Futtermittel-​analytik wie der Weender Analyse wird unter anderem die Rohfaser bestimmt. Wenn man die Kohlenhydrate jedoch stärker differenziert, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Dann enthält Roggen auch noch große Anteile an Polyfructanen und 7 bis 12% Arabinoxylane. In Summe kommt man dann auf mehr als 20% „Ballaststoffe“.

Warum sind diese Polyfructane undArabinoxylane so wichtig?

Kamphues: Für beide Kohlenhydratfraktionen besitzt der Organismus des Schweines keine Enzyme, kann sie also im Magen bzw. Dünndarm nicht spalten und absorbieren. Sie gelangen mehr oder weniger unverdaut in den Dickdarm und werden von den dort ansässigen Bakterien insbesondere zu Buttersäure fermentiert.

Was macht die Buttersäure für den Organismus des Schweines so wertvoll?

Kamphues: Butyrat bewirkt eine Vielzahl von positiven Effekten. Hier ist international in den letzten Jahren sehr viel Forschungsarbeit geleistet worden. Buttersäure ist zum Beispiel wichtig für die Ernährung der Darmschleimhaut. Zudem fördert sie die Ausreifung und Differenzierung der Darmzellen. Die Zellen leben länger und der natürliche Zelluntergang wird hinausgezögert.Doch Butyrat kann noch wesentlich mehr: Es reduziert vorhandene Entzündungen im Darm und stimuliert die Immunzellen. Die Bildung maternaler Antikörper soll angeregt werden, sodass die Ferkel über die Biestmilch noch besser vor Infektionen geschützt werden könnten.

Hat Buttersäure auch einen Einfluss auf Salmonelleninfektionen?

Kamphues: Ja, Buttersäure verfügt über eine bakteriostatische Wirkung, hemmt also die Vermehrung von Bakterien. Krankmachende Keime wie Salmonellen werden zurückgedrängt. Im Verdauungstrakt wirken die „besonderen Kohlenhydrate“ des Roggens also gleichzeitig wie...

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