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So unterbrechen Sie Infektionsketten

Lesezeit: 9 Minuten

Krankheitserreger, die im Betrieb zirkulieren und immer wieder neue Schweine anstecken, bekommt man nur mit einem ausgefeilten Hygienekonzept in den Griff.


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Wer seine Schweine gesund erhalten will, muss nicht nur dafür sorgen, dass keine neuen Erreger in den Bestand eingeschleppt werden. Er muss auch verhindern, dass bereits im Betrieb vorhandene Keime von Bucht zu Bucht oder von Abteil zu Abteil weitergetragen werden. Die Infektionsketten im Bestand müssen effektiv unterbrochen werden.


Ein typisches Beispiel dafür sind Kotreste im Profil der Stallstiefel. Beim Betreten einer Bucht mit älteren Mastschweinen, die bereits mit vielen Krankheitserregern in Kontakt gekommen sind, bleiben im Profil der Stiefel häufig Kotreste haften. Die darin enthaltenen Keime können dann leicht in eine Bucht mit gerade neu eingestallten, empfänglichen Mastläufern verschleppt werden. Deshalb ist Stiefelhygiene bzw. der Stiefelwechsel so wichtig.


Schwarz-Weiss-Trennung


Die wichtigste Vorsorgemaßnahme ist ein wirksamer Außenschutz. Achten Sie auf eine klare Schwarz-Weiss-Trennung. Dazu gehört eine möglichst lückenlose Einzäunung im Außenbereich. Sie kann verhindern, dass Wildschweine oder unbefugte Personen in Stall- oder Silonähe gelangen.


Zudem sollten Sie die Zufahrt zum Betriebsgelände stark einschränken. Im Idealfall bleiben die Fahrzeuge von Dienstleistern wie Tierarzt, Spermakurier und Elektroinstallateur außerhalb des Geländes. Schildern Sie dafür einen Besucherparkplatz aus. Tiertransporter, die das Gelände befahren müssen, sollten Sie so leiten, dass kreuzende Wege zwischen anliefernden und abholenden Fahrzeugen vermieden werden.


Verladerampen und Treibewege für die Anlieferung und den Abtransport sollten möglichst weit voneinander entfernt sein. Zudem müssen sie nach jedem Gebrauch gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Dazu gehört auch die Viehwaage.


Alle Gebäude, in denen Schweine gehalten werden, dürfen nur über eine Hygieneschleuse betreten werden. In dieser Schleuse werden Kleidung und Schuhe gewechselt. Straßen- und Stallkleidung sowie die dazugehörigen Schuhe bzw. Stiefel müssen hier voneinander getrennt gelagert werden, sie dürfen nicht in Kontakt kommen.


Ganz wichtig ist auch die Handhygiene. Waschen und desinfizieren Sie Hände und Unterarme nach dem Ablegen der Straßen- vor dem Anlegen der stalleigenen Kleidung gründlich. Zum Abtrocknen benutzen Sie am besten Einweg-Papiertücher. Als optische und physische Barriere zwischen Schwarz- und Weißbereich leistet eine quer in den Raum gestellte Bank gute Dienste. Im Idealfall müssen alle, die den Stall betreten wollen, einduschen.


Bei zusammenhängenden Stallgebäuden genügt eine zentrale Hygieneschleuse. Wenn mehrere Altersgruppen von Schweinen in einem Stallkomplex untergebracht sind, sollten Sie für jeden Bereich (Abferkelstall, Ferkelaufzucht, Mast) separate Overalls, Stiefel und Gerätschaften bereithalten. Zur besseren Unterscheidung kennzeichnen Sie die Overalls, Treibebretter, Schaufeln und Besen für jeden Produktionsbereich mit einer eigenen Farbe.


Hunde und Katzen haben im Weißbereich des Betriebes und auch in der Hygienschleuse nichts zu suchen. Denn sonst können sie an ihren Pfoten oder im Fell anhaftende Erreger von Abteil zu Abteil verschleppen.


Jeder, der im Stall arbeitet, kommt dabei auch immer wieder mit erkrankten Tieren, deren Ausscheidungen oder mit erregerhaltigen Staubpartikeln im Stall in Kontakt. Dadurch besteht immer wieder die Gefahr, dass er diese Erreger ungewollt von Abteil zu Abteil verschleppt. Wenn mehrere Personen im Stall arbeiten, ist es daher sinnvoll, für jeden feste Arbeitsbereiche zu vergeben. Wer zum Beispiel den Abferkelstall betreut, sollte nicht gleichzeitig auch für das Flatdeck oder den Maststall zuständig sein.


Arbeitsabläufe optimieren


Werden mehrere Altersgruppen von einer Person betreut, sollten Sie von jung nach alt arbeiten. Beginnen Sie mit der Arbeit im Abferkelstall, versorgen Sie anschließend die Flatdeckferkel und gehen Sie erst ganz zum Schluss in den Maststall. Diese Reihenfolge ist wichtig, weil ältere Tiere meist stärker mit Keimen belastet sind als jüngere. Zudem sind junge Tiere für viele Erreger empfänglicher als ältere.


Noch besser ist es, wenn Sie vor dem Betreten des neuen Produktionsbereiches zusätzlich die Kleidung und die Schuhe wechseln. Und innerhalb des Produktionsabschnittes muss man zusätzlich auf die Handhygiene achten. Dazu müssen sich Waschbecken und Papierhandtücher in erreichbarer Nähe befinden. Alternativ können Sie auch mit Einmalhandschuhen arbeiten, die Sie von Abteil zu Abteil wechseln.


Wer Infektionsketten innerhalb des Betriebes wirksam unterbrechen will, muss zudem auf den Tierfluss achten. Schweine, insbesondere Kümmerer, dürfen nicht zurückbehalten und schon gar nicht zurückgestallt werden. Und um die strikte Altersgruppentrennung einzuhalten, darf auch keine Gülle zum Spülen aus der Vorgrube in den Stall zurückgepumpt werden.


Auf Arbeitshygiene achten


Wichtig ist zudem, unnötigen Kontakt mit den Tieren oder deren Ausscheidungen zu vermeiden. Um das Verschleppen von Kot in andere Buchten zu reduzieren, sollten Sie die Buchten daher nur bei Bedarf betreten.


Buchten mit sichtbar kranken Tieren suchen Sie möglichst erst am Ende des Stallrundgangs auf. Kommen Sie mit erkrankten Schweinen in Körperkontakt, sollte man die betreffenden Stellen umgehend reinigen und desinfizieren. Wechseln Sie im Zweifelsfall lieber die Kleidung, bevor Sie eine andere Tiergruppe besuchen.


Lässt sich der Kontakt mit sichtlich erkrankten Schweinen nicht vermeiden, können Sie vor dem Betreten der Bucht bzw. des Abteils auch einen Einmal-overall, Überschuhe und Einmalhandschuhe überstreifen. Beim Verlassen des Bereiches wird die Schutzbekleidung dann direkt in einen Müllbeutel verpackt und entsorgt.


Impfkanülen sollten Sie spätestens nach jeder Bucht wechseln, um möglichst wenig Keime zu verschleppen. Und wiederverwendbare Impfbestecke werden nach jedem Gebrauch gereinigt und ausgekocht. Regelmäßiges Wechseln ist auch bei Skalpellklingen wichtig, die zum Kastrieren benutzt werden. Tauschen Sie die Klingen spätestens nach jedem Wurf aus.


Nachgeburten, kupierte Schwanzspitzen und entfernte Hoden sollten Sie möglichst rasch aus dem Tierbereich entfernen und in die Kadavertonne entsorgen. Einige Ferkelerzeuger nutzen Schwanzspitzen und Hoden neuerdings auch für die Erreger-Diagnostik.


Sie sammeln die Abschnitte in einem Beutel und nutzen die entstehende Gewebeflüssigkeit zur Untersuchung auf Krankheitskeime. So lässt sich zum Beispiel überprüfen, ob die Sauenherde PRRS-stabil ist oder nicht (s. top agrar 1/2019, Seite S14).


Kranke Tiere absondern


Erkrankte Tiere, die Erreger ausscheiden können, sollten Sie rechtzeitig aus der Gruppe entfernen und in einer speziell dafür eingerichteten Genesungsbucht unterbringen. So verhindern Sie, dass sich noch mehr Tiere anstecken. Außerdem haben die kranken Schweine in der Genesungsbucht mehr Ruhe und können sich besser erholen.


Wie eine Genesungsbucht aussehen sollte, haben wir in top agrar 7/2017 ab Seite S22 ausführlich beschrieben. Sie sollte dem kranken Schwein Ruhe und Komfort bieten. Dazu gehört eine weiche Liegefläche (Gummimatte, Stroh), ausreichend Wärme und eine offene Tränkestelle sowie ein eigener Futterautomat bzw. Trog für das erkrankte Tier. Wichtig ist, dass Sie die kranken Schweine erst am Ende Ihres Stallrundgangs besuchen und separate Schuhe sowie Einweghandschuhe benutzen.


Während Sauen nach ihrer Genesung wieder in den Sauenstall zurückkehren, bleibt für Mastschweine am Ende nur der Weg zum Schlachthof oder – wenn keine Heilung möglich ist – die Nottötung. Denn sie können auch dann noch Erreger ausscheiden und so eine permanente Ansteckungsquelle für die gesunden Tiere darstellen, wenn sie augenscheinlich wieder gesund sind.


Von nicht heilbar kranken oder dauerhaft kümmernden Schweinen sollten Sie sich daher beizeiten trennen. Zudem kann es nach dem Zurückstallen zu unnötigen Rangkämpfen kommen.


Treibebretter mitreinigen


Nach dem Ausstallen und vor dem erneuten Belegen eines Abteils bzw. Stalles müssen der Raum, die Aufstallung und die im Stall befindlichen Gerätschaften gründlich gereinigt und desinfiziert werden. Dabei dürfen Sie auch die Treibegänge, die Treibebretter und die Viehwaage nicht vergessen. Worauf Sie im Detail bei der Reinigung und Desinfektion achten müssen, werden wir in einer der nächsten top agrar-Ausgaben ausführlich beschreiben.


Fakt ist, dass man bei der Stallreinigung und -desinfektion viele Fehler machen kann. In der kalten Jahreszeit, die jetzt unmittelbar bevorsteht, müssen Sie z.B. den Kältefehler des jeweiligen Desinfektionsmittels beachten. Sonst bleibt die erhoffte Wirkung womöglich aus. Problematisch wird es auch, wenn die zu desinfizierenden Flächen noch nass von der Reinigung sind. In diesem Fall kann das eingesetzte Desinfektionsmittel so stark verdünnt werden, dass es ebenfalls unzureichend wirkt.


Wichtig ist, dass Sie auch schwer zugängliche Bereiche des Abteils wie Lüftungsventilatoren und Futterrohre regelmäßig vom Stallstaub befreien. Denn gerade im Stallstaub sind Erreger sehr lange ansteckungsfähig und gut geschützt, sodass sich neu eingestallte Tiere sehr leicht anstecken können.


Veränderbare Beschäftigungsmaterialien wie Kaustricke und Beißhölzer besitzen eine poröse Oberfläche und lassen sich daher nicht bis in die Tiefe desinfizieren. Sie sollten daher nach jedem Durchgang entfernt und durch neue Materialien ersetzt werden.


Ratten, Mäuse und Fliegen müssen so gut wie möglich aus den Ställen ferngehalten werden. Denn neben dem Fraßschaden (Nager) und dem Stress (Fliegen), den sie den Schweinen bereiten, können sie auch für den Eintrag bzw. Wiedereintrag von Krankheitserregern verantwortlich sein.


Achten Sie darauf, dass Durchbrüche für Futter- und Wasserleitungen zwischen den Abteilen gut abgedichtet sind. Sonst können die Schadnager und Fliegen von Abteil zu Abteil wandern und die Keime gleichmäßig verteilen. Lüftungsöffnungen in den Abteiltüren müssen durch feinmaschige Gitter abgeschottet sein. Das gilt auch für Zentralgangtüren nach draußen, die im Sommer häufig offenstehen. Lassen Sie jedoch von einem Lüftungsfachmann überprüfen, ob der erforderliche Zuluftstrom trotz Gitter noch ausreicht.


Gammelecken vermeiden


Um Schadnagerbefall vorzubeugen, sollten Sie „Gammelecken“, die Versteck- und Brutmöglichkeiten bieten, auf dem Hof vermeiden, zumindest in Stallnähe. Ratten laufen ungern über Kies. Deshalb bietet es sich an, rund um das Stallgebäude einen gut 0,60 m breiten Kiesstreifen anzulegen. Weitere Tipps zur Schadnagerbekämpfung finden Sie in der top agrar-Ausgabe 9/2019 ab Seite S10.


henning.lehnert@topagrar.com

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