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Zweiter Zaun an polnischer Grenze

Lesezeit: 4 Minuten

Entlang der Grenze zu Polen soll ein ASP-Schutzkorridor eingerichtet werden. Über die Details sprach top agrar mit der Leiterin des Brandenburger Krisenstabes, Anna Heyer-Stuffer.


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Was versprechen Sie sich von der Einrichtung eines Schutzkorridors gegen die Afrikanische Schweinepest (ASP) entlang der polnischen Grenze?


Heyer-Stuffer: Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) hat bestätigt, dass der Infektionsdruck aus Polen weiter steigt. Die ASP breitet sich dort allmählich Richtung Norden aus und scheint endemisch zu werden. Der erste wildschweinsichere Zaun, den wir entlang der polnischen Grenze errichtet haben, stellt zwar eine gewisse Barriere dar. Durch unverschlossene Tore, Vandalismus, Diebstahl und in städtischen Bereichen wie in Frankfurt/Oder entstehen aber immer wieder Lücken, durch die aus Polen einwandernde Wildschweine überlaufen. Deshalb brauchen wir in etwa 500 bis 1000 Metern Abstand einen zweiten Zaun und eine dazwischen liegende Weiße Zone bzw. einen ASP-Schutzkorridor.


Wird der Schutzkorridor auch in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen fortgeführt?


Heyer-Stuffer: Ja, nachdem klar war, dass Polen keinen Schutzzaun entlang der Grenze zu Deutschland bauen will, haben wir uns gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen sowie in enger Abstimmung mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium (BMEL) bereits im April darauf geeinigt, auf deutschem Hoheitsgebiet einen doppelten Zaun und einen ASP-Schutzkorridor einzurichten. Das BMEL hat unser Konzept dann auch in Brüssel vorgestellt. Der Korridor macht jedoch nur Sinn, wenn er sich lückenlos über die gesamte Grenze zu Polen erstreckt.


Wie soll der Schutzkorridor aussehen?


Heyer-Stuffer: Für den Zaunbau wird das gleiche, wildschweinsichere und 1,20 m hohe Material verwendet wie für den ersten Zaun. Beim Trassenverlauf orientieren wir uns an den geografischen Gegebenheiten. Der Abstand zwischen dem ersten und dem zweiten Zaun wird in der Regel zwischen 500 und 1000Meter betragen. Wenn wir bemerken, dass Wildschweine den ersten Zaun überwunden haben, bleibt uns so genug Zeit, die Tiere aufzuspüren und zu entnehmen, bevor sie weiter gen Westen wandern. Unser Ziel ist, dass der Schutzkorridor nahezu wildschweinfrei wird und bleibt.


Mit welchen Kosten rechnen Sie und wer soll das Ganze finanzieren?


Heyer-Stuffer: Für den Bau des zweiten Zaunes und die Bewirtschaftung des Schutzkorridors sind die Landkreise zuständig. Die Kosten übernimmt aber zu 100% das Land. Aufgrund der Erfahrungen mit dem ersten Zaun rechnen wir mit Zaunbaukosten in Höhe von etwa 6,8 Mio. €. Hinzu kommen die Bewirtschaftungskosten. Insgesamt hat Brandenburg in den diesjährigen Haushalt für die ASP-Bekämpfung 32 Mio. € eingestellt.


Wir werden über das BMEL jedoch eine Kofinanzierung durch die Europäische Union beantragen. Erste Gelder sind bereits geflossen, Brüssel hat sich zu etwa 50% an den bisher ergriffenen Maßnahmen beteiligt. Zudem haben die übrigen Bundesländer im Rahmen der Fachministerkonferenz beschlossen, sich solidarisch zu beteiligen. Denn von dem hier errichteten ASP-Schutzwall profitieren alle Bundesländer und auch unsere westlichen Nachbarstaaten.


Welche Konsequenzen hätten weitere ASP-Wildschweinefunde östlich des Schutzkorridors auf deutschem Hoheitsgebiet?


Heyer-Stuffer: Aufgrund der geografischen Gegebenheiten steht der erste Zaun nicht unmittelbar auf der deutsch-polnischen Grenze, sondern etwas weiter westlich auf deutschem Hoheitsgebiet. Wir sind über das BMEL mit Brüssel im Gespräch, dass positive Funde östlich des ersten Zaunes nicht Deutschland zugerechnet werden, solange westlich des Schutzkorridors keine ASP-infizierten Tiere nachgewiesen werden. Denn wenn der ASP-Infektionsdruck aus Polen weiter anhält, hat Deutschland sonst nie eine Chance, wieder ASP-frei zu werden.


Wie wollen Sie den Schutzkorridor wildschweinfrei bekommen und langfristig frei von Wildschweinen halten?


Heyer-Stuffer: Wie bei der Räumung der bereits bestehenden Weißen Zonen setzen wir auf eine Kombination aus Lebendfallen und gezielter Einzeljagd. In den Weißen Zonen wurden bisher über 2000 Wildschweine entnommen, etwa 40% über Lebendfallen und 60% durch Ansitzjagd. Beides hat sich bewährt. Mit Lebendfallen können ganze Rotten entnommen werden. Und für die Ansitzjagd wird der Schutzkorridor durch zusätzliche Zäune weiter unterteilt. Dabei setzten wir auf die Ortskenntnis der heimischen Jäger. Zusätzlich haben wir um die Unterstützung von Jägern aus dem Landes- und Bundesforst sowie der Polizei gebeten. Hier gibt es bereits erste Zusagen. Die Bundeswehr können wir aus verfassungsrechtlichen Gründen dafür nicht einsetzen. Sie unterstützt uns jedoch bereits sehr erfolgreich beim Zaunbau und bei der Fallwildsuche.


henning.lehnert@topagrar.com

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