Neue Ansteckungswelle

63 Arbeiter im Vion-Schlachthof Emstek mit Corona infiziert

Nach über 80 Corona-Infizierten im Schlachthof Weidemark (Tönnies) in Sögel sind nun auch bei Vion in Emstek über 60 Arbeiter positiv auf das Virus getestet.

Im Vion-Schlachthof in Emstek im Landkreis Cloppenburg sind im Bereich der Grobzerlegung 63 Arbeiter mit Corona infiziert. Das hat nach NDR-Informationen Landrat Johann Wimberg (CDU) am Mittwoch bestätigt.

Im Bereich der Schlachtung seien kaum Mitarbeiter betroffen. Der Betrieb im Schlachthof soll zunächst eingeschränkt, aber nicht komplett heruntergefahren werden, heißt es.

Immer wieder sind Schlachthöfe und Fleischbetriebe Hotspots für die Verbreitung des Coronavirus, unter anderem in Lohne (Landkreis Vechta) und Wildeshausen (Landkreis Oldenburg). Erst jüngst war eine Ausbreitung des Coronavirus in einem Schlachthof des Tönnies-Konzerns in Sögel (Landkreis Emsland) bekannt geworden. Hier sind mehr als 80 Schlachthof-Mitarbeiter und Kontaktpersonen positiv. Es handele sich überwiegend um Mitarbeiter von Subunternehmen des Betriebs Weidemark Fleischwaren, teilte der Landkreis Emsland mit.

Das öffentliche Leben in der Samtgemeinde wird für die kommenden zwei Wochen stark eingeschränkt. Nach dem Ausbruch im Schlachthof werden nach Angaben des Konzerns Tönnies seit Dienstag auch die Mitarbeiter des Schlachthofs in Badbergen (Landkreis Osnabrück) täglich auf Corona getestet.

Eine mögliche Ursache für die schnelle Übertragung in Schlachthöfen ist laut dem Virologen Christian Drosten die niedrige Temperatur in den Hallen.

Weidemark beantragt einstweilige Verfügung

Das Unternehmen Weidemark teilte am Mittwoch unterdessen mit, im Wege des einstweiligen Rechtsschutzes bei dem zuständigen Verwaltungsgericht gegen die Schließungsverfügung des Kreises Emsland vorzugehen.

„Die Schließungsverfügung zu erlassen, ist für uns nicht verhältnismäßig”, erläutert Geschäftsführer Christopher Rengstorf die Reaktion des Unternehmens. „Wir haben in den vergangenen Tagen zahlreiche Präventionsmaßnahmen zum Schutz vor neuen Infektionen mit den Behörden des Emslandes abgestimmt und installiert, um gleichzeitig den Druck auf die landwirtschaftlichen Erzeugungsketten zu entlasten. Diese Maßnahmen greifen und zeigen erste Erfolge. Daher müssen wir Verhältnismäßigkeit wahren und neben dem Infektionsschutz auch den Tierschutz auf den Höfen in der Region sicherstellen.“

Laut Rengstorf sei eine Schließung zum jetzigen Zeitpunkt nicht verhältnismäßig, sondern gehe zulasten der Landwirte und der Tiere im Stall. "Die eingesetzten Maßnahmen sorgen dafür, dass von diesem Betrieb keine außerordentliche Gefahr ausgeht. Im Gegenteil wird hier so oft getestet wie nur an wenigen anderen Stellen in ganz Deutschland.“

Der Deutsche Raiffeisenverband forderte bereits, die Schlacht- und Verarbeitungskapazitäten zu erhöhen, weil die Ställe übervoll mit Schweinen sind. Dazu müsse vorübergehend das Arbeitsverbot an Sonntagen aufgehoben werden und längere Arbeitszeiten müssen möglich sein.


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