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Ödemkrankheit: Impfen ist die beste Vorsorge

Die vorbeugende Impfung gegen die Ödemkrankheit wird mit dem Zinkverbot im nächsten Jahr an Bedeutung gewinnen. Einige Praktiker berichten zudem, dass die Impfung auch Beißereien reduziert.

Lesezeit: 4 Minuten

Diesen Anblick wünscht sich kein Ferkelerzeuger oder Aufzüchter: Morgens beim Betreten des Flatdecks liegen plötzlich mehrere tote Ferkel in der Bucht.

Ausgerechnet die kräftigsten Tiere hat es erwischt. Dabei schien am Vorabend noch alles in bester Ordnung. Bei genauem Hinsehen fallen bei einigen Tieren Schwellungen auf dem Nasenrücken und an den Augenlidern auf. Spätestens bei der Sektion bestätigt sich dann meist der Verdacht: Die Ödemkrankheit hat wieder einmal zugeschlagen.

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Wasseransammlung im Gewebe

Die Colienterotoxämie, wie die Ödemkrankheit offiziell heißt, gehört weltweit zu den häufigsten Erkrankungen bei Ferkeln. Sie tritt meistens in den ersten drei Wochen nach dem Absetzten auf. Auslöser sind Shigatoxin (Stx2e)-bildende Escherichia Colibakterien (STEC).

Neuere Untersuchungen der Freien Universität Berlin haben ergeben, dass sich das für die Ödemkrankheit verantwortliche Stx2e-Gen in mehr als einem Drittel (37,4 %) von insgesamt 99 willkürlich ausgewählten deutschen Ferkelerzeugerbetrieben nachweisen ließ.

Typische Symptome der Ödemkrankheit sind Wasseransammlungen auf den Augenlidern, dem Nasenrücken, der Lunge und in der Kehlkopfschleimhaut. Die Laute, die die Tiere von sich geben, wirken daher heiser, fast tonlos. Hinzu kommen zentralnervöse Störungen. Die Ferkel sind schreckhaft, zeigen einen steifen Gang und halten mitunter den Kopf schief. Akut erkrankte Tiere liegen oft auf der Seite und führen mit ihren Beinen Ruderbewegungen aus.

Diese Symptome müssen jedoch nicht immer auftreten. Mitunter ist der Erreger so aggressiv beziehungsweise die Toxinbildung so stark, dass die Ferkel auch ganz plötzlich verenden. Im schlimmsten Fall kann es zum Verlust ganzer Absetzgruppen kommen.

Absetzstress als Auslöser

Das von den Colikeimen gebildete hochgiftige Shigatoxin2e zerstört die innerste Zellschicht kleiner Blutgefäße, sodass Flüssigkeit in das umliegende Gewebe austritt und hier die typischen Schwellungen hervorruft. Gleichzeitig verhindern Blutgerinnsel, dass lebenswichtige Organe ausreichend mit Blut versorgt werden. Es kommt zu Organversagen und plötzlichen Todesfällen.

Meist infizieren sich die Ferkel bereits im Abferkelstall. Der Erreger setzt sich mit seinen Haftfäden, den sogenannten F18-Fimbrien, an den Zellen der Darmwand fest. Der Stress beim Absetzen, die Futterumstellung im Flatdeck, stark proteinhaltige Rationen oder eine schlechte Trinkwasserqualität können das Fass dann zum Überlaufen bringen. Es kommt zu einer massenhaften Vermehrung des Erregers und das Shigatoxin wird freigesetzt.

Rohproteingehalt reduzieren

Versuche haben gezeigt, dass man durch das drastische Absenken des Rohprotein- und die gleichzeitige Erhöhung des Rohfasergehaltes im Futter vorbeugen kann. Diese Maßnahmen gehen jedoch zulasten der Zunahmen. Hilfreich sind auch Säurezusätze zum Futter oder die Desinfektion des Tränkewassers, z.B. mit Chlordioxid.

Für akut erkrankte Ferkel kommt meist jede Hilfe zu spät. Um die weitere Vermehrung des Erregers zu stoppen, kann die Gabe eines Antibiotikums und/oder Zinkoxid über das Futter erfolgreich sein. Das Zinkoxid muss jedoch in hohen Dosen von bis zu 2,5 g je kg Alleinfutter verabreicht werden. Zudem ziehen sich die Probleme oft bis in die Mast, sodass die Behandlung über einen langen Zeitraum erfolgen muss.

Langfristige Antibiotikagaben treiben jedoch den einzelbetrieblichen Therapieindex in die Höhe. Zudem sind Arzneifuttermittel und Zinkoxidgaben in hohen therapeutischen Dosen ab dem 1. Juli 2022 in der EU verboten.

Vorbeugende Impfung

Für Problembetriebe bleibt deshalb oft nur die Impfung gegen die STEC-Bakterien. Die Impfung ist ab dem 4. Lebenstag zugelassen und wird häufig mit der Eiseninjektion oder der Mykoplasmenimpfung kombiniert, jeweils links und rechts in die Nackenmuskulatur der Ferkel. Die Impfdosis beträgt 1 ml.

Die Shigatoxinimpfung wirkt zuverlässig. Im Rahmen von Zulassungsversuchen wurden die Verluste, der Anteil von Kümmerern und die Zunahmen in 179 Betrieben miteinander verglichen. Im Vergleich zur ungeimpften Kon-trollgruppe konnten die Aufzuchtverluste um 6,3% und der Anteil der Kümmerer um 3,5% reduziert werden. Die Zunahmen erhöhten sich durch die Impfung um 20 g pro Tier und Tag. Inzwischen ist der Impfstoff acht Jahre im Einsatz. Neben dem Schutz vor der Ödemkrankheit berichten einige Anwender auch über positive Nebenwirkungen: Die Impfung scheint zusätzlich die Gefahr von Schwanzbeißereien und Ohrrandnekrosen zu reduzieren.

Mehr dazu lesen Sie morgen in unserer Reportage.

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