Experten geben Tipps

Haltungsverordnung Schwein: Darauf kommt es bei Kontrollen künftig an

Jetzt ist klar, wie die neue Haltungs-VO im Detail ausgelegt wird. Hier diskutieren wir mit Experten über die Vorgaben, die alle Schweinehalter betreffen und über mögliche Praxislösungen.

Alle Schweinehalter sind von den Änderungen der neuen Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV) betroffen. Anfang März wurden nun die von den Tierschutzreferenten der Bundesländer erarbeiteten Ausführungshinweise für Veterinärkontrollen in einem Handbuch veröffentlicht. Diese regeln im Detail die Auslegung der TierSchNutztV sowie das Vorgehen der Amtsveterinäre bei künftigen Kontrollen.

Über mögliche Praxislösungen und Knackpunkte dieser Vorgaben haben wir mit Dr. Christoph Brundiers (Kreisveterinär Steinfurt), Bernhard Feller (Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen), Dr. Eckhard Meyer (Lehr- und Versuchsgut Köllitsch) sowie Dr. Karl-Heinz Tölle (Geschäftsführer ISN-Projekt GmbH) diskutiert.

Wichtig: Die im Handbuch veröffentlichten Hinweise sind zwar nicht rechtsverbindlich. Sie dienen den Amtsveterinären jedoch als Richtschnur bei ihren künftigen Kontrollen. Für die Umsetzung in den Betrieben ist es daher wichtig, dass Schweinehalter und Amtsveterinäre die neuen Vorgaben gleich interpretieren. Bei Rückfragen sollten Sie daher unbedingt vorab Ihren zuständigen Kreisveterinär kontaktieren!

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Schadgase und Lärm

Stallklima prüfen lassen

Das sagt die Haltungs-VO: Im Aufenthaltsbereich der Tiere dürfen ab sofort folgende Schadgas-Grenzwerte nicht mehr überschritten werden: Ammoniak 20 ppm, Kohlendioxid 3.000 ppm und Schwefelwasserstoff 5 ppm. Der Geräuschpegel im Aufenthaltsbereich der Tiere darf 85 db nicht überschreiten.

Klarstellung in den Ausführungshinweisen: Die Schadgas-Grenzwerte dürfen nur kurzzeitig (z. B. beim Gülle­ablassen) überschritten werden. Das Handbuch verweist auf die „Empfehlungen für Stallklimaprüfungen in schweinehaltenden Betrieben“ des niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und -sicherheit (Laves). Der Lärm-Grenzwert gilt für technische Einrichtungen und Geräte und nicht für Lautäußerungen der Tiere.

Lösungsmöglichkeiten für die Praxis: „Schweinehalter sollten zunächst auf die eigene Sensorik mit Nase und Ohren vertrauen“, erklärt Bernhard Feller. Bei Abweichungen und Auffälligkeiten rät er, einen Stallklimacheck vom Fachmann durchführen zu lassen.

In puncto Lärm rät Dr. Meyer: „Eine Lärmbelastung von 85 db ist erheblich und führt auf Dauer zu Gehörschäden. Derart laute Technik gehört abgestellt.“

Das sagt der Kreisveterinär: „Die Probleme mit den Schadgasen sind groß, vor allem in Altgebäuden“, betont Dr. Brundiers. „Wenn bei einer Tierschutzkontrolle ersichtlich ist, dass es Probleme mit der Klimaführung gibt, kann eine Langzeitmessung angeordnet werden“, erklärt er. Grundsätzlich empfiehlt er jedem Schweinehalter, einmal eine Langzeitmessung durchführen zu lassen. „Viele Organisationen stellen Messgeräte für Mitglieder zur Verfügung. Das sollten Landwirte nutzen.“ Wichtig sei, dass der Stallklimacheck und die eingeleiteten Maßnahmen dokumentiert werden, um bei einer Kontrolle einen Nachweis parat zu haben. 

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Beschäftigungsmaterial

Organisch und ­faserreich ab 1. August

Das sagt die Haltungs-VO: Spätestens ab 1. August 2021 muss allen Schweinen organisches und faserreiches Beschäftigungsmaterial zur Verfügung stehen. Es muss untersuch-, beweg- und veränderbar sein sowie dem Erkundungsverhalten dienen.

Klarstellung in den Ausführungshinweisen: Das Beschäftigungsmaterial muss durch ein bodennahes Angebot bewühl- oder hebelbar sowie im Aussehen bzw. der Struktur veränderbar sein. Die Schweine müssen zudem den Standort bzw. die Position verändern können. Holzstücke, die nicht untersucht bzw. nicht innerhalb weniger Tage zerkaut werden können, dürfen als alleiniges Beschäftigungsmaterial nicht mehr eingesetzt werden. Tägliche Raufutter-Einzelgaben müssen bis zur nächsten Gabe ausreichen. Deshalb wird empfohlen, Raufutter zusätzlich mit dauerhaften Beschäftigungsmaterialien wie Baumwollseilen zu kombinieren. Maximal zwölf Tiere dürfen sich eine Beschäftigungsmöglichkeit teilen. Bei Schwanzbeißen müssen extra Beschäftigungsobjekte angeboten werden.

Lösungsmöglichkeiten für die Praxis: „Das Beschäftigungsmaterial sollte einen ernährungsphysiologischen Nutzen für die Schweine haben und z. B. die Faserversorgung verbessern“, rät Dr. Eckhard Meyer. Denn alles, was das Schwein langfristig beschäftige, habe mit dem Futteraufnahmeverhalten zu tun. „Deshalb sind Weichholzstücke auf Dauer ungeeignet und höchstens eine Übergangslösung“, sagt er. Als dauerhafte Beschäftigungsobjekte...

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