Auswertung DLG-Befragung

Ferkelkastration mit Isofluran-Narkose: Vieles läuft noch nicht rund

Wie zufrieden sind die Nutzer der Isofluran-Narkose mit dem Verfahren, den Geräten und dem Service der Hersteller? Die DLG hat eine Online-Umfrage durchgeführt. 550 Landwirte haben teilgenommen.

Unsere Autoren: Susanne Gäckler, DLG-Fachzentrum Landwirtschaft, Frankfurt/Main; Dr. Sophie Gumbert, Klinik für Schweine, LMU München; Dr. Jürgen Harlizius, Schweinegesundheitsdienst NRW; Prof. Wilfried Hopp, Veterinärdienst Kreis Soest, Dr. Frederik Löwenstein, Bildungs- und Wissenszentrum Boxberg.

Ferkelerzeuger, die ihre männlichen Ferkel aus Vermarktungsgründen weiter kastrieren wollen, haben seit dem 1. Januar 2021 die Wahl zwischen zwei Verfahren der Vollnarkose: Der Betäubung der Tiere mit dem Narkosegas Isofluran und der Injektionsnarkose.

Viele Ferkelerzeuger haben sich – auch aufgrund der staatlichen Förderung – für Isofluran entschieden. Bundesweit wurden 2685 Förderanträge für die Anschaffung eines von der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG) geprüften Isofluran-Narkosegerätes bewilligt.

Die DLG hat im Vorfeld fünf Narkosegeräte in zwölf verschiedenen Varianten geprüft und zertifiziert. Während des Zertifizierungsverfahrens wurden die Geräte maßgeblich verändert und an die höheren deutschen Anforderungen angepasst – auch Geräte, die in der Schweiz bereits seit längerer Zeit im Einsatz sind.

Auslieferung unter Zeitdruck

Der Zeitraum von der Zertifizierung bis zum Inkrafttreten des Verbots der betäubungslosen Ferkelkastration am 1. Januar 2021 war jedoch kurz. Die Hersteller mussten innerhalb kürzester Zeit viele Geräte fertigen und ausliefern. Verschärft wurde die Situation dadurch, dass es pandemiebedingt zu Lieferengpässen bei der Beschaffung hochwertiger Bauteile kam, wie z.B. des Verdampfers. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass die Qualitätskontrolle aufgrund des Zeitdrucks an der ein oder anderen Stelle zu kurz kam.

Inzwischen sind die Geräte einige Monate im Praxiseinsatz. Das war für die DLG der Anlass, Mitte April unter Ferkelerzeugern eine bundesweite Umfrage zu ihren bisherigen Erfahrungen mit den Narkosegeräten zu starten. Wie zufrieden sind die Praktiker mit der Isofluran-Narkose und den dafür verwendeten Geräten? Wie zuverlässig ist das Betäubungsverfahren? Wie gut funktioniert die Technik und wie zufrieden sind die Landwirte mit dem Service der Gerätehersteller?

Bis zum Schließen der Onlineumfrage Mitte Mai beteiligten sich 550 Ferkelerzeuger. Das entspricht etwa 20% aller Landwirte, die in ein vom Staat gefördertes Narkosegerät investiert haben. Folgende Übersicht verdeutlicht, wie viele Rückmeldungen es zu den einzelnen Gerätetypen gab.

Natürlich handelt es sich bei dem Umfrageergebnis nur um subjektive Eindrücke der Anwender. Auch wenn die Daten so korrekt wie möglich statistisch aufbereitet wurden, erheben sie keinen wissenschaftlichen Anspruch. Sie sollen vielmehr die aktuellen Erfahrungen aus der Praxis widerspiegeln. Hier die wichtigsten Ergebnisse.

Zufrieden mit dem Verfahren?

Zunächst wurden die Anwender gefragt, wie zufrieden sie mit der Kastration unter Isoflurannarkose sind. Die Teilnehmer konnten Schulnoten von 1 (sehr gut) bis 6 (ungenügend) vergeben. Die Ergebnisse sind in Übersicht 2 dargestellt. Die Angaben in Klammern geben dabei die Standardabweichung wieder, also die Bandbreite der Einzelbewertungen. Je geringer der Wert, desto kleiner die Streuung der Angaben.

Die Zufriedenheit mit dem Narkoseverfahren gibt wieder, wie weit sich die praktischen Erfahrungen mit den individuellen Erwartungen an das Isofluran-Narkoseverfahren decken. Ganz maßgeblich wird das Urteil der Anwender aber auch durch die Zufriedenheit mit dem jeweiligen Narkosegerät und durch den Service der Gerätehersteller beeinflusst.

Im Schnitt vergaben die Umfrageteilnehmer dem Verfahren Isofluran-Narkose die Note 2,8. Besser (Note 2,3) schnitt die Zufriedenheit mit dem jeweiligen Narkosegerät ab. Wobei es jedoch deutliche Unterschiede zwischen den Geräten gab. Die Spanne reichte von der Note 1,8 für die Geräte der Firma GDO und Schulze Bremer bis zur Note 3,0 für das ProAgri-Gerät, das von der GFS vertrieben wird.

43% ohne Geräteeinweisung

Auffallend war, dass Landwirte, die bei der Anlieferung vom Hersteller eine technische Einweisung erhalten hatten, mit ihren Narkosegeräten deutlich zufriedener waren als ihre Kollegen, die keine Einweisung erhielten. Und das waren immerhin 43% aller Umfrageteilnehmer (238 von 548 Käufern)!

Das verdeutlicht: Landwirten, denen die sensible Technik bei der Geräteübergabe ausführlich erläutert wurde, unterlaufen seltener Anwenderfehler. Und diese Landwirte können dann auch besser einschätzen, wann wirklich Handlungsbedarf besteht.

Das ist zum Beispiel der Fall, wenn der Verdampfer, das Herzstück des Narkosegerätes, betroffen ist. Ist die Narkosetiefe bei mehreren Ferkeln unbefriedigend oder kommt es vermehrt zu Narkosezwischenfällen, muss der Herstellerservice angefordert werden. Denn nur Experten mit geeignetem Messgerät sind in der Lage, den Gasfluss und die Gaskonzentration zu messen und dadurch Fehler zu beseitigen.

Die Unterschiede in der Zufriedenheit mit den verschiedenen Geräten sind zum Teil vermutlich auch auf die Startschwierigkeiten zurückzuführen, mit denen einige Hersteller zu kämpfen hatten. Die Umfrageteilnehmer gaben an, dass bei gut 40% aller Narkosegeräte bereits Reparaturen oder ein...

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