Kastration: Tierärzte gegen Fristverlängerung

In einer gemeinsamen Pressemitteilung haben sich die Bundestierärztekammer (BTK), die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) und die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG) gegen die von den Koalitionsfraktionen von Union und SPD befürwortete Fristverlängerung bei der Ferkelkastration ausgesprochen.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung haben sich die Bundestierärztekammer (BTK), die Tierärztliche Vereinigung für Tierschutz (TVT) und die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG) gegen die von den Koalitionsfraktionen von Union und SPD befürwortete Fristverlängerung bei der Ferkelkastration ausgesprochen. Begründung: Für eine Verlängerung der Frist um zwei Jahre bestehe aus wissenschaftlicher und ethischer Sicht keinerlei vertretbare Begründung. Sie sei mit dem grundgesetzlich fixierten Staatsziel „Tierschutz“ nicht vereinbar, da bereits umsetzbare Alternativen zur Verfügung stünden.

Neben der Durchführung einer Injektions- oder Inhalationsnarkose seien auch die Jungebermast und die Impfung gegen Ebergeruch durchaus praxisreif. Die Improvac-Impfung sei zudem die tierschonendste Methode, so argumentieren die Autoren.

Die Ängste der Landwirte, der Einzelhandel werde statt Fleisch von deutschen Schweinen Fleisch von mit Lokalanästhesie kastrierten Schweinen aus dem Ausland anbieten, müsse man zwar ernst nehmen. Diesen verständlichen Ängsten mit einer Fristverlängerung der betäubungslosen Ferkelkastration zu begegnen, sei jedoch der falsche Weg. Vielmehr müsse die Politik durch eine Aufklärungskampagne bei den Verbrauchern den Einzelhandel unterstützen und von ihm die Akzeptanz der Impfung einfordern, da sie besonders tierschonend sei.

top agrar meint: Erstens kann es wohl kaum Aufgabe des Staates sein, für den Hersteller des Impfstoffes die Werbetrommel zu rühren. Und zweitens werden sich die Abnehmer, d.h. die Schlachtunternehmen und der Einzelhandel, immer für die Vermarktungsschiene entscheiden, die für sie mit dem geringsten Aufwand bzw. geringsten Stinker-Risiko verbunden ist. Und das ist die Vermarktung von Schlachtkörpern weiblicher oder kastrierter Tiere. Mit anderen Worten: Auch nach dem 1. Januar 2019 bleibt in Deutschland die Nachfrage nach kastrierten Ferkeln hoch. Und solange den Mästern ausreichend preiswerte, kastrierte Ferkel aus dem Ausland zur Verfügung stehen, werden sie sich kaum für die unkastrierten Tiere von deutschen Ferkelerzeugern erwärmen können  - zumal sie die während der Mast auch noch zweimal impfen müssen.

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