Umgang mit Schweinen

Mehr Sensibilität beim Tierschutz nötig

Stichprobenartige Kontrollen in 400 Mastbetrieben in NRW haben gezeigt, dass es beim Umgang mit kranken und verletzten Schweinen in vielen Fällen noch Verbesserungspotenzial gibt.

Immer wieder wird in den überregionalen Medien von vermeintlichen Tierschutzverstößen in deutschen Schweineställen berichtet. Schockierende Bilder von verletzten Schweinen, die tagelang auf Treibegängen dahinvegetieren und von unheilbar kranken oder verletzten Tieren, die viel zu spät von ihren Leiden erlöst werden, machen in Fernsehen und Printmedien die Runde.

Ist der Vorwurf berechtigt? Oder handelt es sich nur um die dreiste Masche vermeintlicher Tierschützer, die immer wieder die gleichen Bilder präsentieren, um für ihre Organisationen Spendengelder einzutreiben?

In Nordrhein-Westfalen ist man den Vorwürfen nachgegangen. Dort haben die unteren Veterinärbehörden die anhaltende Kritik zum Anlass für risikoorientierte, unangekündigte Schwerpunktkontrollen genommen. Ergebnis: In 59 % der 379 ausgewerteten Prüfprotokolle fanden die Behörden mindestens einen Mangel, der tierschutzrelevant war. In 90 Betrieben gab es sogar gleich mehrere Verstöße.

Mängel beim Krankenstall

Beklagt haben die Kontrolleure insbesondere die nicht fachgerechte Unterbringung, Versorgung und Separierung kranker und verletzter Schweine. Bei knapp einem Drittel der Betriebe fehlten die gesetzlich vorgeschriebenen Krankenbuchten mit weicher Unterlage oder Einstreu sogar komplett.

Bedenklich waren die Ergebnisse im Hinblick auf das Thema Nottöten. In 14 % der Fälle, in denen der Landwirt angab, das Nottöten selbst durchzuführen, fehlten die dafür nötigen Gerätschaften oder die vorhandenen Geräte waren nicht funktionsfähig.

Sehr gut fielen dagegen die Ergebnisse hinsichtlich der Einhaltung der Belegdichte und Wasserversorgung aus. Über 95 % der Betriebe erfüllten die geltenden rechtlichen Vorschriften.

Bis auf einen Betrieb mit wenig Schweinen konnten alle Schweinehalter einen tierärztlichen Bestandsbetreuungsvertrag vorweisen. Die Betriebsleiter lassen ihre Bestände also regelmäßig tierärztlich checken.

Aufgrund der teils unbefriedigenden Ergebnisse sollen in Zukunft weitere Kontrollen in NRW zum Umgang mit kranken und verletzten Tieren stattfinden. Wir haben mit Tierärzten und Landwirten diskutiert, wo es bei diesen Themen noch offene Baustellen gibt und in welchen Punkten sich die Landwirte mehr Unterstützung wünschen.

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Hubertus Beringmeier

Tiere möglichst ­unblutig nottöten

Viele Schweinehalter schrecken vor der Entscheidung zurück, Tiere töten zu müssen. Deshalb plädiere ich dafür, die Hemmschwelle für das Nottöten so weit wie möglich zu senken. Das gelingt meines Erachtens am besten durch die unblutige Tötung mithilfe von Elektrozangen bzw. CO2-Tötungsboxen für Saugferkel.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass der Einsatz einer Elektrozange sowohl für den Betriebsleiter als auch für An­gestellte die Entscheidung erleichtert, kranke Tiere rechtzeitig (!) von ihrem Leid zu erlösen. Ich selbst möchte die Tötungszange nicht mehr missen.

Um die Entscheidung für eine Elektrozange zu erleichtern, habe ich NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser gebeten, zu prüfen, ob der Kauf einer Elektrozange gefördert werden kann. Bei einem Anschaffungspreis von über 2 000 € halte ich dies für gerechtfertigt.

Auch beim Umgang mit verletzten Tieren sollten wir noch einmal darüber nachdenken, ob die derzeit gültigen Vorgaben wirklich zielführend sind und praktikabel sind. Dazu gehört unter anderem die...


Diskussionen zum Artikel

von Eckard Wendt

Nachtrag (ohne nachtragend sein zu wollen)

Der Einschätzung des Präsidenten des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, Herrn Beringmeier, die Nottötung gelänge seines Erachtens bei Saugferkeln "am besten ... mithilfe von Elektrozangen bzw. CO2-Tötungsboxen", muss ich leider energisch widersprechen. CO2 führt in ... mehr anzeigen

von Eckard Wendt

Ein sehr wichtiger Bericht

… der zur Pflichtlektüre aller Tierhalter gehören sollte. Die Aussagen der zitierten Fachleute sind zum Teil erschütternd, denn sie belegen Missstände, die im Interesse des Ansehens des Berufstandes einfach nicht vorkommen dürfen. Selbst dann, wenn „nur“ 5% der Verantwortlichen ... mehr anzeigen

von Erwin Schmidbauer

Bedenklich...

ist doch auch, dass die Behörden bisher die Betriebe entweder gar nicht kontrolliert haben oder zu wenig auf die Tierschutzvorgaben gesehen haben. Ich denke, die meisten Betriebsleiter hätten schon lange Verbesserungen vorgenommen, wenn ihnen bewusst wäre, dass die Ämter einzelne ... mehr anzeigen

von Heinrich Albo

Früher gab es

Notschlachtungen.........damit würden viele Fälle gelöst...kein Landwirt tötet gerne Tiere egal womit und Kontrolleure erledigen die Arbeit auch nicht.

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