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Tipps für ein gutes Klima im Schweinestall

Ein gutes Stallklima ist für das Wohlergehen und die Leistungen der Schweine sowie für die Arbeitsqualität der Betreuer wichtig. Wir geben Tipps, wie Sie Mängel frühzeitig erkennen und beheben können.

Lesezeit: 8 Minuten

Zu einem guten Stallklima gehört mehr als nur frische Luft. Die Temperatur, die Luftfeuchtigkeit, Schad­­gaskonzentration und die Luftgeschwindigkeit beeinflussen das Stallklima maßgeblich. Aber auch die Bauausführung, die Lüftungsanlage und nicht zuletzt der Tierbesatz wirken sich auf das Klima im Stall aus. Dabei ist ein optimales Stallklima eine wichtige Voraussetzung für die Gesundheit, das Tierwohl, die biologischen Leistungen der Schweine und nicht zuletzt auch für die Arbeitsplatzqualität.

Eine falsche Klimaführung, erhöhte Schadgaskonzentrationen und starke Temperaturschwankungen wirken sich hingegen negativ auf die Tiergesundheit aus, stressen die Tiere und können zu Schwanz- und Ohrenbeißen führen. Bei der Tierkontrolle überprüfen Schweinehalter das Stallklima täglich mit den eigenen Sinnen. Hier kommen einige Tipps, um Mängel beim Stallklima noch besser erkennen und beheben zu können.

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Schwankungen vermeiden

Die wichtigste Stellgröße für ein optimales Stallklima ist die Lufttemperatur. Auf den ersten Blick liefert das Thermoverhalten der Schweine bereits gute Hinweise auf eventuelle Mängel: Ist es den Tieren zu warm, liegen sie vermehrt in Einzellage. Ist es hingegen zu kalt, liegen die Tiere in Haufenlage. Im Abteil messen Fühler im Tierbereich die Temperatur. Diese sollten an einem zentralen Punkt im Abteil in etwa 1,5 m Höhe im Tierbereich angebracht werden. Dabei sollten Sie darauf achten, dass der Fühler nicht von den Tieren zerstört werden kann. Der Vorteil von Temperaturmessfühlern ist, dass sie einfach zu installieren, universell einsetzbar, robust und preiswert sind. Zudem weisen sie eine hohe Genauigkeit auf.

Um möglichen Messfehlern vorzubeugen, ist ein regelmäßiger Fühlerabgleich, z. B. durch einen Klimaberater, empfehlenswert. Hier wird mit einem geeichtem Thermometer die Temperatur im Fühlerbereich bestimmt und mit den Daten abgeglichen, die der angebrachte Temperaturmessfühler an den Klimacomputer bzw. den Klimaregler schickt. Differenzen von 0,5 °C sind dabei akzeptabel. Bei einer größeren Abweichung sollten die Temperaturmessfühler kalibriert oder am besten ersetzt werden.

Als Richtschnur im Abferkelstall gelten Temperaturen zwischen 18 und 21 °C. Das Ferkelnest sollte anfangs Temperaturen von 32 °C aufweisen und mit zunehmendem Ferkelgewicht auf bis 20 °C abgesenkt werden. Im Flatdeck sind Temperaturen von 28 bis 22 °C optimal. Die Stalltemperaturen in der Vormast liegen bei 22 bis 20 °C und in der Endmast schließlich bei 20 bis 16 °C im optimalen Bereich.Die „Begrüßungstemperatur“ beim Einstallen sollte zunächst rund 3 bis 4 °C höher sein als für den jeweiligen Produktionsabschnitt angegeben. Übrigens: Ställe mit Stroheinstreu können Sie etwa 4 °C kälter fahren.

Wichtig ist auch, dass die Sollwerte am Stallklimaregler an die Außentemperaturen bzw. Jahreszeiten angepasst sind. Im Sommer sollte der Regelbereich auf 5 °C vergrößert werden. Im Winter muss der Regelbereich hingegen auf 3 °C verkleinert werden, um bei einem Temperaturabfall schneller reagieren zu können. Innerhalb von 24 Stunden dürfen die Temperaturunterschiede im Abteil um maximal 2 °C variieren. Dafür ist es wichtig, dass die Heizung in Betrieb bleibt, damit diese bei hohen Tempe­raturdifferenzen anspringt. Denn größere Tag/Nacht-Schwankungen sind für die Schweine schwer in den Griff zu ­bekommen. Dann sind Husten und Schwanzbeißen vorprogrammiert.

Bei Problemen kann der Einsatz eines Datenloggers deshalb sinnvoll sein, um die Temperaturkurve über einen gewissen Zeitraum aufzuzeichnen und starke Schwankungen ausfindig zu machen. Mithilfe einer Wärmebildkamera können zudem Kältebrücken und Fehler in der Zuluftführung sichtbar gemacht werden. Einige Outdoor-Smartphones haben integrierte Wärmebildkameras verbaut. Sie liefern bereits einen ersten Eindruck für thermische Auffälligkeiten. Im Zweifel sollten Sie jedoch einen Berater hinzuziehen, um eventuelle Probleme mit einer professionellen Wärmebildkamera aufzudecken.

Grenzen der Stallkühlung

In der Tierschutz-Nutztierhaltungs­ver­­ordnung schreibt der Gesetzgeber vor, dass Schweineställe über geeignete Vorrichtungen verfügen müssen, um die Wärmebelastung bei hohen Stalllufttemperaturen zu vermindern. In Alt­ställen ist eine Mindestmaßnahme, den Stall mit einer ausreichenden Luftrate und ausreichend kühler Zuluft zu ­fahren. In Neu- und Umbauten müssen ­hingegen Kühleinrichtungen vorgehalten werden. Durch die heißen Sommer der letzten Jahre gewinnen Kühlungssysteme weiter an Bedeutung.

Aktive Kühlsysteme wie Nieder- oder Hochdruck-Verneblungsanlagen bzw. Kühlpads funktionieren gut und einfach: Die Frischluft nimmt das vernebelte Wasser auf, das dann verdunstet. Der Umgebung wird für die Verdunstung Wärmeenergie entzogen, die Luft kühlt sich ab. Achtung: Die Frischluft kann das vernebelte Wasser nur bis zu einer Luftfeuchtigkeit von etwa 80 % aufnehmen. Mithilfe eines Hygrometers lässt sich die Luftfeuchtigkeit bestimmen. Das Problem ist jedoch, dass die Messfühler oft schwierig zu handhaben sind und für den Stallalltag nicht robust genug sind. Beim Einsatz von Befeuchtungs- bzw. Kühlungsanlagen sollten sie als Grenzwertgeber jedoch zwingend vorhanden sein.

Ideal für das Stallklima ist eine Luftfeuchtigkeit zwischen 60 und 80 %. Eine erhöhte Luftfeuchtigkeit kann zu Kondensation und Schimmelbildung führen. Eine zu niedrige Luftfeuchtigkeit kann hingegen gesundheitliche ­Beeinträchtigungen wie beispielsweise Husten bzw. Staubbildung zur Folge haben.

Ställe ausnebeln

Ein weiterer wichtiger Maßstab für das Wohlfühlverhalten ist die richtige Luftführung. Dazu muss die korrekte Funktionsweise der Lüftungstechnik täglich überprüft werden. Durch offene Fenster oder Türen bzw. Hindernisse vor den Ein- bzw. Austrittsöffnungen kann die Luftzirkulation gestört werden. Auch Randbereiche von undichten Decken, Türen oder Gülleschiebern können zu Falschluft führen. Je kleiner das Loch, desto größer sind oft die Probleme. Beispiel: Ein 1 m langer und 10 cm breiter Spalt oder Schlitz reicht je nach Ventilator bereits aus, um ca. 100 m³ Falschluft pro Stunde in den Stall zu befördern. Diese Löcher müssen deshalb sorgfältig verschlossen bzw. verstopft werden.

Auch ungenügende Abluftvolumenströme können für „dicke“ Luft im Stall sorgen. Wichtig ist, dass die Abluftkanäle ausreichend groß dimensioniert sind, um die verbrauchte Luft aus dem Stall zu befördern. Planerisch kann man mit einem Abluftvolumenstrom von maximal 4 m/s rechnen. Bei höheren Geschwindigkeiten kann es jedoch Probleme mit zu hohen Widerständen geben. Die Abluftkanäle müssen dann strömungstechnisch optimiert werden.

Zudem können verschmutzte Kanäle und Zuluftelemente die Luftzirkulation stören. Nicht zu unterschätzen sind auch verstaubte Lüfter, die zu Leistungseinbußen von bis zu 30 % führen können. Deshalb sollten Sie Lüfter und Stellklappen regelmäßig reinigen - mindestens jedoch einmal jährlich im Frühjahr, bevor die heißen Tage beginnen. Ein einfaches Mittel zur Kontrolle der Luftführung sind kleine Rauchpatronen. Bei größeren Problemen ist es empfehlenswert, dass ein Stallklima­experte den Stall mit einer Maschine ausnebelt, um die Fehlerquellen ausfindig zu machen.

Zugluft vermeiden

Als Folge einer falschen Klimaführung kann z. B. Zugluft im Tierbereich entstehen. Ob die Zugluft die Schweine negativ beeinflusst, hängt dabei von der Stalltemperatur, dem Turbulenzgrad und der Geschwindigkeit des Luftstroms ab. Zugluft muss auf jeden Fall vermieden werden! Denn sie bläst den „Wärmemantel“ um den Körper weg und die Schleimhäute der Atemwege kühlen aus. Das belastet das Immun­system. Die Tiere werden anfälliger für Infekte und Atemwegserkrankungen. Zugluft kann außerdem zu Stress, Unruhe und Kannibalismus führen.

Generell sollte eine mittlere Luftgeschwindigkeit im Aufenthaltsbereich der Schweine von 0,2 m/s nicht überschritten werden. Im Sommer kann die Luftgeschwindigkeit auf maximal 0,6 m/s in Abteilen mit ausgewachsenen Tieren angehoben werden, wenn die Stall­temperaturen die Grenzwerte überschreiten. Ob die Luftgeschwindigkeit im Stall stimmt, kann ein Stallklimaberater leicht mit einem sogenannten Anemometer prüfen.

Wichtig: Nicht nur in zwangsbelüfteten Ställen gilt es, Zugluft zu vermeiden. Auch in Außenklimaställen ist ein wärmegedämmter zugfreier Liegebereich bzw. Kleinklimabereich wichtig, damit Schweine Zugluft ausweichen können.

Schadgase messen lassen

Für die Qualität der Stallluft ist außerdem die Schadgaskonzentration entscheidend. Die neue Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung schreibt unter anderem vor, dass die Konzentrationen der Schadgase Ammoniak (20 ppm), Kohlendioxid (3 000 ppm) und Schwefelwasserstoff (5 ppm) nicht mehr bzw. nur noch im begründeten Einzelfall wie zum Beispiel beim Gülleablassen überschritten werden dürfen.

Hohe Schadgaskonzentrationen können auftreten bei einem zu geringen Volumenstrom, zu geringem Unterdruck, zu hohen Solltemperaturen, Fehlluftströmungen sowie Gärprozessen in der Gülle. Die Folge sind gereizte Schleimhäute. Bei diesem Punkt sollten Schweinehalter deshalb besonders auf die ­eigene Sensorik mit Augen und Nase vertrauen. Wenn es beißend nach Am­­moniak riecht oder die Schweine dunkle, mit Staub vermengte Tränenstreifen unter den Augen bzw. gerötete Augen haben, ist dies ein deutlicher Hinweis auf erhöhte Schadgaskonzentrationen. Dann sollten Sie umgehend einen Stallklimaberater anfordern.

Jährlicher Klimacheck

Zur Überwachung der gesetzlichen Grenzwerte ist eine Schadgasmessung zu empfehlen. Bislang gibt es dafür jedoch nur wenige praxistaugliche Messgeräte. Denn die Fühler reagieren sensibel auf Verschmutzungen und haben einen hohen Wartungsaufwand. Das macht den Praxiseinsatz derzeit aufwendig und teuer. Dennoch ist es sinnvoll, neben der täglichen Kontrolle auch einen jährlichen externen Klimacheck von einem Experten durchführen zu lassen, der eine Langzeitmessung vornimmt.

In Zukunft werden intelligente Regelungskonzepte zunehmend an Bedeutung gewinnen, die verschiedene Pa­rameter wie Wetter, bauphysikalische Eigenschaften, Tiergewicht und Fütterung miteinander verknüpfen und bei der Steuerung des Stallklimas berücksichtigen. Die Herausforderung wird sein, dass diese Regelungskonzepte für die Schweinehalter auch praxistauglich bleiben.

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