Schweinestau

„Wir brauchen Anreize für den Bestandsabbau!“

ASP und Corona haben die Schweinebranche in eine schwere Krise gestürzt. Der Schweinestau wächst täglich. top agrar hat mit Berater Johannes Osterkamp über die Notlage gesprochen.

In Deutschland stauen sich derzeit rund 500.000 Schweine in den Ställen, jede Woche kommen laut ISN 70.000 bis 90.000 Schweine hinzu. Wie nehmen Sie die Situation als Berater des Beratungs- und Erzeugerringes Friesoythe und Umgebung e.V. im Landkreis Cloppenburg wahr?

Osterkamp: Bei den Mästern stehen jeden Tag mehr schlachtreife Mastschweine im Stall. Die Tiere werden von Tag zu Tag schwerer, der Platz in der Bucht wird kleiner. Bei der Vermarktung müssen Preiszugeständnisse gemacht werden. Einige Mäster berichten, dass die Schweine nur noch abgeholt werden, wenn man sich zeitgleich verpflichtet, neue Ferkel einzustallen. Das zeigt auch, unter welchem Druck die Händler aktuell stehen.

Wie gehen die Ferkelerzeuger mit der Situation um?

Osterkamp: Auch bei den Ferkelerzeugern ist die Situation angespannt. Teilweise werden Ferkel zu ruinösen Preisen dahin verkauft, wo noch Platz ist, weil das Flatdeck für die nachkommenden Absetzferkel geräumt werden muss. Die Sorge unter den Ferkelerzeugern ist sehr groß, dass die Situation noch länger anhält. Einige Sauenhalter denken immer lauter darüber nach, den Schlüssel endgültig umzudrehen, bevor es aus finanziellen Gründen ein Anderer macht.

Was ist jetzt wichtig, um den Schweinestau aufzulösen?

Osterkamp: Nicht nur vereinzelt, sondern in der gesamten Bundesrepublik sollte es den Schlachtunternehmen kurzfristig erlaubt werden, Arbeitszeiten zu flexibilisieren und...


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