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Parlamentarischer Abend zum Thema "Direktvermarktung"

Der Parlamentarische Abend zum Thema „Direktvermarktung regionaler Produkte“, zu dem die Freien Wähler am Freitagabend geladen hatten, lockte über 200 Gäste in den Bayerischen Landtag. Die drei Landtagsabgeordneten Hubert Aiwanger, der agrarpolitische Sprecher Dr.

Lesezeit: 4 Minuten

Der Parlamentarische Abend zum Thema „Direktvermarktung regionaler Produkte“, zu dem die Freien Wähler am vergangenen Freitagabend geladen hatten, lockte über 200 Gäste in den Bayerischen Landtag. Die drei Landtagsabgeordneten Hubert Aiwanger, der agrarpolitische Sprecher Dr. Leopold Herz und Nikolaus Kraus, alle selbst Landwirte, unterstrichen mit der Veranstaltung ihre Forderung, die Direktvermarktung in Bayern zu stärken, teilte die Landtagsfraktion in ihrer Pressemeldung mit.


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„Der Erhalt unserer Bauernhöfe ist ein Lebensthema, das uns alle berührt – als Landwirte und als Verbraucher gleichermaßen“, sagte der Fraktionsvorsitzende Hubert Aiwanger direkt zum Auftakt der Veranstaltung. Immer mehr Menschen wollten ihre Waren nicht mehr aus anonymen Agrarfabriken, sondern per Einkauf ab Hof vor Ort beziehen. Bundes- und Staatsregierung unternähmen jedoch nichts gegen die wachsende Bürokratie, die vielen Bauern das Leben schwermache. „Wir wollen Wege finden, dem Prinzip ‚Wachsen oder Weichen‘ etwas entgegenzusetzen. Bäuerliche Familienbetriebe dürfen nicht länger die harte Arbeit verrichten und der Lebensmittelhandel letztlich den Reibach machen. Wir kämpfen dafür, dass bayerische Erzeuger wieder eine höhere Wertschöpfung aus ihren Produkten ziehen“, sagte Aiwanger.




Praktiker berichteten von ihren Erfahrungen


Thomas Börkey-Biermann, Geschäftsführer des Bio-Großhandelsunternehmens Ökoring Handels GmbH, forderte mehr Bildungsarbeit: Wie funktionieren ein Bauernhof und ein Agrargroßbetrieb? – Das müsse bereits den Jüngsten in Kita und Grundschule vermittelt und regional produzierte Waren im Einzelhandel besser gekennzeichnet werden. Direktvermarktung sei über Jahrhunderte der Normalfall gewesen, erinnerte Rüdiger Obermaier, Landwirtschaftsoberrat am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Holzkirchen. Bewusstes und kritisches Einkaufen sowie die Bereitschaft, für gute Lebensmittel angemessene Preise zu zahlen, müssten dem Verbraucher neu vermittelt werden.

Die Wertschätzung der Menschen für regional erzeugte und vermarktete Produkte kehre langsam in die Gesellschaft zurück. Das zeigten die zahlreichen Stammkunden seines Unternehmens – darunter mehrere Schulen und Kindergärten, so Markus Lanzl, Direktvermarkter eines Frischmilchhofs. Sein Unternehmen liefert Milch bis zu zweimal pro Woche direkt vor die Haustür. Lanzl hat jedoch auch schon auf die Versorgung von Bildungseinrichtungen verzichtet, weil die daran geknüpften bürokratischen Auflagen zu hoch gewesen seien. Angelika Prem, Kräuterpädagogin und Betreiberin des Bauernhof-Cafés Hennererhof, warb für ihre Wildkräuterführung und das persönliche Erleben von Essen und Natur: Ein Rote-Bete-Carpaccio wirke nun einmal schmackhafter als der Anblick der roten Rübe allein – wer das beherzige, werde in der dienstleistungsnahen Agrarwirtschaft deutlich erfolgreicher sein.




Langer Atem ist notwendig


Annemarie Lampl, 1. Vorsitzende des Landesausschusses Einkaufen auf dem Bauernhof in Bayern, betonte die Bedeutung ihres Onlineshops: Über die Homepage könne sie immer wieder neue Verbraucher anlocken, auch Mund-zu-Mund-Propaganda helfe sehr. Wer als regionaler Direktvermarkter erfolgreich sein wolle, müsse allerdings einen langen Atem haben. Lampl legt Wert auf die Hochwertigkeit ihrer Ware. Dafür seien viele Verbraucher gerne bereit, mehr Geld zu zahlen. Sie wünsche sich jedoch mehr Anerkennung für die Leistung direkt vermarktender Landwirte.

In seinem Betrieb spiele das Internet kaum eine Rolle, da er vor allem an Groß- und Lebensmitteleinzelhandel liefere, sagte der Biolandwirt und regionale Kartoffelabpacker Andreas Hatzl. Dank Vertrauenskasse sei sein Kartoffelladen dennoch rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr, geöffnet. Bayern habe es nicht nötig, in Märkte wie Russland oder China zu exportieren, so Hatzls Plädoyer. Stattdessen solle die Politik Direktvermarktung kraftvoller fördern.

 

„Bauern unterliegen strengen Aufzeichnungspflichten und müssen für jedes Lebensmittel präzise Nährwerte angeben – das schreckt viele ab“, stellte der verbraucherschutzpolitische Fraktionssprecher Nikolaus Kraus in seinem Schlusswort fest. Am Abbau solcher bürokratischer Hürden müsse die Landespolitik dringend arbeiten. Sämtliche Skandale der letzten Zeit seien schließlich von großen Konzernen verursacht worden – auch deshalb begeisterten sich die Menschen wieder stärker für regionale Erzeugnisse. „Hinter jedem Direktvermarkter steht ein Gesicht – ein Mensch, der mit seinem guten Namen für die Qualität seiner Produkte einsteht. Das muss weiter Schule machen! Deshalb wollen die Freien Wähler die Interessen der Direktvermarktung weiter engagiert vertreten – und zwar unabhängig davon, ob für Bio-Bauer oder konventionellen Betrieb. Beide haben ihre Daseinsberechtigung.“

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