Familie

Raus aus dem Krisenkarussell

ASP, miese Preise und unklare Perspektiven: Über vielen Betrieben ziehen dunkle Wolken auf. Corona kann Stimmung zusätzlich belasten. Muss es aber nicht, meinen zwei Beraterinnen.

Wer Landwirte und ihre Familien in schwierigen Situationen berät, hatte in den vergangenen Jahren viel zu tun. Die Stellen für landwirtschaftliche Familienberatung berichten von einer hohen Resonanz.

Corona: Nur ein weiteres Problem

„Die Nachfrage nach Familienberatungen ist auf einem kontinuierlich hohen Niveau“, erzählt Angelika Sigel vom Evangelischen Bauernwerk in Hohebuch. „Mit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 gab es zunächst einen kleinen Einbruch.“

Es war wie eine Schockstarre, fasst die Beraterin diese Zeit zusammen. Ab dem Tag, an dem die Schulen wieder geöffnet haben, verzeichnet das Evangelische Bauernwerk wieder eine hohe Nachfrage nach Familienberatung.

Auch Katharina Stanglmair vom „MontagsTelefon“, dem Sorgentelefon der Stiftung „Land und Leben“ vom Bayerischen Bauernverband, berichtet von einer „normal hohen“ Nachfrage – auch im Coronajahr. „Wir nehmen Corona als begleitendes Problem wahr, die tatsächlichen Krisen der Familien liegen in anderen Bereichen“, sagt sie.

Preisdruck wiegt schwerer

Vielmehr treiben die angespannten Preissituationen und die fehlende Planungssicherheit die Bauernfamilien um. „Die Preissituation wiegt seit einiger Zeit schwer“, sagt Angelika Sigel. „Darunter leiden nicht nur die Betriebe, sondern vor allem die Familien.“ Es gibt viele Familien, die in großer Verzweiflung anrufen und nicht wissen, was sie sagen sollen.

Wut und Zorn kommen eher selten vor. „Darüber sind viele Familien schon hinaus. Vielmehr macht sich Resignation breit“, berichtet die Beraterin. Selbst die wendigsten Unternehmer fänden zurzeit kaum Wege aus der Krise. „Die Familien fühlen sich ausgeliefert. Bei manchen Anrufern herrscht ein Gefühl der Hilflosigkeit, sie fühlen sich gefangen zwischen staatlichen Vorgaben und dem Preisdruck des Handels.“, sagt ­ Katharina Stanglmair.

Viele Landwirte arbeiten in schlechten Zeiten noch einen Schritt schneller, sind morgens früher und abends länger im Stall, auch weil sie sich Aushilfen oder einen Auszubildenden sparen. Betriebe mit vielen Mitarbeitern und hohen Festkosten sorgen sich nicht nur finanziell, sie fragen sich auch: Was passiert, wenn jemand durch Corona ausfällt? Wie schaffe ich es...


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