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Brexit und Corona belasten auch 2021 den britischen Fleischmarkt

Der britische Fleischmarkt leidet massiv unter den Folgen von Corona und des Brexits.

Lesezeit: 6 Minuten

Der Brexit hat im Jahr 2020 zusammen mit anderen Faktoren wie der Corona-Krise im britischen Außenhandel mit Fleisch zu einer deutlichen Schwächung geführt, die sich auch in diesem Jahr fortsetzen dürfte. Zudem hatte eine knappere Verfügbarkeit des Fleisches zusammen mit den Folgen des Corona-Lockdown zur Folge, dass der Fleischverbrauch auf der Insel rückläufig war. Er ist, ohne Berücksichtigung von Geflügel, im vergangenen Jahr um 0,7 % gesunken und dürfte 2021 um weitere 1,3 % abnehmen.

Im Fleischbereich ist Großbritannien ohnehin wie in kaum in einem anderen Sektor stark von Importen abhängig. Im Jahr 2019 wurden nach Angaben der britischen Absatzförderungsorganisation für Landwirtschaft und Gartenbau (AHDB) zur heimischen Marktversorgung rund 1,4 Mio t Schweine-, Rind- und Schaffleisch eingeführt; das deckte fast die Hälfte des Verbrauchs.

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Im vergangenen Jahr ließen der Brexit und die Corona-Krise die Importe um 94 000 t oder 6,7 % sinken, und die aktuelle AHDB-Prognose sieht für 2021 einen weiteren Einfuhrrückgang um 50 000 t oder 3,7 % auf nur noch 1,26 Mio t voraus. Im gleichen Zeitraum ‑ von 2019 bis 2021 - wird laut AHDB-Schätzung die Eigenerzeugung der drei Fleischarten aber nur um rund 20 000 t zunehmen, so dass die Versorgungslücke größer wird.

Für eine gewisse Marktentlastung dürften jedoch die ebenfalls sinkenden Fleischausfuhren Großbritanniens sorgen, die laut Prognose nach einem 2020 verzeichneten Minus von 6,7 % im laufenden Jahr um weitere 5,1 % auf rund 500 000 t rückläufig sein werden.

Abzuwarten bleibt, wie sich der endgültige Brexit, der nach dem Ende der Übergangsphase am 1. Januar 2021 vollzogen wurde, auswirken wird. Nun gilt ein Partnerschafts- und Kooperationsabkommen mit der Europäischen Union, das auch im Agrarhandel keine Zölle oder Quoten vorsieht. Allerdings sind die administrativen Kosten im Handel gestiegen, und im grenzüberschreitenden Warenverkehr kam es für die EU mit dem neuen „Drittstaat“ in den ersten Wochen dieses Jahres aufgrund bürokratischer Hürden bereits zu spürbaren Problemen und Verzögerungen, was insbesondere den Transport von Frischware betraf.

Schweineproduktion wächst

Wichtigste Fleischart bei der Einfuhr ist für Großbritannien das Schweinefleisch. Dieses Produkt verzeichnete nach vorläufigen AHDB-Daten im vergangen Jahr gegenüber 2019 einen Importrückgang von rund 72 000 t oder 7,6 % auf 874 000 t. Maßgeblich dafür war der geringere Bezug von frischem und gefrorenen Schweinefleisch sowie Bacon, während die Menge des auf die Insel gelangten verarbeiteten Fleisches stabil blieb. Auch die bisher vorliegenden Exportdaten der Europäischen Union zeigen für 2020 einen deutlichen Rückgang der Ausfuhren ins Vereinigte Königreich. Die Schweinefleischexporteure aus der Gemeinschaft müssen sich auch im laufenden Jahr auf einen schrumpfenden Absatzmarkt in Großbritannien einstellen. Die britische Absatzorganisation rechnet mit einer weiteren Abschwächung der Einfuhren um 60 000 t beziehungsweise 6,9 % auf 814 000 t.

Neben gewissen Komplikationen im Grenzverkehr mit der EU wird laut AHDB vor allem die wachsende Eigenproduktion Großbritanniens zu dem Einfuhrrückgang führen. Bei einem moderat zunehmenden Schweinebestand wird mit einem um 2,7 % auf 11,17 Millionen Tiere anwachsenden Schlachtaufkommen gerechnet; die höheren Gewichte sollen die Schweinefleischproduktion sogar um 44 000 t oder 4,5 % auf 1,02 Mio t steigen lassen; dies wäre das höchste Niveau seit 1999. Auch der nahezu unveränderte Schweinefleischverbrauch dürfte laut AHDB den Importbedarf begrenzen. Bei den britischen Schweinefleischexporten sollen 2021 die schwächere Nachfrage auf dem gut versorgten EU-Markt sowie verschlechterte Absatzmöglichkeiten in China zu einem Minus von 6,9 % auf 270 000 t führen.

Schlachtrinder fehlen

Der Rindfleischmarkt im Vereinigten Königreich wird nach Einschätzung der AHDB-Analysten 2021 von einer sinkenden Erzeugung geprägt sein, die im Vergleich mit 2020 um etwa 50 000 t oder 5,4 % auf 873 000 t zurückgehen soll. Ursachen dafür sind Bestandsrückgänge bei Milch- und Mutterkühen, zu denen auch verringerte Prämienzahlungen nach dem Brexit beitragen. Außerdem seien viele männliche Tiere noch im alten Jahr geschlachtet worden, da es einen großen Bedarf im Lebensmittelhandel und gute Erzeugerpreise gegeben habe. Im laufenden Jahr falle deshalb das Schlachtviehangebot geringer aus, berichteten die Absatzförderer. Dem dürfte aber auch ein schwächerer Verbrauch gegenüberstehen, der mit einem Minus von 33 000 t oder 2,9 % aber nicht so stark wie die Erzeugung sinken soll.

Neben der ungewissen Corona-Entwicklung mit Wirkung auf den Außer-Haus-Verbrauch spiele hierbei auch das Preisniveau für Rindfleisch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten eine nachfragedämpfende Rolle, so die Marktexperten. Die im vergangenen Jahr eingeschränkten Rindfleischimporte des Vereinigten Königreichs sollen aufgrund der sinkenden Erzeugung aber wieder leicht steigen, und zwar um 3,5 % auf 380 000 t. Begrenzende Faktoren seien hier aber die oft höheren Kosten für die Einfuhr und ein knapperes Angebot des wichtigen Lieferanten Irland, erläuterte die AHDB. Bei den eigenen Rindfleischexporten wird nach dem deutlichen Rückgang im Vorjahr für 2021 mit einem weiteren Minus von 2,7 % auf 143 000 t gerechnet, weil weniger Ware für den Auslandsabsatz zur Verfügung steht.

Negativentwicklung bei Schafen

Vor einem schwierigen Jahr 2021 mit negativer Entwicklung in allen Bereichen sieht die AHDB den heimischen Schaffleischmarkt. Der Bestand an Zuchtschafen sei im vergangenen Jahr um 4 % gesunken, was vor allem im ersten Halbjahr 2021 zu einem knappen Lämmerangebot führen werde. Die Erzeugung von Schaffleisch im Gesamtjahr dürfte gegenüber 2020 um 3,7 % auf 285 000 t rückläufig sein. In einer ähnlichen Größenordnung soll der Verbrauch mit 3,3 % auf 267 000 t sinken. Hierbei dürfte der Absatz in den Supermärkten das Niveau des Vorjahres nicht halten können, so die Einschätzung der Fachleute. Der Verkauf im Foodservice werde wohl erst in der zweiten Jahreshälfte nach Überwindung der Corona-Krise wieder deutlicher anziehen.

Die Einfuhr von Schaffleisch, die sich auf bestimmte, sehr nachgefragte Teilstücke konzentriert, war im vergangenen Jahr laut AHDB um gut 9 % auf 69 000 t eingebrochen. Neben dem geringeren Bedarf im Foodservice-Bereich seien dafür auch geringere Lieferungen aus Australien und Neuseeland verantwortlich gewesen; beide Länder hätten verstärkt den chinesischen Markt bedient. Hinzu komme eine geringere Erzeugung in Ozeanien, was auch 2021 zu einem knappen Angebot und einem voraussichtlichen Rückgang der britischen Schaffleischimporte um 1,4 % auf 68 000 t führen dürfte. Im Export rechnet der AHDB aufgrund der rückläufigen Eigenerzeugung und komplizierteren Ausfuhren in die EU mit einem Rückgang von 3,4 % auf 86 000 t. AgE

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