Ferkelkastration

Schweinehalter, kämpft um Eure Zukunft!

Kurz vor dem Verbot der Ferkelkastration ohne Betäubung ruft die Ringgemeinschaft Bayern zu einer erstaunlichen Aktion auf. Ferkelerzeuger und Mäster sollten mitmachen.

Ein Kommentar von Klaus Dorsch, top agrar Südplus:

Aus norddeutscher Sicht mag es fast schon wie eine Verzweiflungstat klingen, wozu die Ringgemeinschaft Bayern aufruft: Die Sauenhalter sollen ihre Ferkel jetzt, knapp eineinhalb Jahr vor Ablauf der Frist für die betäubungslose Kastration Ende 2020, örtlich durch den Tierarzt betäuben lassen und sie dann selbst kastrieren. Die ersten Erfahrungen zeigen, dass sich diese Methode gut in den Betriebsablauf einbinden lässt und sich die Kosten in Grenzen halten (den Beitrag finden Sie hier; die Printausgabe der Südplus können Sie hier testen).

Durch die flächendeckende Anwendung dieser Methode will man letztlich Politik und Gesellschaft davon überzeugen, dass die Lokalanästhesie ab 2021 als Alternative für die Ferkelkastration unter Betäubung anerkannt wird.

Klaus Dorsch, top agrar Südplus (Bildquelle: Heil)

Die Chance ist da

Doch hat dieses Ansinnen überhaupt eine Chance, nachdem das Bundeslandwirtschaftsministerium den sogenannten 4. Weg, also die lokale Betäubung durch den Landwirt, mehr oder weniger schon abgeschmettert hat?

Ganz aussichtslos ist die Initiative nicht. Der Kritikpunkt, dass die Landwirte bei der Vielzahl an Ferkeln wohl kaum alle Injektionen genau setzen könnten, fällt weg, weil der Tierarzt jetzt die Betäubung der Ferkel durchführt.

So wird die entscheidende Frage für eine Zulassung sein, wie wirksam sich mit der Lokalanästhesie der Schmerz der Tiere bei der anschließenden Kastration ausschalten lässt. Mindestens ebenso gut wie bei der Vollnarkose mit Inhalation von Isofluran oder mit der Injektion von Ketamin und Azaperon, sagen die Tierärzte, die bereits die lokale Betäubung anwenden. Wenn der Gesetzgeber Isofluran anerkennt, dann sollte auch die lokale Betäubung möglich sein.

Auch wenn es keine 100 %ige Sicherheit für den Erfolg der Initiative aus Bayern gibt, sollten möglichst viele Ferkelerzeuger mitmachen und dafür kämpfen. Allein schon deshalb, weil die Akzeptanz der anderen Alternativen bei den Erzeugern verschwindend gering ist. Hinzu kommt: Bei der Ebermast und der Immunokastration gibt es bisher kaum verlässliche Zusagen des Einzelhandels, dass er diese Tiere abnimmt.

Alternative: Strukturbruch

Klar ist: Sollte die lokale Betäubung nicht zugelassen werden, droht ab 2021 der süddeutschen Ferkelerzeugung ein brutaler Strukturbruch. Ein solcher würde auch die Schweinemast mit nach unten ziehen. So steht z. B. die erfolgreiche regionale Vermarktung im Rahmen der Geprüften Qualität Bayern (GQB) auf dem Spiel. Deshalb sollten auch die Mäster die Initiative unterstützen, etwa durch eine Beteiligung an den Kosten für die freiwillige Betäubung.

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Artikel geschrieben von

Klaus Dorsch

Redaktionsleiter SÜDPLUS

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Diskussionen zum Artikel

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von Heinrich Albo

Hier geben die meisten Betriebe mit bis

zu 300 Sauen auf...Im Kombibetrieb weis ich auch noch nicht wie es weiter geht...Bei den täglichen Ideologisch verblendeten Nachrichten in den Medien mache ich mir große Sorgen um unser schönes Deutschland .

von Stefan Gruss

Eines sollten wir dabei aber nicht vergessen, nur wir deutschen Bauern können Schweinefleich Made in Germany produzieren. Wir müssen auch mal nein sagen, wenn man uns keine praxistauglichen Alternativen zulässt, dann muss das deutsche Volk halt Schweinefleisch mit niedrigsten Standards aus dem Ausland essen. Und das ist zum jetzigen Zeitpunkt auch nicht billiger.

von Matthias Zahn

Alter Spruch des BDM....

"Wer kämpft kann verlieren, wer nicht kämpft hat schon verloren!!!" Also liebe Schweinebauern, nicht jammern sondern machen! Ärmel zurück und los gehts.......

von Wilhelm Grimm

Ein aktiver Bauer kämpft immer !!!

Die entscheidende Frage aber ist, ob er seinen Kindern auch noch zumuten will, sich von diesen fachfremden politischen Entscheidungen drangsalieren zu lassen. Das lässt sich seelisch nicht verkraften und zerstört das Selbstbewusstsein unserer gut ausgebildeten Jugend.

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