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Zwei Seilwinden im Test

Seilwinden mit Getriebe waren bislang teuer. Nun bietet Pfanzelt mit der S-Line ein erschwingliches Gerät an. Wir verglichen es mit einer kettengetriebenen Winde – und kamen zu einem klaren Fazit.

Lesezeit: 6 Minuten

Seilwinden mit Getriebe waren bislang teuer. Nun bietet Pfanzelt mit der S-Line ein erschwingliches Gerät an. Wir verglichen es mit einer kettengetriebenen Winde – und kamen zu einem klaren Fazit.


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Für viele Forstwirteist es eine Glaubensfrage: Die Getriebeseilwinde hat den Ruf, langlebiger und wartungsfreundlicher zu sein als Geräte mit Kettenantrieb. Doch gleichzeitig ist sie deutlich teurer, weshalb sie sich vermeintlich nur für Forstprofis lohnt. Umgekehrt wird der Seilwinde mit Kettenantrieb unterstellt, zwar vergleichsweise günstig, jedoch weniger leistungsstark zu sein.


Slowene gegen Bayer:


Doch nun hat Hersteller Pfanzelt aus dem Allgäu mit seiner S-Line-Baureihe eine kostengünstige Getriebeseilwinde speziell für den Waldbauern auf den Markt gebracht. Wir wollten wissen, ob die alten Vorurteile da noch stimmen, und verglichen diese mit einer kettengetriebenen Winde aus dem Hause Tajfun.


Tajfun ist nach eigenen Angaben Deutschlands Marktführer für Dreipunktanbauseilwinden. Der slowenische Hersteller vertreibt vor allem Seilwinden mit Kettenantrieb – beliebt im semiprofessionellen Bereich.

Da möchte Pfanzelt mit seiner S-Line dagegenhalten. Laut Hersteller verfügen die „kleinen“ Getriebeseilwinden über die gleiche Technik wie alle übrigen Seilwinden von Pfanzelt. Allerdings hat das Unternehmen die Dimensionen an die meist kleineren Schlepper angepasst, wodurch ein Preis auf dem Niveau einer kettengetriebenen Seilwinde ermöglicht werden soll.


Für unseren Systemvergleich stand uns eine Pfanzelt-Dreipunktgetriebeseilwinde DW S 160 sowie eine Tajfun EGV 65 AHK B SG zur Verfügung. Mit den beiden Geräten zogen wir rund 150 fm Rundholz aus dem Wald – Laub- wie Nadelholz.


Die Nennzugkraft der Winde von Pfanzelt beträgt laut Betriebsanleitung 6 kN, die Tajfun ist auf dem Papier 0,5 kN stärker. Beide waren mit einem aufpreispflichtigen, 1,8 m breiten Rückeschild (Preis Pfanzelt: 420 €, Tajfun: 240 €) ausgestattet. In Testausstattung wogen beide Winden um die 600 kg.


Als Sonderausstattung lieferte Pfanzelt eine Seileinlaufbremse für 1 560 €, Tajfun installierte einen hydraulischen Seilausstoß für 1 320 €. Die Funksteuerung kostete bei Tajfun 1 090 € extra, bei Pfanzelt ist sie inklusive. Beide Hersteller bringen eine Notsteuerung mit.


Insgesamt beträgt der Verkaufspreis ohne Mehrwertsteuer für die kettengetriebene Winde in Testkonfiguration 7 780 €, die Getriebewinde schlägt mit 9 570 € zu Buche.




Heißt günstig mehr Wartung?


Mit rund 1 800 € ist die Getriebeseilwinde auf dem Papier erst einmal teurer. Konstruktion und Aufbau eines Getriebes sind aufwendig. Die Toleranzen erfordern eine höhere Präzision, zudem sind die Zahn- bzw. Schneckenräder speziell gefräst und gehärtet.


Der Aufbau eines Kettenantriebs besteht grundsätzlich aus weniger Bauteilen als ein Getriebe. Mitunter handelt es sich um „Normteile“, hergestellt in großen Stückzahlen. Das gilt beispielsweise für die Ketten und Zahnräder. Der Mehraufwand spiegelt den höheren Preis für die Getriebeseilwinde wider.


Der Antrieb der Tajfun-Winde ist ebenso wie die Trommelachse in Fahrtrichtung eingebaut. Die Zapfwelle wirkt auf ein Zahnrad, das die Seiltrommel mit einem Übersetzungsverhältnis von 1 : 10,8 antreibt. Für den Kraftschluss zwischen Antrieb und Seiltrommel sorgt eine Mehrscheibenkupplung mit fünf Kupplungsbelägen.

Die Kupplung öffnet und schließt hydraulisch. Eine Hydraulikpumpe zur Ölversorgung ist unterhalb des Zapfwellenstummels angeordnet. Der Kupplungsweg ist laut Hersteller „aus Sicherheitsgründen“ sehr kurz gehalten. Die Seiltrommel ist auf die Antriebswelle aufgeschoben.


Gebremst wird die Trommel mithilfe einer Bandbremse. Sie ist durch eine Feder vorgespannt.

Bei diesem Antrieb entsteht ein gewisser Wartungsaufwand: Der Bediener muss die Antriebskette regelmäßig kontrollieren, nachspannen und schmieren.


Pfanzelt setzt für eine verlust- und wartungsfreundliche Kraftübertragung auf ein Getriebe. Von der Gelenkwelle aus wird die Antriebskraft über ein Schneckenradgetriebe auf die Hauptwelle übertragen. Sie ist mit dem Schneckenrad verzahnt und treibt die Seiltrommel im Übersetzungsverhältnis 1 : 14,5 an. Für den Kraftschluss zwischen Seiltrommel und Hauptwelle sorgt eine Kupplung mit 13 Lamellen. Auch sie wird hydraulisch gesteuert.

Antrieb spart Kraft. Die Antriebseinheit aus Getriebe und Seiltrommel ist quer zur Fahrtrichtung angeordnet. Das spart Kraft beim Seilauszug.


Laut KWF-Prüfbericht (Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik) benötigen die S-Line-Seilwinden zum Seilauszug mit 30 N den geringsten Kraftbedarf. Gebremst wird die Seiltrommel mithilfe einer Lamellenbremse, die innerhalb der Trommel verbaut ist. Zudem verfügt die Antriebseinheit über eine einstellbare Nachlaufbremse. Der Dauereinsatz verlief ohne Schwierigkeiten, die Arbeit ging mit beiden Geräten zügig voran. Die Winden zogen die Stämme – zum Teil mehr als 1,5 fm stark – zuverlässig hangauf- wie hangabwärts aus den Beständen. Einzig bei einer sehr starken Lärche war ein Trennschnitt nötig, um sie mit der S-Line von Pfanzelt aus einer Klinge zu schleppen. Die Winde des slowenischen Herstellers Tajfun musste zuvor ebenfalls kapitulieren.




Kleine Trommel – weniger Zug.


Deutliche Zugkraftunterschiede waren nicht spürbar. Jedoch tat sich die Tajfun oftmals etwas schwerer, wenn sie einen Stamm auf kurze Distanzen und mit voller Seiltrommel heranzog. Der Grund dafür sind die unterschiedlichen Seiltrommelabmessungen: Tajfun verbaut eine schmalere Trommel. Darum ist der Hebel bei aufgewickeltem Seil größer als beim Pfanzelt-Modell. Bei gleichbleibendem Drehmoment sinkt dementsprechend die Zugkraft. Die anschließenden Messungen bestätigten diesen Eindruck.


Bei Lastfahrten funktionierten die Bremsen der Seiltrommeln beider Hersteller durchweg einwandfrei. Nicht einmal bei anhaltendem Dauerregen gab es Probleme.




Viel Gutes bei beiden Systemen:


Die Schwerpunktlage der beiden Winden ist systembedingt unterschiedlich. Tajfun ordnet die Seiltrommel tiefer an als die bayerische Konkurrenz. Trotzdem standen die Testschlepper – ein John Deere 6230 und ein Case Farmall 65 C – auch bei seitlichem Zuzug sicher. Besonders bei kleineren und leichteren Schleppern wie dem Case empfehlen wir aber das optional lieferbare breitere Rückeschild.


Die von Tajfun werksseitig verbaute untere Seileinlaufrolle blieb während des Praxiseinsatzes ungenutzt. Die Stellschraube für die Einstellung der Vorspannung des Bremsbandes lässt sich am slowenischen Modell leicht erreichen. Durch die elektrohydraulische Kupplungsschaltung verringert sich der Verschleiß, im Gegensatz zum mechanisch gesteuerten Modell, wie uns der Hersteller mitteilte. Denn die Kupplung öffnet und schließt immer vollständig und schleift nicht.


Die Antriebskette lässt sich ohne großen Aufwand spannen. Diese Arbeit entfällt bei der Getriebeseilwinde.

Die S 160 des bayerischen Herstellers verrichtete ihre Arbeit immer sehr leise. Der An- und Abbau der S-Line-Winde war aufgrund des größeren Abstands zum Schlepper komfortabler. Pfanzelt bietet obendrein Unterlenkerverlängerungen an, die den Anbau zusätzlich verbessern.


Beide Bedienungsanleitungen erklären alle Funktionen verständlich. Pfanzelt ist dabei jedoch detaillierter und liefert farbliche Abbildungen.




Teurer Ersatz von Pfanzelt.


Das Ölwechselintervall beträgt bei beiden Windenfabrikaten runde 500 Betriebsstunden. Doch sollte die Kupplung einmal den Geist aufgeben, variieren die Kosten stark. Die Materialkosten der Kupplungslamellen liegen für die S-Line (insgesamt 13) bei rund 625 € netto.


Hinzu kommen Dichtungsteile und der Arbeitslohn. Die Fachwerkstatt kalkuliert 5 bis 8 Stunden. Bei einem Arbeitslohn von 68 €/Std. betragen die Kosten rund 1 300 €. Der Kupplungswechsel bei der Seilwinde von Tajfun ist deutlich günstiger. Die fünf Kupplungslamellen sind für insgesamt etwa 240 € netto erhältlich. Als nötige Arbeitszeit plant die Fachwerkstatt im Schnitt 2 Stunden ein.


So betragen die Gesamtkosten rund 420 €.




Klischee ausgehebelt.


Beide Seilwindensysteme haben ihre Berechtigung. Die kettengetriebene Tajfun Seilwinde ist zuverlässig und bietet ein faires Preis-Leistungs-Verhältnis – auch bezüglich der Reparaturkosten. Allerdings hat Pfanzelt mit der S-Line-Baureihe das Klischee der überteuerten Getriebeseilwinde ausgehebelt.


Mit Mehrkosten von 1 800 € bzw. 300 € ohne Seileinlaufbremse ist der Preis fast identisch. Hinzu kommt der niedrigere Wartungsaufwand. Im Test wirkte sie moderner. Unser Forstexperte war von der „kleinen“ Getriebeseilwinde überzeugt. Auch Semi-Profis sollten sie sich daher näher anschauen.



Dieser Text stammt aus der Südplus 3/2018.

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