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Fliegl Kettenscheibenegge KSE 660 im top agrar-Fahrbericht

Mit der Kettenscheibenegge KSE 660 steigt Fliegl jetzt aktiv in den Sektor der Bodenbearbeitungsgeräte ein. Wir konnten eine Vorserienmaschine nach der Maisernte testen.

Lesezeit: 6 Minuten

Schneiden, auffasern, flach einmischen und richtig Fläche schaffen – das sind die Kernaufgaben einer Kettenscheibenegge. Wir testeten bereits in der Vergangenheit Kettenscheibeneggen der australischen Firma Kelly (siehe top agrar Ausgabe 12/2009 und 05/2011). Nun steigt mit Fliegl ein deutscher Hersteller in die Produktion ein. Wir haben die KSE 660 zur Stoppelbearbeitung nach Mais eingesetzt.

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Die Kettenscheibenegge lässt sich über eine Unterlenkertraverse kuppeln. Die Bolzendurchmesser der Deichsel hatten bei unserer Vorserienmaschine noch die Kategorie 2. Zukünftig will Fliegl das auf Kat. 3 ändern. Außerdem soll der gesamte Anbaubock noch etwas stabiler werden. Um die Maschine auf verschiedene Schleppergrößen anpassen zu können, ist der erste Teil der Deichsel über eine mechanische Spindel in der Neigung einstellbar.

Insgesamt braucht der Schlepper zum Ansteuern der hydraulischen Funktionen drei dw-Steuergeräte. Eines zum Ein- und Ausklappen, eines zum Spannen und Entspannen der Ketten und eines für das Fahrwerk. Optional gibt es auch eine elektromagnetische Bedienbox, dann ist nur ein dw-Steuergerät nötig.

Die Hydraulikleitungen für das Fahrwerk lassen sich über Kugelhähne absperren. Um das Gerät in Arbeitsstellung zu bringen, muss man die beiden Flügel zunächst ausklappen. Die Ketten spannt man anschließend über doppelt wirkende Hydraulikzylinder in den Seitenflügeln. Für eine ordentliche Bodenanpassung und aggressives Schneiden ist es wichtig, dass die Kette gespannt ist. Dabei sollten die Seitenteile aber noch etwas angehoben sein, ansonsten schieben die seitlichen Stützräder über den Boden.

Die Hydraulikzylinder muss Fliegl noch größer dimensionieren. Denn beim Ein- und Ausklappen als auch beim Ein- und Austeleskopieren reichte die Kraft der Zylinder im Test nicht immer aus – hier mussten wir schon mal tricksen. Fliegl hat das aber bereits erkannt und wird in die Serienmaschinen größere Zylinder einbauen.

Aufgrund der langen Ketten ist die Maschine mit 9,60 m recht lang. Das muss man bei engen Feldeinfahrten mit einkalkulieren. Weil die Achse aber ziemlich mittig am Gerät sitzt, ist man mit der Egge auf dem Feld wendig unterwegs. Ein stabiler Rahmen aus zwei Rechteckrohren (je 120x200 mm) bildet das Grundgerüst. Vorne und hinten sind die Ketten jeweils am Rahmen befestigt.

Die Achse ist auf der Höhe der Seitenflügel unter dem Rahmen verschraubt. Dadurch liegt auch fast das gesamte Gewicht von 4.680 kg auf der Achse. Im Test war die Stützlast auf der Hinterachse des Schleppers teilweise sogar negativ – etwas mehr Stützlast wäre besser. Die Achse wird deshalb künftig ca. 50 cm nach hinten verschoben, um eine Stützlast von etwa 500 kg zu generieren. Die noch optionale Bremsachse ist übrigens für den deutschen Straßenverkehr Pflicht.

Die Raute machts

Schaut man sich die Kettenscheibenegge von oben an, ergibt die Anordnung der Arbeitselemente eine Raute. Vier Ketten mit insgesamt 123 Scheiben rollen bei der Fahrt über den Boden und verrichten so die Arbeit. Die 350 mm großen Scheiben sind am äußeren Ende angeschliffen und sollen so Ernterückstände aggressiv schneiden und auffasern.

Fliegl setzt auf geschraubte Hohlscheiben, die jeweils über massive Kettenglieder miteinander verbunden sind. Der Vorteil: Die Scheiben lassen sich bei Verschleiß oder Beschädigungen einzeln austauschen. Innen an der Scheibe sind je zwei 12 mm starke Distanzplatten montiert, die das Gewicht der einzelnen Scheiben erhöhen sollen. Angefangen zu springen sind die Ketten auf Maisstoppeln nicht. Lediglich auf Maisstroh hat sich die Maschine gelegentlich kurz aufgeschaukelt.

Wir haben das Fahrwerk für den Feldeinsatz soweit abgesenkt, dass die Ketten vorne und hinten an der Aufhängung fast vollständig auf den Boden auflagen. Dann bleibt noch ein Abstand vom Rahmen zum Boden von etwa 50 cm.

Das Fahrwerk muss die Maschine im Einsatz aber tragen. Eine Anzeige für die Tiefeneinstellung sowie einstellbare Anschläge haben uns hierbei gefehlt. Diese soll zukünftig zur Serienausstattung gehören. An den Seitenflügeln stützen jeweils über Kurbeln verstellbare Räder der Größe 10.0/75-15.3 die Maschine ab.

Das häufige Ein- und Austeleskopieren im abgesenkten Zustand sowie Kurvenfahrten hatten bereits erste Spuren an den Rädern hinterlassen. Deshalb ändert Fliegl die Dimensionierung der Rohre der Radaufhängung von 80 x 80 mm auf 100 x 100 mm.

Ordentlich Spannung

Wir haben die Kettenscheibenegge auf abgeernteten Silo- und Körnermaisflächen eingesetzt. Für ein ordentliches Arbeitsergebnis empfiehlt der Hersteller eine Fahrgeschwindigkeit von mindestens 15 km/h. Dabei sollte man die Kettenspannung den Bodenverhältnissen anpassen. Ist der Boden härter kann die Spannung geringer sein. Der Strichabstand der Scheiben in der Kette beträgt in Fahrtrichtung ca. 160 mm. Durch die rautenförmige Anordnung überrollen die Scheiben die Fläche zweimal. Fliegl will die Schiebenanzahl zukünftig aber noch weiter erhöhen.

Mit unserem G135 von Valtra mit 135 PS/100 kW Motorleistung waren im Maisstroh Fahrgeschwindigkeiten von ca. 13 km/h möglich. Aufgrund des hohen Anteils an Maisstroh sanken die Scheiben kaum in den Boden ein. Zwar mischte die Maschine Stroh und Erde etwas, allerdings riss sie nicht alle Stoppeln vollständig aus oder zerfaserte sie.

Die Maisstrohfläche haben wir anschließend mit einem Pflug mit Dungeinlegern und Streifenkörpern gepflügt. Auf nicht zuvor bearbeiteter Fläche verstopfte der Pflug mehrmals. Auf Parzellen mit zweifacher Überfahrt der Kettenscheibenegge war das vorbei.

Anders sieht das Arbeitsergebnis auf Silomaisflächen aus. Hier reichte die Motorleistung unseres Valtras nicht mehr aus. Auf den sandigen Flächen sanken die Scheiben ca. 5 cm tief in den Boden. Mit einem 340 PS/250 kW starken Deutz-Fahr TTV 340 schafften wir mit der Kettenscheibenegge maximal 18 km/h. Bei einer Arbeitsbreite von ca. 6,60 m liegt die theoretische Flächenleistung dann bei knapp 12 ha/h.

Die Maisstoppeln zerfaserte die Maschine mit zunehmender Arbeitsgeschwindigkeit besser. Bis auf wenige Ausnahmen blieben keine Stoppeln stehen. Die meisten waren durch die Scheiben auch derart angeschlagen bzw. zerfasert, dass Feuchtigkeit problemlos in die Erntereste eindringen kann, um die Rotte zu beschleunigen und dem Zünsler kein Winterquartier mehr zu bieten.

Insgesamt zeigte die Kettenscheibenegge auf Silomaisflächen ordentliche Arbeitsergebnisse. Im Maisstroh kam das System allerdings an seine Grenzen. Für die nötige Fahrgeschwindigkeit braucht man außerdem eine relativ hohe Zugleistung. Die Geschwindigkeit bringt dann aber auch eine hohe Flächenleistung.

Wir sehen die Maschine mit den Anschaffungskosten von 34.500 € und den geplanten Verbesserungen vor allem auf größeren Ackerbaubetrieben oder im überbetrieblichen Einsatz. Die Einsatzfelder sind dabei klar definiert: Stoppelsturz, Zwischenfrüchte einarbeiten oder Maisstoppeln bearbeiten. Die gute Bodenanpassung ermöglicht eine ganzflächige und flache Bearbeitung – das ist vor allem in trockenen Regionen interessant.

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