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In einem Arbeitsgang: APV Sägerät PS 200 M1

Mit einem aufgebauten pneumatischen Sägerät lässt sich eine separate Überfahrt bei der Zwischenfruchtsaat einsparen. Wir haben dazu den PS 200 M1 von APV auf einem Grubber eingesetzt.

Lesezeit: 8 Minuten

Dieser Test erschien erstmals im August 2020

Der zweite Arbeitsgang bei der Stoppelbearbeitung und die Saat von Zwischenfrüchten lassen sich oft gut kombinieren. Pneumatische Geräte mit kleinen Pralltellern haben sich dabei oft gegen die einfacheren Tellerstreuer durchgesetzt.

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Die Pneumatikgeräte haben eine deutlich bessere Querverteilung und das Saatgut lässt sich gezielt vor der Walze ablegen. Bei entsprechender Auslastung ist die Bestellung oft günstiger als mit einer vorhandenen, klassischen Drillkombi.

Behältergröße nach Wahl

Wir konnten im Sommer und Herbst 2019 den PS 200 M1 von APV in Kombination mit dem Grubber Field Profi 3001 von Ziegler ausgiebig testen. APV bietet Pneumatikstreuer mit Behältergrößen von 120 bis 1600 l an. Während die großen Geräte Stahlblechtanks haben, sind die Behälter bis 500 l aus Polyethylen gefertigt. Sie werden mit einem großen, drehbaren Deckel verschlossen. Geöffnet hängt dieser an einer Kette – ein ordentlicher Klappdeckel hätte uns hier besser gefallen.

Unser Pneumatikstreuer mit 200 l ist das zweitkleinste Modell der Österreicher. Der gelbe Behälter lässt etwas Sonnenlicht durchschimmern. Dadurch kann man den Füllstand von außen erkennen. Im unteren Bereich verdeckt allerdings die Behälteraufnahme aus Stahl die Sicht auf die Restmenge. APV bietet zum Überwachen des Füllstands optional einen kapazitiven Näherungssensor an, der sich in der Höhe einstellen lässt. Wir haben zur Kontrolle des Füllstandes eine eigene kleinere Kamera eingesetzt und konnten damit quasi die Füllhöhe stufenlos beobachten. Eine ordentliche Kabeldurchführung dafür hat der Streuer bereits.

Je Schlauch eine Zelle

Ein Elektromotor treibt die Dosierwelle an. Über einen kleinen Riementrieb läuft zudem ein Rührwerk mit. Zwei verschiedene Säwellen gehören zum Lieferumfang. Eine feine z.B. für Senf oder Phacelia und eine grobe für Gras oder Getreide. Optional gibt es acht weitere Wellen, darunter auch zwei mit flexiblen Zellen.

Eine manuell einstellbare Abstreiferleiste gewährleistet immer gleich volle Zellen. Bei feineren Körnern stellt man diese dichter an die Säwelle, also auf der Skala weiter in Richtung Minus, und bei gröberem Saatgut stellt man den Abstreifer lockerer ein, also in den Plus-Bereich. Um die Symbolik zu verstehen, guckt man am besten gleichzeitig in den leeren Behälter und kontrolliert die Position.

Auf der Welle sind acht Zellenreihen positioniert. Jede Reihe ist für einen eigenen Schlauch zuständig. Anders als bei pneumatischen Sämaschinen mit zentralem Saatgutdosierer und Verteilerkopf kann so das Saatgut nicht den Weg der größten Luftgeschwindigkeit nehmen. Die Querverteilung der einzelnen Schläuche liegt deshalb auf dem Niveau einer mechanischen Drille. Wichtiger für eine ordentliche Verteilung über die gesamte Arbeitsbreite ist die Positionierung der Prallbleche mit einer Mindesthöhe zum Boden.

Ablage Vor der Walze

Beim PS 200 M1 sorgt ein elektrisch angetriebenes Gebläse für den Luftstrom. Das Gebläse hat eine maximale Stromaufnahme von 14 A. Zusammen mit dem Dosiermotor kommt das gesamte Gerät auf eine Leistungsaufnahme von etwa 18 A. Die 30 A-Steckdose von modernen Schleppern reicht also aus.

Beim elektrischen Gebläse ist die Luftmenge begrenzt. Die Schläuche sollten deshalb nicht länger als 4 m sein und immer etwas Gefälle haben. Der Hersteller empfiehlt Saatgutmengen von bis zu 40 kg/ha. Um keine Verstopfungen zu riskieren, haben wir die Gebläsedrehzahl immer auf 100% eingestellt. Diese sollte man nur reduzieren, wenn das Saatgut im Behälter anfängt zu blubbern. Für längere Schlauchleitungen und größere Saatgutmengen bietet APV auch ein hydraulisch angetriebenes Gebläse (ca. 2.000 €) an.

Die Schläuche führen das Saatgut vor die Walze. Dort treffen die Körner auf kleine Prallteller. Standardmäßig liefert APV vier 1,2 m lange Sechskantwellen zur Montage der Prallbleche mit, die man dann mit etwas Geschick zuschneiden und am Gerät befestigen muss.

Mit den acht Pralltellern lässt sich das Saatgut auf maximal 6 m verteilen. Bei unserem 3 m breiten Grubber hat die Firma Ziegler die Prallteller mit einer eigenen Konstruktion vor der Nachlaufwalze in einer Höhe von ca. 65 cm verstellbar positioniert. Wir justierten die Neigung so, dass das Saatgut direkt vor der Walze auf den Boden kam. Für eine gute Verteilung sollen die Prallbleche laut Hersteller immer mindestens 40 cm hoch montiert sein.

Elektronik und Werkzeug

Um die Säwelle zu tauschen, muss man mit dem mitgelieferten Schraubendreher eine Blechabdeckung mit zwei Muttern lösen. Immerhin bleiben die beiden Muttern fest an der Abdeckung und gehen nicht verloren. Eine werkzeuglose Montage hätte uns natürlich besser gefallen. Laut APV ist dies aber nicht möglich, da die Geräte so auch in Amerika verkauft werden und dort andere gesetzliche Vorgaben gelten.

Mit zwei Rändelschrauben lässt sich dann das Lager der Säwelle demontieren. Zuvor muss man noch den kleinen Rundriemen für das Rührwerk abnehmen. Anschließend lässt sich die Dosierwelle herausziehen. Dabei darf kein Saatgut mehr im Behälter sein, da es keinen separaten Schieber gibt. Damit beim Einschieben der richtigen Welle kein Korn klemmt, sollte man zuvor den Behälter mit Druckluft ausblasen.

Zum Abdrehen löst man zwei weitere Schrauben und setzt die Blechrutsche gedreht ein. Auf die Rutsche lässt sich anschließend ein mitgelieferter Stoffsack befestigen. Der Sack ist mit einer serienmäßigen Digitalwaage in einer Kunststoffrolle untergebracht.

Unser PS 200 M1 war mit dem Bediencomputer 5.2 (898 €) ausgestattet. Zum Abdrehen tippt man sich durch das Menü. Der Computer fragt dabei jedes Mal nach der Arbeitsbreite, der angestrebten Fahrgeschwindigkeit und der Saatmenge in kg/ha. Danach kann die Probe starten. Dazu drückt man die optionale Abdrehtaste am Streuer so lange, bis eine ordentliche Menge im Sack landet.

Leider hält der Sack bei größeren Mengen nicht zuverlässig auf dem Abdrehblech. Da man mit der Abrehtaste genau daneben steht, kann man direkt reagieren. Trotzdem würden wir uns die Taste sparen, wenn das Gerät vom Traktor aus einzusehen wäre. Dann muss man auch nicht die ganze Zeit die Taste festhalten. Diese ist übrigens frei mit einem Magneten positionierbar.

Die abgedrehte Menge lässt sich mit der Digitalwaage auswiegen und anschließend im Terminal eingeben. Weicht die Menge zu stark von dem erwarteten Wert ab, ist eine zweite Abdrehprobe erforderlich. Bei uns war das aber nur nach einem Saatgutwechsel nötig. Möchte man das Saatgut samt Kalibrierung im Terminal speichern und später wieder aufrufen, sollte man sich für die Steuerung 6.2 mit Touchbedienung (1595 €) entscheiden.

Variable Aussaat

Die Steuerung hat Folientasten. Vor der Saat aktiviert man den elektrischen Gebläseantrieb und anschließend den Dosiermotor. Damit die Steuerung die Drehzahl der Dosierwelle geschwindigkeitsabhängig regeln kann, bietet APV einen Adapter für die siebenpolige Steckdose des Traktors an. Über den Anschluss kann der Streuer auch das Hubwerksignal abgreifen und den Dosierantrieb danach starten. Dabei muss man allerdings auf das Schlepperfabrikat bzw. die Belegung der Steckdose achten. So war für den John Deere 6115R ein anderer Adapter nötig, als für den New Holland T7.315. Für eine hubwerksunabhängige Schaltung gibt es aber auch verschiedene externe Sensoren als Zubehör.

Während des Einsatzes zeigt der Bediencomputer die aktuelle Fahrgeschwindigkeit und Säwellendrehzahl in Prozent an. Dazu kommt die eingestellte Saatmenge, die sich über Plus/Minus-Tasten in 5%-Schritten auch während der Fahrt ändern lässt.

Bedingungen entscheidend

Im Sommer legten wir mehrere Versuche mit dem pneumatischen Streuer an. Zum Vergleich stand uns eine klassische Drillkombi mit Kreiselegge und mechanischer Drillmaschine mit Schleppscharen zur Verfügung. 15 Tage nach der Weizenernte säten wir 20 kg/ha reinen Gelbsenf in die Stoppeln auf lehmigen Sandboden. Das Wetter war anschließend sehr trocken, die Saat lief spät auf. Große Unterschiede zwischen den beiden Varianten konnten wir in der Wachstumsphase nicht feststellen. Nach zwei Monaten auf dem Acker brachen wir die Fläche wieder um. Dabei konnte man einen leicht besseren Bestand der Drillsaat feststellen.

Im zweiten Versuch säten wir Mitte August 40 kg/ha Gras, 120 kg/ha Grünnroggen und 15 kg/ha einer Greeningmischung aus Winterraps und Winterrübsen. Widererwarten verstopften die Schläuche auch bei den hohen Saatmengen und Fahrgeschwindigkeiten von ca. 10 km/h bei uns nicht. Die Saatbedingungen waren sehr trocken. Einen Tag später regnete es jedoch in einer Nacht ca. 20 l/m².

Anschließend kletterten die Temperaturen auf bis zu 35°C. Eine Woche nach der Saat war die Drillsaat minimal besser aufgelaufen als die Grubbersaat. Zwei Wochen später konnten wir nur noch leichte Unterschiede zwischen den beiden Gras-Varianten sehen, zum Vorteil für die Drillkombi. Auffällig bei der Grubbersaat war, dass man auch hier trotz der Breitsaat Reihen im Bestand erkennen konnte. Wir führen das auf die streifenweise Rückverfestigung der Dachringwalze zurück.

Als wir die Zwischenfrucht im Frühjahr abschlegelten, konnten wir keine Unterschiede mehr zwischen den Varianten erkennen. Auch die Grubbersaat stand ordentlich auf der Fläche.

Insgesamt haben wir gerne mit dem PS 200 M1 gearbeitet. Durch das Steuermodul 5.2 in Verbindung mit dem richtigen Adapterkabel oder Sensoren muss der Fahrer lediglich das Bodenbearbeitungsgerät einsetzen und ausheben. Den Rest erledigt der Streuer. Für einen guten Zugang zum Behälter sollte man auf jeden Fall ein ordentliches Podest, wie beim Ziegler-Grubber, montieren. Wer eine entsprechende Auslastung für das pneumatische Zwischenfruchtsägerät hat, der kann mit dem 3.660 € teuren Gerät in Testausstattung (exklusive Aufbau) die Aussaat durchaus mit der Stoppelbearbeitung kombinieren und eine weitere Überfahrt mit der Drillkombi sparen – eine ordentliche Stroh- und Spreuverteilung des Mähdreschers vorausgesetzt. Ist der Boden ausreichend feucht, steht die Grubbersaat der Drillsaat nicht nach.

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