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Mit GPS die Weidetiere immer im Blick

Die GPS-Ortung von Schafen und Rindern ist vor allem auf Almen interessant. Wie gut funktioniert die Technik? Das wollte top agrar-Österreich wissen und hat Praktiker befragt.

Lesezeit: 8 Minuten

Almbauern kennen die Situation: Der Kontrollbesuch bei den Schafen bzw. Rindern steht an. Doch nach langer Suche keine Spur von den Tieren. Sorge und Ärger schaukeln sich gegenseitig hoch. Um dies zu vermeiden, kaufen sich immer mehr Betriebe ein GPS-System!

Doch welches Gerät passt am besten für die Gegebenheiten auf der Alm? Um das zu klären, hat die HBLFA Raumberg-Gumpenstein in Österreich zusammen mit der LK Steiermark und dem Naturpark Sölktäler vergangenes Jahr ein Projekt gestartet. 138 Landwirte (80 Rinder-, 58 Schafhalter) testeten dafür GPS-Sender und teilten ihre Erfahrungen.

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Kosten von 100 bis 150 €

Die getesteten Systeme stammen teilweise aus der Fahrzeugindustrie und sind im Vergleich zu speziellen GPS-Geräten relativ billig. Zwischen etwa 100 und 150 € kosten die unterschiedlichen Geräte bei der Anschaffung. Danach verrechnen die Anbieter Gebühren von 17 bis 22 € pro Jahr.

Die Geräte arbeiten mit ausländischen Sim-Karten. Dadurch wählen sich diese immer in das beste Netz ein. Dadurch kann eine höhere Signalabdeckung gewährleistet werden, heißt es. Das ist vor allem in abgelegenen Regionen ein Vorteil. Die Genauigkeit der Tracker liegt bei 3 bis 4 m.

Die Firma Qtrack bietet dabei einen Sender an, der mit zwei handelsüblichen Batterien funktioniert. Das Gerät ist mit 120 g und der kleinen Bauweise für Schafe besonders gut geeignet. Damit der Strom für die gesamte Weidesaison hält, sollte ein Sendeintervall von vier Stunden gewählt werden.

Tiere live beobachten

Von der Firma Infostars gibt es ein Batterie- und ein Akkugerät. Das Batteriegerät hat ein etwas stärkeres Signal als jenes von Qtrack. Es ist 145 g schwer und für Rinder sowie Schafe geeignet. Das Sendeintervall ist für drei Stunden optimal.

Das Akkugerät von Infostars ist größer und mit fast 400 g deutlich schwerer als die Batteriegeräte. Somit ist es gut für Rinder, aber nur für große Schafrassen geeignet. Dieses Modell ist vor allem bei schlechtem Empfang zu empfehlen. Alle zwei Stunden können damit Positionen gesendet werden. Der Vorteil ist zudem, dass die Sendeintervalle vorprogrammiert werden können. Auch eine Liveschaltung ist möglich.

GPS spart viel Zeit

Doch wie haben die Geräte nun abgeschnitten? „Die Landwirte waren sehr zufrieden mit den Sendern“, fasst Reinhard Huber vom Institut für Nutztierforschung in Raumberg-Gumpenstein zusammen.

Er erklärt, dass zwei Drittel der Bauern künftig mehr Geräte nutzen wollen als bisher. 90% würden sich das gleiche Gerät sogar wieder kaufen, der Rest interessiert sich für ein größeres Gerät mit stärkeren Batterien.

Die Landwirte berichten, dass sie deutlich Zeit einsparen konnten, sich die Arbeit erleichtert hat und es noch dazu Spaß gemacht hat, die Tiere am Handy oder PC immer im Blick zu haben. Die Hälfte hat mehrmals täglich aufs Handy geschaut, um sich zu vergewissern, dass alles in Ordnung ist.

Zudem sind die Bauern öfter zu den Tieren auf die Alm gefahren, da sie wussten, dass diese nur ein paar Gehminuten von der Straße entfernt sind.

Einige Landwirte nutzten auch die Funktion „Digitaler Zaun“. Jedes Mal, wenn die Tiere einen vorher definierten Bereich überschritten, erhielten sie eine SMS aufs Handy.

Batterien als Schwachstelle

Probleme mit den getesteten GPS-Trackern hatten die Landwirte nur vereinzelt. So mussten einige im Sommer lediglich die Batterien tauschen, da diese sich zu schnell entladen hatten. Das war vor allem bei Batterien von schlechter Qualität der Fall sowie bei einem zu engen Sendeintervall.

Überrascht hat viele, dass sich die Sender bei niedrigerem Stromstand sehr schnell entladen haben. Huber: „Zuerst haben sich die Geräte lange gehalten, aber bei einem Akkustand von 30% ging es plötzlich rasant bergab.“

Auch die Netzabdeckung funktioniert noch nicht zu 100%. Für die Landwirte ist das aber nur bedingt ein Nachteil, da sie schon zufrieden sind, wenn sie die Richtung wissen, in der sie ihre Tiere suchen müssen.

Sicherheit bei Wolf & Co.

Wichtig ist ihnen auch – vor allem in Zeiten von Wolfrissen – Gewissheit zu haben, dass es den Tieren gut geht. Denn sollte es tatsächlich zu einem Angriff kommen, könnten die Bauern schneller reagieren, da sie eher auf ein Problem aufmerksam werden. Das betrifft dann einerseits den Schutz verbleibender Tiere auf der Alm und auch die Entnahme von DNA-Proben.

Für die Forscher in Raumberg, die Landwirte und ebenso für Jäger ist auch das Weidemanagment interessant. Durch die Sender können sie genau feststellen, welche Routen die Tiere gehen, wo deren Schlafplätze sind und wo sie Wasser trinken. Gibt es Weidereste, welche die Tiere nicht abgrasen, können die Bauern im Folgejahr mit einer Koppel oder einem gezielten Umtrieb sogar das Weidemanagment verbessern.

„Mit den GPS-Daten kann auch gezeigt werden, wo die Bauern mit ihren Tieren wertvolle Almpflege leisten“, erklärt Huber. Gleichzeitig sind diese Informationen wichtig, um Argumente gegen eine Wolfsansiedelung zu haben. Gibt es Risse in dieser Region, kann das für eine Entnahme des Wolfes sprechen.

Zukünftig steht also nicht nur die Ortung der Weidetiere im Fokus der GPS-Systeme. Reinhard Huber und seine Kollegen forschen bereits daran, Stress bzw. Panik der Tiere durch spezielle Sensoren zu erkennen. Das soll die Landwirte sofort auf ein Problem z.B. mit einem Wolf aufmerksam machen.

Brünstig oder nicht?

Dieses Jahr wollen sie zudem den GPS-Tracker Digit Animal genauer unter die Lupe nehmen. Dieser an einem Halsriemen angebrachte Sender soll die Brunst bei Kühen und eine Abkalbung erkennen können. Ein Sensor misst die Temperatur und die Bewegungen der Tiere.

Die Digitalisierung macht somit auch in der Almwirtschaft nicht Halt. Förderungen für GPS-Sender gibt es aktuell von den Schaf- und Ziegenzuchtverbänden.

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REPORTAGEN

„Ich erspare mir viel Arbeitszeit“

Der Tiroler Max Stern kann sich einen Almsommer ohne GPS-Sender kaum noch vorstellen. Mit den Geräten weiß er immer, wo seine Schafe sind.

Durch die GPS-Sender konnte ich sehr viel Zeit sparen und auch die Arbeit hat sich deutlich erleichtert“, berichtet Maximilian Stern aus Innsbruck/Arzl. Im Vorjahr investierte er in 20 GPS-Sender der Fa. Qtrack, um seine rund 250 Stück große Braune Bergschaf-Herde zu überwachen.

Einerseits wollte er wissen, wo sich seine Schafe während des Almsommers herumtreiben – besonders wenn sie die Herde verlassen. Auf der anderen Seite war ihm wichtig, sich bei einem Wolfriss abzusichern, um wie im Fall von Landecker Bauern Entschädigungen zu-gesprochen zu bekommen.

Für Stern machte sich die Investition in die Sender gleich zu Beginn der Almsaison bezahlt. „Ein Widder war schon nach einer Woche nicht mehr bei der Herde. Durch den Sender wusste ich aber immer, wo er ist und ich konnte ihn viel einfacher wieder zurückholen“, berichtet er.

Früher dauerte es meist bis zum Almabtrieb, um ausgebüxte Widder zu finden und zurückzuholen. „Mit den GPS-Sendern habe ich zudem die Gewissheit, dass die Tiere noch leben“, erklärt der Landwirt weiter. Auch die restlichen Schafe, die sich oftmals in Gruppen aufteilen, hatte Stern immer im Blick. Alle vier Stunden erhielt er den Standpunkt der Tiere. So erfuhr er auch, dass sich diese in einem ähnlichen Muster bewegen und zu einer gewissen Zeit am selben Ort sind.

„Für die regelmäßigen Kontrollen ist diese Information besonders wertvoll. Ich bin oft am Abend noch auf die Alm gefahren, weil ich wusste, dass alle Schafe nur wenige Gehminuten entfernt sind“, erklärt Stern. Mit den GPS-Sendern und dem Service der Firma Qtrack war er sehr zufrieden. Der Strom der GPS-Sender reichte bis auf eine Ausnahme den ge-samten Sommer. Viele der Tracker hätten laut Stern im November noch gesendet, als die Tiere schon auf dem Heimbetrieb waren.

„Wichtig ist allerdings, dass hochwertige Batterien verwendet werden. Denn bei minderwertigen kann es vorkommen, dass er Strom nicht bis zum Almabtrieb reicht“, so Stern. Das war bei einem seiner Sender der Fall. Doch diese konnte er schnell und unkompliziert auf der Alm tauschen. Das einzige Problem mit dem GPS-Sendern sieht der Schafbauer bei sich. „Ich habe ständig aufs Handy geschaut, um zu sehen, wo die Schafe sind. Das muss ich mir künftig abgewöhnen“, erklärt er.

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Das lange Suchen hat ein Ende

Vergangenes Jahr hat Familie Oberfrank aus Bad Aussee die GPS-Ortung bei ihrer Mutterkuhherde getestet.

Die Zeiten, in denen Familie Oberfrank aus Bad Aussee den ganzen Tag die Mutterkuhherde auf der 500 ha großen Gemeinschaftsalm suchen musste, sind vorbei. Zwei der 40 Tiere rüsteten sie im Vorjahr mit GPS-Sendern der Firma Infostars aus – einer mit Akku und einer mit Batterien.

„Die Alm besteht aus vielen Hügeln und viel Wald. Da ist es oft schwierig, die Tiere zu fi nden“, erklärt Josef Oberfrank. Jetzt sieht sich die Familie zu Hause an, wo die Tiere sind und fährt dann auf die Alm. „Nach nur wenigen Stunden haben wir die Rinder dann meist gefunden“, erzählt er.

Mit den Sendern können etwa 95 % der Almfläche erfasst werden. Nur an wenigen Orten war der Empfang so schlecht, dass die Sender keine Standorte senden konnten. „Das war für uns aber nicht so schlimm, da wir wussten, in welcher Richtung wir suchen mussten,“ erklärt er weiter.

Schwierig ist es nur, wenn er durch den schlechten Internet-Empfang auf der Alm die Karte mit dem Standort am Handy nicht mehr aufrufen kann. Doch dafür genügt ein Anruf zu Hause, um zu wissen, wo die Rinder sind.

Das Tracking der Sender haben Oberfranks auf zwei Stunden eingestellt. Mit dem Strom gab es bei beiden GPS-Sendern kein Problem. „Uns reicht es schon, wenn wir zwei Mal am Tag einen Standort bekommen“, erklärt er.

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