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Unkraut mit Augenmaß bekämpfen

Lemken steigt in die mechanische Unkrautbekämpfung ein. Wir haben uns bei Nicola Lemken und ihrem Team informiert, was hinter der Übernahme des Hacktechnik-Spezialisten Steketee und seiner Kameratechnik steckt.

Lesezeit: 6 Minuten

Spezialisten wie Lemken braucht man eigentlich nicht zu erklären, wie man Boden bearbeitet. Doch das Familienunternehmen hat im letzten Herbst den niederländischen Hacktechnik-Spezialisten Steketee übernommen. Welche Strategie dahinter steht, haben wir Mitte Dezember am Stammsitz in Alpen mit Gesellschafterin Nicola Lemken, dem Geschäftsführer Anthony van der Ley, dem Leiter des Geschäftsbereichs Crop Care Iljan Schouten und dem Steketee-Entwickler Lauwrens Struik diskutiert.

Steketee ist ein Familienbetrieb mit Sitz im niederländischen Stad aan’t Haringvliet. Neben der Marke Steketee mit der Hacktechnik und Grubbern gehört auch der traditionsreiche Pflughersteller Rumptstad dazu. Die Lemken-Leute arbeiten derzeit daran, auch diese Produkte in das eigene Programm zu integrieren. Dabei geht es vor allem um die in einigen Märkten sehr beliebten Pflüge, um spezielle Schälpflüge und um Saatbettkombis für die extra flache Bodenbearbeitung. Der Standort bleibt erhalten.

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Hauptfokus der Übernahme ist aber die Hacktechnik. Es handelt sich aktuell um einen regelrechten Trend der Branche. In Ausgabe 6/2018 haben wir bereits über die Ideen von Horsch im Bereich der mechanischen Unkrautbekämpfung berichtet und Ende Oktober gab Amazone bekannt, zum 1.1.2019 den Bereich Hacktechnik von Schmotzer zu übernehmen. Auch bei Amazone baten wir übrigens um einen Termin. Doch die Übernahme war noch so frisch, dass wir uns dazu erst zu einem späteren Zeitpunkt in Gaste treffen werden.

Chemisch und mechanisch

Nicola Lemken möchte das Angebot ihres Unternehmens konsequent in die Richtung der mechanischen Unkrautbekämpfung ausbauen: „Die Verbraucher fordern das von den Landwirten und wir wollen den Praktikern die passende Technik dafür anbieten.“ Anthony van der Ley ergänzt, dass man natürlich weiter Spritzen verkaufen möchte, doch bereits vor einigen Jahren habe man den aufkommenden Trend erkannt und das Geschäftsfeld Crop Care gegründet, das chemischen und mechanischen Pflanzenschutz bündelt. „Und dazu passte Steketee perfekt. Vor allem wegen der hochentwickelten Kameratechnik.“ Die mechanischen Hackwerkzeuge hätte man auch selbst entwickeln können. Aber bis man bei der hochgenauen elektronischen Steuerung auf gleichen Stand gewesen wäre, hätte es mindestens acht Jahre gedauert, schätzt van der Ley.

Nicola Lemken ist überzeugt, dass die Steketee-Kameras langfristig auch auf den Feldspritzen ihres Unternehmens unterwegs sind: „Es geht uns um den immer gezielteren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln.“ Das Team arbeitet daran, dass die Kameras in Zukunft Unkräuter und sogar Krankheiten im Bestand erkennen können und die Spritze dann nur in den befallenen Bereichen gezielt Mittel ausbringt.

Ausgefeilte Kameratechnik

Steketee hatte bereits vor zehn Jahren begonnen, eigene Kameratechnik zu entwickeln. „Alle Patente liegen dort, es gibt keine Abhängigkeiten von Lieferanten – diese Kernkompetenz ist nun in unserem Besitz“, sagt Iljan Schouten. Bei Steketee gehören allein sieben der 50 Mitarbeiter zum Entwicklerteam. Alle kameragesteuerten Steketee-Hacken haben Telemetrie-Systeme an Bord. Das ist ein weiterer Synergieeffekt, denn bisher bietet Lemken noch keine eigene serienreife Technik in diesem Bereich.

Es gibt bei Steketee enge Verbindungen zur Uni in Wageningen. Die niederländische Universität forscht intensiv in den Bereichen Feldrobotik und intelligente Steuerungen von Landmaschinen. Anthony van der Ley sieht künftig einen verschärften Wettbewerb um „Köpfe“ und möchte ein Lemken-Büro auf dem Campus eröffnen, um den Kontakt zu intensivieren.

Steketee setzt bei den Hackmaschinen auf Modulbauweise. Das Programm beinhaltet fünf Rahmenvarianten, drei Hackelemente und verschiedene Werkzeuge wie Gänsefußschar, Flachmesser, Federzinken, Fingerhacken, Rotorstriegel und Randscheiben. Alle Ausführungen gibt es in manueller Ausführung, teils mit Handsteuerung, oder eben mit Kamerasystem. Die 2D-Kamera unterscheidet Farben. Das System „lernt“, welcher Grünton in der Reihe steht und welcher dazwischen. Laut Steketee erkennt die Kamera die Reihen auch bei stärkerer Verunkrautung. In Rüben bspw. steuert die Kamera ab dem Vierblatt-Stadium bis zum Reihenschluss.

Die Hacken gibt es bis 12 m Arbeitsbreite. Wichtige Kenngrößen bei Hacken sind außerdem der mögliche Reihenabstand und der Abstand zur Kultur. Aktuell sind 12,5 cm in Flachs der geringstmögliche Reihenabstand, in Getreide geht es ab 16 cm los. Allerdings arbeitet man gerade auch an einem Prototyp für Blattsalat und Spinat mit 7 cm Reihenabstand.

Das System IC-Light stellte Steketee 2015 vor. Ein bis zwei Kameras steuern die Hacke zwischen den Reihen, die durchschnittliche Arbeitsgeschwindigkeit liegt bei 6 bis 12 km/h. Die Steuerung ließe bis zu 20 km/h zu. Allerdings würde dann zu viel Boden hochgeworfen.

Deutlich aufwendiger ist der IC-Weeder. Das bis zu 6 m breite Gerät erkennt die Einzelpflanze und hackt über pneumatisch gesteuerte Werkzeuge auch in der Reihe zwischen den Pflanzen. Jede Reihe hat eine eigene Kamera. Für gleichmäßige Lichtverhältnisse ist der Arbeitsbereich komplett eingehaust. Die Maschine kann bis zu 4 km/h schnell fahren, je enger die Pflanzen stehen, desto langsamer. Das Topmodell kostet bis zu 150000 € und hat seinen Schwerpunkt im Gemüsebau.

Dicht an der Pflanze

Je dichter eine Hacke ohne Schäden an die jungen Kulturpflanzen herankommt, desto besser. Wenn die Werkzeugkombination 6 cm schmaler als der Reihenabstand ist, bleiben auf beiden Seiten 3 cm „Luft“, das ist das derzeit oft das technisch Machbare. Denn Techniker Lauwrens Struik gibt die Genauigkeit seines Systems mit 2 bis 3 cm an. In der Praxis erreicht das kein GPS-System.

Bis die Kameras Spritzen in Echtzeit steuern können, ist nach Ansicht von Struik noch viel Entwicklungsarbeit notwendig: „Wie viele Kameras brauche ich auf einer Spritze? Wie schnell reagiert das System? Um auch Krankheiten erkennen zu können müssen wir bis in den Bereich ‚Deep Learning’, also zur künstlichen Intelligenz, vordringen.“ Lauwrens Struik ist aber davon überzeugt, dass er dabei von der schnellen Entwicklung zu autonomen Fahrzeugen im Automobilbereich profitieren kann.

Abgesehen von den Rotorstriegeln bietet Steketee bisher keine klassischen Zinken-Striegel. Hier wollen die neuen Eigentümer nachziehen. Weitere „Baustellen“ sind die Schulungen und der Vertrieb. Gerade im Bereich der mechanischen Unkrautbekämpfung ist der Schulungsbedarf hoch.

Weltweiter Vertrieb

Lemken möchte die Steketee-Technik möglichst schnell in sein internationales Vertriebsnetz einbringen. Bisher konnten die Niederländer aus eigener Kraft viele Märkte nicht bedienen. Schwerpunkte der Vertriebsoffensive sollen zunächst Europa inklusive Großbritannien sowie die USA sein. Nicola Lemken ist überzeugt, dass der Trend zum Bioanbau weltweit weiter wächst. Zudem werden Elektronik und vernetzte Daten immer wichtiger. Wie stellt man sich da als Familienunternehmen im Wettbewerb neben den Großkonzernen auf?

Anthony van der Ley ist hier optimistisch und sieht verschiedene Möglichkeiten: „Wir müssen als Unternehmen prüfen, was wir aus eigener Kraft entwickeln können. Oder ist die Übernahme weiterer Spezialisten möglich? Bieten sich vielleicht Kooperationen an“ Letzteres machen die Alpener bereits bei intelligenten, internetfähigen Wetterstationen – ebenfalls mit einem niederländischen Spezialisten. Er ergänzt: „Künftig gehen wir davon aus, dass wir im Geschäftsbereich Crop Care zwischen 50 und 55% des Umsatzes mit Feldspritzen machen werden. Die Hacktechnik liegt dann im Bereich von 35%. Der Rest wird sich vielleicht auf Düngetechnik und spezielle Tools wie Software-Entscheidungshilfen oder die Wetterstationen verteilen.“

Und wann werden die Steketee-Maschinen blau? Einen „harten“ Übergang wird es nicht geben – die roten Kamera-Hacken haben besonders im Gemüseanbau treue Kunden. Doch auf der Agritechnica stehen mit Sicherheit neben den blauen Pflügen und Spritzen auch Hackgeräte in Alpener Firmenfarbe.

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