Anbau und Vermarktung

Ackerbau neu gedacht: Nischen im Pflanzenbau

Silomais, Weizen, Roggen, Raps – das kennt jeder Landwirt. Doch wer auf seinen Flächen Sonderkulturen anbaut, kann interessante Nischen bei der Bewirtschaftung und Vermarktung erschließen.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei f3 - farm. food. future.

Wir haben fünf Landwirte mit Ideen rund um alternative Ackerkulturen und exotischen Pflanzenbau gesammelt. Gemeinsam wissen alle: Der Anbau von Sonderkulturen allein ist nur die halbe Miete. Das Marketing und der Vertrieb dürfen nicht in den Hintergrund rücken.

Tea-Time auf dem Acker

Der gelernte Garten- und Landschaftsbauer Christian Weiß baut gemeinsam mit Weinwirtschafterin Jessica Schönfeld Kräuter an, wo sonst Wein reift: In Ruppertsberg im Kreis Bad Dürkheim in Rheinland-Pfalz. Das Ehepaar veredelt sie seit 2016 eigenhändig zu Tee. Unter dem Namen „Schönfeld“ vermarktet es sie im Online-Shop und über Einzelhändler. Christian sieht eine große Chance im Nischendasein. Er sagt: „Jeder Urproduzent sollte sich Gedanken über seine Nische machen und diese konsequent bedienen.“ Dann müsse man auch nicht Klinkenputzen gehen, sondern werde irgendwann von allein angesprochen.

Haselnuss, öffne dich!

„Ich habe gemerkt, das Geld liegt in der eigenen Marke“, sagt Martin Stiegler. Der Agraringenieur gründete 2013 „Franken Genuss“ in Gonnersdorf in der Nähe von Nürnberg. Er hat sich auf die Verarbeitung und den Vertrieb von Haselnüssen spezialisiert, die er von den eigenen Flächen und von Landwirten aus der Region bezieht. Von der ganzen Nuss bis zum Haselnuss-Salz vermarktet der 28-Jährige ein buntes Portfolio, das er über seinen Hofladen, den Online-Shop oder Partner aus der Gastronomie vermarktet. Der Dauerbrenner ist ein Haselnuss-Nougat-Aufstrich, der als regionale Alternative zum bekannten Ferrero-Produkt gilt.

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Die geernteten Haselnüsse laufen über das Förderband und werden sortiert. (Bildquelle: Schildmann)

Pilzmanufaktur

Nicht auf dem Acker, sondern im Keller wächst die Sonderkultur von Julia und Markus Scharner. Das Ehepaar hat die „Mosberger Pilzmanufaktur“ gegründet. Mit ihren Edelpilzen beliefern die Österreicher den LEH und die Gastronomie. Ein Pesto, mit dem das Paar auch ein haltbares Produkt geschaffen hat, wird online vertrieben. Das Spannende: Für ihren Betrieb reichen 100 m² Platz für den Vollerwerb! Mit der findigen Geschäftsidee sind sie seit zwei Generationen wieder die ersten Betriebsleiter, die vom Ertrag des Hofes in Hanglage mit ein paar Hektar Acker und genauso wenig Wald leben können.

Der Kopf hinter der Knolle

Sönke Strampe baut Bio-Süßkartoffeln in der Lüneburger Heide an. Seine Frau Anna übernimmt das Marketing für das gemeinsame Projekt „Sönkes Süßkartoffel“. Vom ersten Anbautest über die eigene Maschinenentwicklung und die Pflanzensuche macht der Biobetrieb einen wohl klassischen Weg für Produzenten von Sonderkulturen durch. Der Einsatz macht sich jedoch bezahlt: Sönkes Süßkartoffeln liegen in Supermärkten, bei Online-Händlern und werden mittlerweile auch in Suppen und Co. verarbeitet.

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Sönke Strampe baut Süßkartoffeln in der Lüneburger Heide an. (Bildquelle: Schildmann)

Unter Algen

Ist es eine Alternative zum Ackerbau oder zur Tierhaltung? Vielleicht auch beides. Seit rund 20 Jahren wachsen auf dem Betrieb der Familie Cordes im Landkreis Vechta jedenfalls keine Schweine oder Rinder, sondern grüne Einzeller: Die Familie produziert in Gewächshäusern Mikroalgen. Diese verarbeitet das Unternehmen zu regionalem „Superfood“. Dafür hat sie die Marke „Lüttge Alge“ (Plattdeutsch für „Kleine Alge“) und die „Evergreen-Food GmbH“ ins Leben gerufen. Sie erreicht mit einem frechen Marketing und den Möglichkeiten, die ihr das Internet bietet, Zielgruppen, die es sonst eher selten in die Schweinehochburg Vechta zieht.

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