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topplus Düngeverordnung

Aeikens: „Gülle muss attraktiv sein für Ackerbaugebiete“

Um die Härten der Düngeverordnung abzufedern, will das Landwirtschaftsministerium ein Bundesprogramm Nährstoffe aufsetzen. BMEL-Staatssekretär Aeikens hofft auf eine Initialzündung

Lesezeit: 5 Minuten

Was wollen Sie mit dem Bundesprogramm Nährstoffe bezwecken?

Aeikens: Die landwirtschaftlichen Betriebe stehen mit der erneut erforderlichen Anpassung der Düngeverordnung vor großen Herausforderungen. Die Betriebe müssen den Nährstoffbedarf der Pflanzen genau ermitteln, den Stickstoffgehalt der Böden bestimmen und bedarfsgerecht düngen. Sie müssen Abstände zu Gewässern einhalten, organischen Dünger schnell einarbeiten, und all dies auch dokumentieren. Die Betriebe in Regionen mit intensiver Tierhaltung müssen Lösungen finden, wie sie organische Düngemittel in Ackerbauregionen transportieren können. Mit Gülle wird aber viel Wasser transportiert. Hier brauchen wir für die Betriebe umsetzbare Lösungen zur Verarbeitung von Gülle. Die Betriebe müssen nach der Richtlinie zur Reduzierung bestimmter Luftschadstoffe auch die Ammoniakemissionen reduzieren. Wir werden über Modell- und Demonstrationsvorhaben verschiedene Techniken zeigen, wie Lösungen aussehen können. Zudem ist eine Ausweitung der Förderung angedacht.

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Was soll im Bundesgülleprogramm im Einzelnen geregelt werden?

Aeikens: Mit einem Bundesprogramm Nährstoffe werden wir unter anderem die Ermittlung der Nährstoffgehalte von flüssigen Wirtschaftsdüngern während der Entnahme aus dem Lagerbehälter und während der Ausbringung durch das Verfahren der Nahinfrarotspektroskopie erproben; damit wollen wir die Menge der ausgebrachten Nährstoffe genauer bestimmen und die Einhaltung des ermittelten Düngebedarfs sicherstellen. Außerdem wollen wir die Ansäuerung von Gülle mit Schwefelsäure testen, um eine Reduzierung der Ammoniakemissionen in die Luft und zur Steigerung der Düngeeffizienz bei der Gülleausbringung zu erzielen. Dieses Verfahren wird in Dänemark bereits erfolgreich angewendet. Zudem werden wir Vorhaben zur Aufbereitung von Gülle und Gärresten aus Biogasanlagen in einem modellhaften Ansatz an verschiedenen Standorten in Deutschland fördern, um damit Gülle und Gärreste aufgrund des dann niedrigeren Wassergehaltes wirtschaftlicher zu transportieren und die Nährstoffe auch zur Düngung in Ackerbauregionen nutzen zu können.

Welche finanzielle Unterstützung ist vorgesehen?

Aeikens: Geplant ist, Modell- und Demonstrationsvorhaben in verschiedenen Ländern aufzulegen. Eine weitergehende Förderung von Betrieben ist ebenfalls vorgesehen.

Wann kann das Programm starten und für wie lange setzen Sie es an?

Aeikens: Das Programm ist in der Erarbeitung. Im kommenden Jahr sollen erste Maßnahmen auf landwirtschaftlichen Betrieben demonstriert werden.

Welche Mengen an Gülle könnten in Deutschland künftig zwischen Veredelungs- und Ackerbauregionen transportiert werden?

Aeikens: Die Düngung muss gemäß Düngeverordnung bedarfsgerecht erfolgen. Die Menge an Gülle hängt stark von den Überschüssen in den betroffenen Regionen ab. Im Detail kann unser Ministerium zu Mengen keine Aussage treffen. Dazu müssen Sie die betroffenen Länder befragen.

Wie wollen Sie die Ackerbauern vom Wirtschaftsdünger überzeugen?

Aeikens: Reine Ackerbaubetriebe haben Interesse an organischer Substanz, weil Gülle nicht nur Nährstoffe liefert, sondern auch das Bodenleben verbessert wird und die organische Substanz den Humusaufbau verbessert. Die Nährstoff- und Wasserspeicherung wird dadurch verbessert. Ackerbaubetriebe haben auch starkes Interesse an verarbeiteter Gülle, wenn ein Phosphatdünger geliefert werden könnte.

Reicht das aus, um die künftig auflaufenden Güllemengen in den roten Gebieten, die durch die neuen Vorgaben in der Düngeverordnung nicht mehr ausgebracht werden können, aufzufangen?

Aeikens: Das Bundesprogramm soll eine Initialzündung sein. Hier kann sich noch viel entwickeln. Nur wir müssen erst einmal anfangen.

Welche Transportstrecken hat das BMEL im Kopf. Welche Ackerbauregionen haben den meisten Bedarf? Für welche Entfernungen lohnt sich der Transport?

Aeikens: Das wird sicherlich über den Preis entschieden. Außerhalb der Regionen mit Intensiver Tierhaltung gibt es in Deutschland ja Gegenden, wo nur wenig Tiere gehalten werden. Das hat sich historisch so entwickelt. Diese Regionen hätten sicherlich auch Bedarf an organischen Düngemitteln.

Mit welchen Preisen rechnen Sie beim Güllehandel?

Aeikens: Das hängt wiederum vom Markt ab. Gülle muss attraktiv sein für Ackerbaugebiete, dann sollten sich die Preise auf ein akzeptables Niveau einpendeln.

Ein Knackpunkt sind weiterhin hohe rechtliche Hürden beim Bau von Lagerkapazitäten in Ackerbauregionen. Wie wollen Sie dieses Problem lösen?

Aeikens: Die rechtlichen Anforderungen des Bauordnungs- und des Umweltrechts an den Bau von Lagerkapazitäten dienen insbesondere dem Schutz der Umwelt vor Immissionen sowie dem ungewollten Einsickern von Wirtschaftsdüngern in den Boden. Für die Handhabung der Genehmigungsverfahren sind die Behörden vor Ort zuständig.

Welche Handhabe hat der Bund, um Druck auf die Landkreise auszuüben?

Aeikens: Der Bund hat nach der verfassungsmäßigen Ordnung des Grundgesetzes nicht die Aufgabe, auf Landkreise Druck auszuüben. Die kommunalen Gebietskörperschaften haben die Aufgabe, die Gesetze ordnungsgemäß anzuwenden.

Gülle ließe sich per Schiff von den westdeutschen Veredlungshochburgen in die östlicher gelegenen Ackerbauregionen transportieren. Welche Chancen sehen Sie für den Aufbau von Transportlogistik per Binnenschiff?

Aeikens: Transporte organischer Düngemittel erfolgen bereits seit geraumer Zeit per Schiff. Ob sich das rechnet, muss letztlich vor Ort entschieden werden.

Rechnen Sie mit Widerstand aus der Gesellschaft gegen den Transport von Gülle?

Aeikens: Widerstand aus der Gesellschaft ist nicht auszuschließen. Hier muss noch viel Aufklärung betrieben werden.

Die Fragen stellten die top agrar Redakteure Marcus Arden und Stefanie Awater-Esper

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