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Bastard-Raygras: Problem fürs Dauergrünland?

Bauern in Österreich finden immer öfter das Bastard-Raygras im Dauergrünland. Teils ist es schon als alleiniges Futtergras anzutreffen. Was ist zu tun, damit es nicht zum Problemgras wird?

Bastard-Raygras ist als Kreuzungsprodukt aus Englischem und Italienischem Raygras ein schnellwüchsiges Gras mit sehr hohem Ertragspotenzial. Es ist auch in Feldfuttermischungen zu finden. Im Feldfutterbau können die Bestände umgebrochen werden, wenn ein Mischungspartner überhandnimmt. Im Dauergrünland ist dies nicht möglich. Daher ist dieses Raygras im Dauergrünland auch nicht erwünscht.

Leicht zu verwechseln

Das Bastard-Raygras kann mit dem Italienischen Raygras leicht verwechselt werden. In der Regel hat das Bastard-Raygras kürzere Grannen als das Italienische. Im Dauergrünland wird es sich bei begrannten Raygras-Typen meist um das Bastard-Raygras handeln. Das Italienische besitzt eine noch geringere Winterhärte als der Bastard.

Doch was ist das Problem mit dem Bastard-Raygras? Es kann sehr dominant im Bestand werden und überhandnehmen. In der Regel ist es nicht winterhart. Durch die milderen Winter der letzten Jahre winterte es aber nicht mehr „zuverlässig“ aus und konnte sich als Hauptbestandesbildner zum Teil immer stärker durchsetzen. Kommt nun ein strenger oder schneereicher Winter mit über drei Monaten geschlossener Schneedecke, wird es wieder auswintern und diese Bastard-Raygras-dominierten Bestände werden dann sehr lückig aus dem Winter kommen.

Grafik

Am einfachsten können Sie die beiden Gräser im Ährenstadium unterscheiden. Das Englische Raygras ist nicht begrannt. (Bildquelle: top agrar; Quelle: HBLFA Raumberg-Gumpenstein)

Sehr frühreif

Außerdem ist es sehr frühreif und wenig nutzungselastisch. So kommt es vor, dass das Gras beispielsweise vier Wochen nach dem Schnitt bereits wieder die Ähren herausschiebt und genutzt werden sollte, wenn man energie- und proteinreiches Futter ernten möchte. Nach fünf Wochen kann es bereits überständig sein. Zwangsläufig würde dies zu höheren Nutzungsintensitäten mit auch höheren Nährstoffentzügen führen, die aufgrund von gesetzlichen Einschränkungen durch die Düngung oft nicht ausgeglichen werden dürfen.

Darüber hinaus bildet es bei jedem Aufwuchs Blütenstände mit fruchtbaren Samen (dies ist auch der Grund für die Verholzung, weil der Stängelanteil dadurch steigt). Wird zu spät geerntet, kommt es zum Versamen und zu einer natürlichen Nachsaat dieses Grases.

Was kann ich dagegen tun?

  • Verwenden Sie Grünlandsaatgutmischungen bestimmungsgemäß. Setzen Sie keine Feldfuttermischungen bei der Dauergrünland-Nachsaat ein. Säen Sie solche Qualitäts-Nachsaatmischungen für Dauergrünland periodisch nach, um dem Bastard-Raygras Konkurrenz zu bieten und Narbenlücken rasch zu schließen.

  • Vermeiden Sie Narbenverletzungen.

  • Reinigen Sie Erntemaschinen (vor allem Mähwerke), wenn Sie von Bastard-Raygras-betonten Beständen oder Feldfutter kommen, um eine Samenverschleppung zu vermeiden.

  • Eine Neuanlage des Grünlandes kann das Problem mindern. Allerdings wurde auch schon beobachtet, das nach einer Neuanlage das Bastard-Raygras wieder dominant im Bestand vorhanden war – vermutlich aufgrund des hohen Samenpotenzials, welches sich über die Jahre im Boden durch Selbstaussaat aufgebaut hat.


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