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Conviso Smart-Rüben: So vermeiden Sie Resistenzen

Wie schneidet das Conviso Smart-System in Zuckerrüben in der Praxis ab? Und was müssen Sie bei der Herbizidwahl in den Nachfolgekulturen beachten, um keine Resistenzen zu provozieren?

Lesezeit: 7 Minuten

Unsere Autoren: Christian Emsenhuber und Harald Schally, LK Niederösterreich, St. Pölten. Dieser Artikel ist zuerst erschienen in der top agrar Österreich 4/2022.

Seit etwa drei Jahren ist mit „Conviso Smart“ ein neuartiges System für die Unkrautkontrolle in Zuckerrübe auf dem Markt. Dabei kommt bei speziellen herbizidtoleranten Rübensorten das Herbizid „Conviso One“ zum Einsatz.

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Dieses enthält Wirkstoffe, die auch bisher in anderen Kulturen eingesetzt wurden, aber speziell für den Rübenanbau eine Neuheit sind. Das „Know-how“ dazu stammt von den Firmen KWS und Bayer.

Unkrautkontrolle einfacher

Die Unkrautkontrolle soll damit einfacher und zuverlässiger werden. Zu beachten ist aber, dass das Herbizid der Wirkstoffgruppe der ALS-Hemmer (umgangssprachlich Sulfonylharnstoffe oder Wirkstoffgruppe B) zuzuordnen ist. Somit muss bei der Herbizidwahl in den Nachfolgekulturen einiges bedacht werden, um keine Resistenzen hervorzurufen.

Doch zunächst zu den Ergebnissen von Praxisversuchen: In Niederösterreich wurde im Rahmen der Arbeitskreise Ackerbau Conviso Smart mit dem herkömmlichen Verfahren verglichen. Wenn möglich, bauten Arbeitskreismitglieder die neue Sorte „Smart Belamia KWS“ und „Standardrübensorten“ auf dem Betrieb an. Diese Felder wurden dann im Rahmen von Feldbegehungen besucht; bei der Datenauswertung im Winter erfolgte dann eine betriebswirtschaftliche Auswertung.

Die Erfahrungen mit dem System Conviso Smart waren durchwegs positiv. Wachstumsdepression – wie bei den Standardherbiziden üblich – konnten nicht festgestellt werden. Von den Arbeitskreismitgliedern wurden zumeist zweimal 0,5 l Conviso One innerhalb von 14 Tagen im 4-Blattstadium des Leitunkrauts Weißer Gänsefuß eingesetzt.

Lediglich in den neuen Zuckerrübenanbaugebieten wie z.B. im Waldviertel kam man mit einer Conviso One-Anwendung durch (dort fehlten oft noch die typischen Rübenunkräuter). Die Wirkung von Conviso One war im Jahr 2021 grundsätzlich sehr gut. Ergiebige Niederschläge im Monat Mai führten auch zu einer guten Bodenwirkung. Der kühle Mai – im Mittel war er um 2,2°C zu kalt – führte aber zu einer etwas langsamen Wirkung des Herbizids. Oft erst nach etwa zwei Wochen konnte man ein Absterben der Unkräuter beobachten, wobei auch bei kühler Witterung eine zuverlässige Wirkung gegeben war.

Komplette Bodenwirkung

Schwer bekämpfbare Unkräuter wie Amarant, Gänsefuß und Hundspetersilie wurden 2021 gut erfasst. Sogar die Schwächen bei Ehrenpreis und tief verwurzelter Ackerkratzdistel fielen nur selten auf. Scheinbar konnte durch die reichlichen Niederschläge neben der Blattwirkung auch die komplette Bodenwirkung abgerufen werden.

Minderwirkungen von Conviso One konnten zum Beispiel bei Johnsongras und Knollenplatterbse beobachtet werden. Conviso One schädigte zwar den Blattapparat der Platterbse; gegen die auf fast 0,5 m tiefliegende Knolle hatte das Produkt aber keine Chance. Es kam zu einem Neuaustrieb.

Dieser Umstand trifft auch auf viele andere Wurzelunkräuter zu, wenn zum Anwendungszeitpunkt zu wenig Blattmasse vorhanden ist. Das konkurrenzstarke Johnsongras war erst ab Juni im Rübenacker zu sehen. Spritzungen vor diesem Zeitpunkt hatten somit keine Wirkung.

Ist Johnsongras am Rübenacker, machte es durchaus Sinn, bei ausreichend Blattmasse mit einem Gräserherbizid gegenzusteuern. Bei Johnsongras ist mit Gräserherbiziden meist nur mit einer Teilwirkung zu rechnen. Wobei der Wirkstoff Clethodim aus den Produkten Select 240 EC oder Centurion Plus noch die beste Leistung gegen Johnsongras liefert.

Convisorübe und Standardrübe zeigten bei den Arbeitskreisauswertungen vergleichbare Deckungsbeiträge. Die Mehrkosten des Convisosaatgutes wurden durchwegs durch geringere Herbizidkosten kompensiert.

ALS-Hemmer: Resistenzgefahr

Über die Fruchtfolge hinweg sollten nicht mehr als 50% der eingesetzten Herbizide ausschließlich auf ALS-Hemmern basieren. Deshalb sollte die Frucht- und Herbizidabfolge auf einen sinnvollen Wirkstoffwechsel abgestimmt werden. Die herkömmliche Rübe ist hinsichtlich Resistenzmanagement und Wirkstoffwechsel eine sehr wertvolle Kultur.

Wird in die Fruchtfolge auch Convisorübe angebaut, so ist aber umso mehr auf das Resistenzmanagement zu achten. In Nieder- und Oberösterreich gibt es bereits erste Verdachtsfälle von ALS-resistenten Amarantpflanzen. Ähnliches wird auch von resistentem Gänsefuß berichtet. Mit Resistenzen ist nicht zu spaßen, da sie langfristig die Bekämpfungskosten massiv anheben und bis zum Ausfall gewisser Kulturen führen können.

Wegen der erhöhten Resistenzgefahr muss beim Anbau von Convisorüben auch die Herbizidstrategie in anderen Kulturen mitbedacht werden. Ideal wäre es, vor oder nach der Convisorübe gänzlich auf ALS-Hemmer zu verzichten. Ist dies nicht möglich, sollten Produkte gewählt werden, bei denen ALS-Hemmer zumindest in Kombination mit anderen Wirkmechanismen, z.B. Wuchsstoffen, und andere Alternativwirkstoffe enthalten sind.

Beim Mais gibt es nach wie vor eine breite Auswahl an alternativen Wirkstoffen. Gerade beim Getreide gibt es für den Frühjahrseinsatz aber nur eine kleine Auswahl an ALS-Hemmer-freien Produkten. Eine Alternative ist der Einsatz von Wuchsstoffen oder wuchsstoffähnlichen Wirkstoffen, jedoch zumindest die Kombinationen aus diesen Wirkstoffen mit ALS-Hemmern.

Empfehlungen für Österreich

Reine Wuchsstoffprodukte wären Ariane C, Aniten Super, Gentis, Pixxaro EC, Tomigan XL oder Duplosan Super. Kombinationsprodukte wären z.B. Arrat, Croupier OD, Omnera LQM oder Zypar (Achtung: Das gilt für Österreich!). Besonders sinnvoll wäre es, beim Getreide vermehrt auf einen Herbizideinsatz im Herbst zu setzen, da hier zumeist andere Wirkmechanismen zur Verfügung stehen im Vergleich zu jenen im Frühjahr.

Sofern in der Fruchtfolge auch Sojabohnen oder Sonnenblumen vorkommen, sind bei einem ALS-Hemmerüberhang die Vorauflaufherbizide den blattaktiven Herbiziden wie Express SX, Pulsar Plus oder Harmony SX vorzuziehen.

Ob ein Herbizid zu den ALS-Hemmern gehört, kann im LK Feldbauratgeber nachgeschlagen werden. In der Spalte „Wirkungsmechanismus“ werden hierfür die Wirkungsgruppen mit Buchstaben eingeteilt. ALS-Hemmer werden der Wirkstoffgruppe B zugeordnet. Für ein wirksames Resistenzmanagement sollten sich die Wirkstoffgruppen und Wirkmechanismen über die Fruchtfolge hinweg gut abwechseln.

Schosserrüben bekämpfen!

Die herkömmlichen Rübensorten reagieren sehr sensibel auf diverse Herbizide aus anderen Kulturen. In Getreide, Mais, Soja oder Sonnenblume wurden Schosser- oder Durchwuchsrüben somit bisher gut unterdrückt. Durchwuchsrüben von Convisosorten sind mit ALS-Hemmern nicht bekämpfbar. Deshalb wird in anderen Kulturen eine gezielte Bekämpfung notwendig, um den Aufbau eines Samenvorrates im Boden zu vermeiden.

Durchwuchsrüben könnten somit in Zukunft nicht nur in Zuckerrübe, sondern auch in anderen Kulturen ein lästiges „Unkraut“ werden. Da zumeist Getreide auf die Zuckerrübe folgt, sollte gezielt ein Wuchsstoffeinsatz, z.B. Dicopur M oder Tomigan 200, spätestens zum Fahnenblattstadium bei ausreichend Rübenblattmasse zum klassischen Distelbekämpfungstermin eingeplant werden.

Diese Durchwuchsrüben können sowohl von Rübensamen im Boden als auch von am Feld verbliebenen Rübenkörpern oder -köpfen stammen. Das Schosserrübenbereinigen in den Rübenbeständen sollte auch bei Conviso Rüben konsequent durchgeführt werden.

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Neue Wege in der Unkrautbekämpfung

Das System Conviso Smart ermöglicht neue Wege bei der Unkrautbekämpfung. Durch den Anbau einer ALS-toleranten Rübensorte können Herbizide bestehend aus Sulfonylharnstoffen problemlos verwendet werden. Diese Herbizidgruppe zeichnet sich durch eine breite und witterungsunabhängigere Wirkung aus. Auch werden nur geringe Wirkstoffmengen benötigt.

In Österreich wurden letztes Jahr durchweg Convisorüben der Firma KWS angebaut (wie z. B. „Smart Belamia KWS“ und „Smart Manja KWS“). Andere Firmen sind jedoch auch drauf und dran, entsprechendes Sortenmaterial auf den Markt zu bringen.

Das dazu passende Herbizid Conviso One besteht aus den beiden Wirkstoffen Foramsulfuron (enthalten in Monsoon) und Thiencarbazon (enthalten in Adengo). Beide Wirkstoffe finden sich auch im Maisherbizid MaisTer Power wieder. Conviso One wirkt gegen eine Vielzahl von ein- und zweikeimblättrigen Unkräutern. Schwächen bestehen zum Beispiel gegenüber Ehrenpreis und Wurzelunkräutern. Der Wirkstoff Foramsulfuron weist eine vorwiegende Blattwirkung auf; der Wirkstoff Thiencarbazon hat neben der Blatt- auch eine gute Bodenwirkung. Für eine zuverlässige Bodenwirkung sind natürlich entsprechende Niederschläge notwendig. Ist dies der Fall, reichen meist zwei Applikationen von Conviso One bis zum Reihenschluss der Rübe.

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