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topplus Die Zwerge kommen

Sind standfeste Zwerghybriden die Zukunft im Roggenanbau?

Mit standfesten Zwerghybriden soll es gelingen, auf Wachstumsregler zu verzichten und den Roggenanbau insgesamt noch nachhaltiger zu machen. Erste Sortenzulassungen soll es 2025 geben.

Lesezeit: 5 Minuten

Häufigere Extremwetterlagen mit Starkregen und Stürmen rücken das Merkmal Standfestigkeit bei Getreide und insbesondere bei Roggen zunehmend in den Mittelpunkt. Obwohl Hybrid- im Vergleich zu Populationsroggen schon deutlich kürzer ist, zählt der Einsatz von Wachstumsreglern oft zum Standard. Allerdings erfordern diese Maßnahmen in Roggen viel Fingerspitzengefühl –  denn der zusätzliche Pflanzenstress kann auch Mindererträge zur Folge haben.

Schnell gelesen

Einige Züchter beschäftigen sich ­zurzeit mit dem Thema Zwerghybride – diese sind im Vergleich zu Normalstrohsorten viel kürzer und sehr standfest.

Die Zwerge sollen ähnliche Erträge wie herkömmliche Hybridroggensorten erreichen – ein Einsatz von Halmverkürzern soll nicht erforderlich sein.

Wegen des kurzen Wuchses könnte der Krankheitsdruck etwas höher sein.

Der Drusch kann schneller und kostengünstiger erfolgen, weil weniger Masse durch den Mähdrescher muss.

Der CO2-Fußabdruck der Zwerge ist laut Julius Kühn-Institut sehr gering.

Das ohnehin schon kniffelige Wachstumsreglerthema trifft auf den europäischen Willen, generell den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel zu reduzieren – laut Green Deal um 50 % bis zum Jahr 2030. Speziell weniger bzw. kein Wachstumsreglereinsatz wünschen sich einige Verarbeiter, wie z. B. Knäckebrothersteller.

Zwerghybriden benötigen keine Wachstumsregler

Grund genug, dass sich Zuchtunternehmen mit dem Thema „Zwerghybriden“ beschäftigen. Ihr größter Vorteil soll sein, dass man beim Anbau auf eine chemische Wachstumsregulation verzichten kann. Erste Sorten will z. B. die KWS voraussichtlich ab 2025 anbieten.

Wir haben Dr. Jakob Eifler, Roggenzüchter bei KWS, gefragt, welche Vorteile Zwerghybriden seiner Ansicht nach mit sich bringen und was sie in puncto Nachhaltigkeit bringen können. Zusätzlich haben wir eine erste Einschätzung von einem Berater eingeholt.

„Die neuen Zwerghybriden, die in Deutschland zurzeit im zweiten Wertprüfungsjahr stehen, sind kürzer als herkömmliche Hybriden und haben eine länger aufrecht stehende Ähre“, erklärt Eifler. „Die Bestände sind dadurch sehr standfest und gleichmäßig – fast schon weizenartig.“ Nach seiner Einschätzung ist ein Wachstumsreglereinsatz auch auf guten Böden und bei hohen Stickstoffgaben nicht erforderlich.

Generell ist der Verzicht auf Halmverkürzer – neben der Kosteneinsparung – auch aus dem Grund vorteilhaft, dass dann keine Mindererträge mehr durch die Anwendung entstehen können. „Interne Versuche zeigen, dass je nach Kürzungsstärke 2 bis 7 % Ertragsverlust bei Normalstrohhybriden auftreten können“, so der Züchter.

Folgt auf den Einsatz z. B. eine Trockenphase, erhöht sich die wuchsregulierende Wirkung stark – höhere Ertragsverluste und Zwiewuchs sind die Folgen. Wirkt der Wachstumsregler dagegen witterungsbedingt schlecht, droht Lager. 

Welche Erträge ­erzielen ­die Zwerge?

Entscheidend ist natürlich, dass die neuen Zwerghybriden mit den gängigen Hybridsorten ertraglich mithalten können. „Generell assimiliert Roggen viel über den Stängel – wichtig ist es daher, dass die Zwerge trotz ihres kürzeren Wuchses eine hohe Assimilationsrate erreichen, damit der Ertrag passt“, so Gerrit Hogrefe von der N.U. Agrar GmbH.

Bei den neuen Zwerghybridsorten – so Züchter Eifler – tragen die Blätter wegen des kürzeren Halms verstärkt zur Ertragsbildung bei. „Untersuchungen zeigen zudem, dass beim Zwergroggen nur das Sprosswachstum gestaucht ist, nicht aber die Länge der Ähren und auch nicht das Wurzelwachstum“, sagt er. „Der Harvest-Index – also das Verhältnis von geernteten zu nicht geernteten Pflanzenteilen – ist ähnlich wie beim Weizen. Insgesamt zeigen erste interne Versuche, dass die Erträge in etwa auf dem Niveau von KWS Tayo liegen und daher mit gängigen Hybridsorten mithalten können.“

Zurzeit befinden sich die ersten Zwerghybridsorten in Deutschland im zweiten Wertprüfungsjahr. In den unabhängigen Landessortenversuchen müssen sie in den kommenden Jahren ihr Können in den unterschiedlichen Regionen unter Beweis stellen.

Gibt es Unterschiede bei der Krankheitsanfälligkeit?

Weil die Blätter als Assimilationsfläche bei den Zwerghybriden noch wichtiger sind als bei den anderen Hybriden, sollte man besonderes Augenmerk auf deren Gesunderhaltung legen. „Die Zwergroggensorten sind zwar breit mit Resistenzgenen ausgestattet, allerdings sind ihre Ähren dichter am Boden und die Blätter sind kompakter beisammen“, so Jakob Eifler. Wegen des dadurch feuchteren Mikroklimas und durch die Bodennähe ist ein erhöhter Krankheitsdruck bei den Zwergen möglich.

Generell ist Roggen im Vergleich zu den anderen Getreidearten aber recht gesund. Ein höheres Schadpotenzial hat Braunrost, mit etwas Abstand folgt Rhynchosporium. Beide Erreger lassen sich laut der LWK Niedersachsen mit der derzeit zugelassenen Mittelpalette sicher kontrollieren.

„Weil unsere Zwerge PollenPLUS®-Hybride sind, erwarten wir hinsichtlich der Toleranz gegenüber Mutterkorn eine Einstufung des Bundessortenamtes von APS 3 bis 4“, sagt Eifler.

Schnellerer Drusch

Weil weniger Stroh durch den Mähdrescher muss, kann die Ernte von Zwerghybriden schneller und kostengünstiger erfolgen (weniger Diesel). „Zudem fallen weniger Erntereste bzw. zähes Stroh an, das später Probleme bereiten könnte“, ergänzt Berater Hogrefe.

Wie wichtig dieser Aspekt ist, zeigt Folgendes: Gelangt zu viel Stroh evtl. sogar schlecht verteilt auf den Acker, können Strohmatten entstehen. Wächst die Wurzel eines neuen Keimlings dort hinein, ist die Durchwurzelung des Unterbodens nahezu ausgeschlossen.

Wissenswertes für den Anbau

Die Zwerghybride passen laut Züchter Jakob Eifler neben den klassischen Roggenstandorten vor allem auch auf bessere, schwerere Flächen. Bis auf den nicht erforderlichen Wachstumsreglereinsatz ist der Anbau mit Normalstrohhybriden in vielen Punkten vergleichbar:

  • Die Saat sollte in ein gut abgesetzes Saatbeet erfolgen (Saattiefe 2 bis 3 cm, 170 bis 250 Körner/m2).

  • Wie andere Roggenhybride auch, sind die Zwerge wasser- und nährstoffeffizient.

  • Die Bestockungsleistung ist ebenfalls vergleichbar – in puncto Unkrautunterdrückung kann Zwergroggen aber den Unkräutern nicht „davonwachsen“.

  • Auf einen Befall mit Krankheiten sollte man Zwergroggen etwas intensiver kontrollieren.

Ausblick

Der Klimawandel und politische Rahmenbedingungen machen Zwergroggen interessant. Weil man bei Zwerghybriden auf Wachstumsregler verzichten kann und sie homogen wachsen, vereinfacht sich der Anbau. Da sie im Vergleich zu allen anderen Getreidearten laut dem Julius Kühn-Institut den niedrigsten CO2-Fußabdruck hinterlassen, sind sie zudem nachhaltiger.

Nach eigenen Angaben erwartet die KWS im Jahr 2025 eine Zulassung von ein bis zwei Sorten auf EU-Ebene und 2026 in Deutschland. Informationen zum Saatgutpreis liegen noch nicht vor. Generell ist die Sortenentwicklung laut Jakob Eifler wegen des Einbaus des Zwergmerkmals aber zeit- und kostenaufwändiger als bei den Normalstrohhybriden.

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