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Wie die Gesamtstrategie aussieht, hängt auch davon ab, ob der Einsatz von Folpan möglich ist oder nicht.

Lesezeit: 6 Minuten

Unser Autor: Hermann Hanhart, Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen

Mit Blattbehandlungen in der Phase EC 31 bis 34 soll ein vorzeitiger Befallsaufbau der Krankheiten verhindert werden. Richten Sie die Intensität dieser Anwendung am Ausgangsbefall und den Infektionsmöglichkeiten aufgrund der Witterung aus. In absolut sauberen Beständen kann man auf eine frühe Blattbehandlung verzichten. Dann beschränkt sich die erste Maßnahme auf den alleinigen Einsatz von Wachstumsreglern.

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Blattbehandlung – nur wenns erforderlich ist

Wenn Blattbehandlungen notwendig sind, ist es wichtig, bereits zur ersten Maßnahme die Gesamtstrategie zu planen. Optimalerweise sollte ein Wirkstoffwechsel stattfinden. Das heißt: Verwenden Sie Prothioconazol, Cyprodinil und Pyraclostrobin nur einmal in der Gesamtstrategie! Welche Strategie am besten ist, hängt vom Krankheitsdruck ab.

Falls – wie in 2021 – nahezu nur Zwergrost vorkommt, können Sie preisgünstig mit Orius arbeiten. Auch Kayak ist sehr kostengünstig. Es wirkt gut gegen Netzflecken sowie Halmbruch und weist eine Nebenwirkung gegen Mehltau auf, ist aber schwach auf Zwergrost. In den letzten Jahren ist es daher sinnvoll gewesen, bei vorhandenem Zwergrost dem Kayak noch 0,4 l/ha Orius zuzumischen.

Prothioconazol-Produkte sind unbedingt notwendig, wenn Rhynchosporium kontrolliert werden muss. Zusätzlich bringt Prothio eine Zusatzwirkung gegen spät auftretende Ramularia, oft mit einer Wirkungsverbesserung um 10%. In süddeutschen Regionen dürfte auch eine Verschiebung der ersten Blattbehandlung mit Prothioconazol in die späte Schossphase, etwa um EC 34, mit einer späten Nachlage um EC 61 eine bessere Gesamt-Ramulariawirkung bringen. Doppelanwendungen mit Revysolprodukten halten wir momentan aus Resistenzgründen nicht für sinnvoll.

In Gerste ist Mehltau einfach zu bekämpfen und tritt oft nur unterschwellig auf, vor allem auf leichten Standorten. Nur wenn Mehltau mit starkem Druck vorkommt, ist Input Triple mit lang anhaltender Dauerwirkung die erste Wahl. Kombinationen aus Unix + Pecari oder Input Classic sind gegen geringen bis mittleren Mehltau gut wirksam. Zusätzlich bringen sie noch sehr gute Wirkungsgrade gegen Halmbruch.

Richten Sie die Aufwandmengen generell am Befallsdruck aus. Höhere Mengen als in Übersicht oben genannt, sind in der Regel aber nicht wirtschaftlich.

Den Abschluss optimal setzen

Die Abschlussbehandlung ist die wichtigste Maßnahme in Wintergerste. Hiermit soll ein stärkerer Krankheitsdruck durch Zwergrost, Netzflecken und selten auch Rhynchosporium bis zum Ende der Milchreife weitestgehend verhindert werden.

Generell wirkt sich warme, feuchte Witterung ab Anfang Mai befallsfördernd aus. Zusätzlich kann dann Ramularia auftreten. Leider lässt sich zum Termin der Abschlussbehandlung der tatsächliche Befallsdruck nicht einschätzen. Insgesamt ist Starkbefall mit hohen Ertragsverlusten um 15 dt/ha z.B. in NRW selten.

Oft tritt Ramularia in Nord- und Ostdeutschland 5 bis 10 Tage vor der Gelbreife auf und führt zu Mindererträgen um 5 dt/ha. Da Ramularia seit Jahren aber in vielen Regionen zu den wichtigsten Krankheiten zählt, sollte die Abschlussbehandlung auch gegen den Pilz wirksam sein.

In süddeutschen Regionen tritt Ramularia auch wegen des weit verbreiteten Anbaus von zweizeiligen Gerstensorten öfter auf. Die Firmen haben in diesem Jahr wieder einen Notfallantrag für Folpan 500 SC bzw. für Amistar Max gestellt. Vermutlich wird für die süddeutschen Bundesländer wieder eine Genehmigung erteilt, sodass in den Regionen unterschiedliche Fungizidkombinationen zum Einsatz kommen werden. Die Empfehlungen in Übersicht 5 unterscheiden sich deshalb zwischen Möglichkeiten mit und ohne Folpan 500 SC.

Hinweis: Der Wirkstoff Prothioconazol ist mittlerweile in über 34 Produkten zugelassen und wird über ca. 15 unterschiedliche Produktnamen am Markt angeboten. In letztjährigen Versuchen haben wir sechs verschiedene Produkte auf eventuelle Unterschiede in Gerste und Weizen überprüft. Das Ergebnis: Weder bei den Wirkungsgraden noch in der Ertragsleistung ließen sich gravierende Unterschiede feststellen.

Dementsprechend empfehlen wir alle Prothioconazol-haltigen Solo-Produkte gleichberechtigt. In den Übersichten führen wir daher die empfohlene Aufwandmenge in g/ha auf. So entsprechen z.B. 150 g/ha Prothio einer Aufwandmenge von 0,6 l/ha Abran, Proline, Protendo 250 EC, Tokyo und von vielen weiteren Produkten. Neben den 250er-Produkten bietet der Handel aber auch wenige mit 300 g/l Prothioconazol an, wie z.B. Patel, Pecari, Protendo 300 EC und Procer 300 EC. Darüber hinaus ist es wichtig, die zum Teil unterschiedliche Zulassung mit verschiedenen Indikationen zu beachten.

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Ramularia

Hinweise zum Einsatz von Folpan

Situation 1: Ist ein Folpan-Einsatz möglich (falls Notfallgenehmigung erteilt wird), gilt Folgendes: Wo man alljährlich im Süden mit stärkerem Ramulariadruck rechnen muss, dürfte eine Doppelbehandlung sinnvoll sein. Dabei lassen sich sogar die Leitlinien eines guten Resistenzmanagements mit Wirkstoffwechsel einhalten.

Nach einer Vorlage mit Prothioconazol kann man zur Abschlussbehandlung Balaya oder Revytrex mit 1,5 l je ha Folpan oder 1,5 l/ha Amistar Max kombinieren. Zur optimalen Kontrolle von Ramularia sollte die erste Behandlung nicht zu früh, etwa um EC 33 bis 37, mit mindestens 150 g/ha Prothio erfolgen. Danach folgt die späte Abschlussbehandlung um EC 59 mit voller Aufwandmenge von Balaya + Folpan. Wenn zusätzlich Netzflecken vorkommen, ist Revytrex + Comet anstelle von Balaya etwas besser wirksam.

Ascra Xpro + Folpan hat Vorteile, wenn bei später Anwendung kurz vor der Blüte Fusariumgefahr herrscht. Das kann der Fall sein, wenn Gerste pfluglos nach Mais angebaut wird, oder die Gerste bei kühl-feuchter Witterung sehr lange blüht. In 2016 entwickelten sich unter solchen Bedingungen in Sachsen hohe Toxinwerte. Fusarium culmorum hat dann eine größere Bedeutung, weil die Infektionsbedingungen bei kühler Witterung (um 12°C) optimal sind. Wer Ascra Xpro oder andere Fungizide mit Prothioconazol zur Abschlussbehandlung einsetzen will, sollte für die späte Vorbehandlung den Einsatz von Balaya mit mindestens 1,0 l/ha zu EC 34/37 favorisieren.

Mit beiden Strategien dürfte eine maximale Ramulariakontrolle möglich werden. Weil die Ramulariawirkung von Folpan 500 SC im Soloeinsatz nicht befriedigend ist, werden immer Kombinationen mit breit wirksamen Fungiziden empfohlen.

Im Norden wohl ohne Folpan

Situation 2: Sollte Folpan nicht zur Verfügung stehen, wird die Kontrolle von Ramularia schwierig. Voraussichtlich wird man in NRW, Niedersachsen und in Ostdeutschland auf Folpan verzichten müssen. In Schleswig-Holstein kommt Ramularia seltener vor und wenn, mit geringerer Befallsstärke. Die sicherste Wirkung gegen Ramularia ist mit einem doppelten Einsatz von Prothioconazol zu erreichen. Nach einer Blattbehandlung mit Prothio-Produkten sollte man dann vorzugsweise 1,25 l/ha Balaya + 150 g/ha Prothio oder 1,2 l/ha Revytrex + 0,4 Comet + 125 g/ha Prothio einsetzen. Eine gutes Resistenzmanagement lässt sich mit dieser Strategie aber nicht mehr einhalten.

Alle anderen Alternativen wirken schlechter auf Ramularia und sollten nur dort zum Einsatz kommen, wo die Krankheit keine oder nur eine geringere Rolle spielt. Meistens ist auf trockenen Standorten ohne hohe Kapillarwirkung – vorzugsweise auf Sandböden – das Infektionsrisiko geringer. In diesen Fällen können Sie z.B. Reyvtrex + Comet oder aber Prothio-Carboxamid-Kombinationen wie Ascra Xpro oder Elatus Era wählen. Durch Aufmischen mit Prothio-Produkten auf maximal 200 g/ha Prothioconazol lässt sich die Wirkung auf Ramularia noch verbessern.

Alternativ zur Prothiozumischung können Sie auch flüssige Schwefelprodukte wie z.B. Thiopron oder Lebosol Schwefel 800 SC mit mindestens 4,0 l/ha hinzufügen. Bei guter Ertragsleistung erreicht man damit oft eine leicht bessere Ramulariakontrolle. Mischungsprobleme lassen sich zwar nicht ausschließen, sind aber bei flüssigen Produkten geringer als mit festem Netzschwefel. Wenn noch Ethephon zur Halmstabilisierung zugesetzt wird, empfiehlt es sich, die Mischbarkeit vorher in einem Eimer zu prüfen.

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