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EU-Staaten für neue Regeln bei Endokrinen Disruptoren in Pestiziden und Bioziden

Die EU hat am Dienstag einen wichtigen Schritt hin zu einem europäischen Regelungsrahmen zur Bestimmung endokriner Disruptoren im Zusammenhang mit Pflanzenschutzmitteln und Biozidprodukten gemacht. Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten einigten sich auf einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission.

Lesezeit: 4 Minuten

Die EU hat am Dienstag einen wichtigen Schritt hin zu einem europäischen Regelungsrahmen zur Bestimmung endokriner Disruptoren im Zusammenhang mit Pflanzenschutzmitteln und Biozidprodukten gemacht. Vertreter der EU-Mitgliedsstaaten einigten sich auf einen entsprechenden Vorschlag der EU-Kommission.


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Endokrine Disruptoren sind sowohl natürlich vorkommende als auch chemische Stoffe, die die Funktion des Hormonsystems stören und dadurch schädigende Wirkung bei Menschen oder Tieren hervorrufen können.  Der zuständige EU-Gesundheitskommissar Vytenis Andiukaitis begrüßte die Abstimmung und rief zu einer zügigen Annahme der neuen Regeln durch Europäisches Parlament und Rat auf.


Nach Verabschiedung der Vorschläge wird der Regelungsrahmen der EU der erste weltweit sein, in dem wissenschaftliche Kriterien für endokrine Disruptoren rechtlich verankert sind. Künftig soll bei der Identifizierung von endokrinen Disruptoren ein solider wissenschaftsgestützten Ansatz zugrunde gelegt und der Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gefolgt werden.


EU-Kommissar Vytenis Andiukaitis , zuständig für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, sagte: „Die Abstimmung ist ein großer Erfolg. Sobald die Regelung umgesetzt wird, kann sichergestellt werden, dass jeder Inhaltsstoff in Pestiziden, der als endokriner Disruptor für Menschen und Tiere identifiziert wird, geprüft und vom Markt genommen werden kann. Wir zählen jetzt auf die Unterstützung des Europäischen Parlaments und des Rates, um eine reibungslose Annahme und das Inkrafttreten der Kriterien zu gewährleisten."


Der Regelungsrahmen zu den neuen Kriterien umfasst die Definition der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Sie definiert einen Stoff als endokrinen Disruptor, wenn:


- er schädigende Wirkung für die menschliche Gesundheit hat,

- er eine endokrine Wirkungsweise aufweist,

- wenn eine Kausalbeziehung zwischen der schädigenden Wirkung und der endokrinen Wirkungsweise besteht.


Das neue Regelwerk wird als Sprungbrett für weitere Maßnahmen zum Schutz von Gesundheit und Umwelt dienen und es der Kommission ermöglichen, eine neue Strategie gegen die Belastung mit endokrinen Disruptoren abseits von Pestiziden und Bioziden zu erarbeiten. So sind zum Beispiel Regelungen für Spielzeug, Kosmetika und Lebensmittelverpackungen geplant. Um noch mehr über die Wirkungsweise von endokrinen Disruptoren zu erfahren, werden 2018 im Zuge des Programms Horizon 2020 rund zehn  Forschungsprojekte mit einem Budget von 50 Millionen Euro unterstützt.


IVA befürchtet Verlust wichtiger Wirkstoffe


Die beschlossenen Kriterien für endokrine Disruptoren werden nach Auffassung des Industrieverbands Agrar (IVA) in der Praxis keine verlässliche Unterscheidung in regulierungsbedürftige und harmlose Stoffe leisten. Es sei zu befürchten, dass nun abermals viele bewährte Pflanzenschutz-Wirkstoffe verloren gehen.


"Die Pflanzenschutz-Industrie hat wiederholt darauf hingewiesen, dass die wenig spezifischen WHO-Kriterien für eine wissenschaftsbasierte Regulierung - die das EU-Pflanzenschutzrecht vorschreibt - untauglich sind. Dafür hätten Aspekten wie Exposition und Wirkstärke eines Stoffes berücksichtigt werden müssen. Nach den jetzt beschlossenen Kriterien aber wäre selbst ein alltägliches Genussmittel wie Kaffee als Pflanzenschutz-Wirkstoff nicht genehmigungsfähig", erklärte IVA-Hauptgeschäftsführer Dietrich Pradt: "Es ist jetzt an den Regulierungsbehörden, die verkorksten Kriterien so handhabbar zu machen, dass Landwirte ihre Ernte vor tatsächlich gefährlichen Stoffen weiter schützen können."


Häusling: "Beispiellose Lobbykampagne"


„Die große Mehrheit der Mitgliedstaaten hat es versäumt ihrer Verantwortung für den Schutz von Gesundheit und Umwelt gerecht zu werden", kritisiert unterdessen Martin Häusling, agrar- und umweltpolitischer Sprecher der Grünen/EFA-Fraktion im Europäischen Parlament. Er hält es für peinlich, dass es nach mehr als sieben Jahren des Wartens immer noch keine angemessenen Kriterien zur Identifikation dieser gesundheitsschädigenden Substanzen gebe.


"In einer beispiellosen Lobbykampagne ist es der chemischen und agrochemischen Industrie gelungen, massiv Einfluss auf die Politik zu nehmen und festzulegen, wie viel der Schutz unserer Gesundheit und Umwelt die Wirtschaft kosten darf", so Häusling weiter.


Anstatt mit bereits festgelegten Definitionen zu arbeiten, habe die EU-Kommission versucht das Rad neu zu erfinden. "Anstatt mehr Klarheit zu schaffen, hat sie so weitere Unsicherheiten und Kontroversen kreiert. Mit diesem Vorgehen geht die EU-Kommission weit über ihr Mandat hinaus - es ist sehr frustrierend, dass die Mitgliedsstaaten dies unterstützen."


Laut Häusling ist es ohne angemessene und wissenschaftliche Kriterien nicht möglich, die entsprechenden Maßnahmen zu ergreifen, um den durch die Schadstoffe verursachten Schaden zu reduzieren. Er kündigte an, die Grünen würden nun alles dafür tun, die im Europäischen Parlament benötigte Mehrheit zu bekommen, um den festgelegten Kriterien zu widersprechen.

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