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Fungizide: Weniger Wirkstoffe, mehr Lücken?

Die Wirkstoffvielfalt bei Getreidefungiziden geht zu Ende. Betroffen sind nach 2019 etliche Mittel. Einziger Lichtblick: Zur kommenden Saison gibt es einige neue Mittel und Packs.

Lesezeit: 10 Minuten

Für viele Wirkstoffe steht eine Neubewertung an, weil die sogenannte Annex I-Genehmigung ausläuft (siehe Kasten). Die neuen Ausschlusskriterien – die Cut-off-Kriterien – werden vor allem wegen des Parameters „Wirkung auf den Hormonhaushalt“ für viele Mittel dramatische Folgen haben. Wenn für einen Wirkstoff eindeutig Cut-off-Kriterien zutreffen, wird der Zulassungsinhaber zum Annex I-Termin oder mit Ablauf der nationalen Zulassung keinen Antrag auf Wiederzulassung stellen.

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Unmittelbar davon betroffen sind zur Saison 2019 Cyproconazol und Propiconazol. Für das Mittel Alto (Cyproconazol) endet die nationale Zulassung am 31.12.2018. Der Wirkstoffinhaber hat keinen Antrag auf Neuzulassung gestellt. Das bedeutet: Der Handel darf das Produkt noch bis zum 30.06.2019 verkaufen, und der Landwirt (Anwender) es bis zum 30.06.2020 einsetzen. Spätestens am 31.05.2021 läuft für alle Produkte, die Cyproconazol enthalten, die Zulassung aus.

Auch für Propiconazol ist die Zeit um. Den Antrag auf Wiederzulassung hat die EU auf Grund von Cut-off-Kriterien abgelehnt. Vorläufig hat man eine Abverkaufsfrist bis zum 31.05.2019 und eine Aufbrauchfrist bis zum 29.02.2020 festgelegt, eventuell verlängern sich die Fristen aber noch.

Betroffen sind neben Mitteln, die den Wirkstoff enthalten, auch solche, die ihn als Mischpartner nutzen. Im Klartext heißt das: Achat, Bolt XL, Desmel, Tilt 250EC, Agent, Cirkon, Gladio und Taspa können Sie in der kommenden Saison zwar noch verwenden. Ob dies aber auch noch in 2020 möglich sein wird, entscheidet sich in den kommenden Monaten.

Die nächsten Kandidaten sind Fenpropimorph und Epoxiconazol. Für diese wird die nationale und/oder europäische Zulassung in 2019 enden. Als Landwirt dürfen Sie Mittel mit diesen Wirkstoffen aber noch in der Saison 2020 einsetzen. Auch Tebuconazol wird bald betroffen sein. Weitere Wirkstoffe könnten folgen.

Neue Produkte

Zur Saison 2019 gibt es aber auch neue Produkte. Gigant ist eine neue Carboxamid-Kombination aus Isopyrazam (125 g/l) plus Prothioconazol (150 g/l). Es ist mit 1,0 l/ha bei maximal einer Anwendung von EC 31 bis 61 wie folgt zugelassen:

  • in Weizen gegen Mehltau, Septoria tritici, Septoria nodorum, Gelb- und Braunrost sowie Fusarium-Arten (gegen Fusarien von EC 61 bis 69),
  • in Gerste gegen Mehltau, Netzflecken, Rhynchosporium und Zwergrost,
  • in Roggen nur gegen Rhynchosporium und Braunrost und
  • in Triticale gegen Mehltau, Braunrost und Septoria-Arten.

Die Umweltauflagen sind günstig. Gigant hat keine Hang- und NT-Auflagen. Zu Gewässern ist bei 90%-abdriftmindernden Düsen lediglich der länderspezifische Mindestabstand einzuhalten.

Das Isopyrazam wirkt gegen Septoria tritici fast ausschließlich vorbeugend. Kombiniert mit Prothioconazol verbessern sich allerdings die Breiten- (auch gegen Halmbruch) und Kurativwirkung erheblich. In Versuchen mit geringem bis mittlerem Krankheitsdruck zeigte es in diesem Jahr vergleichbare Ergebnisse wie andere Carboxamide.

Empfehlung: Gigant sollte in erster Linie in Weizen gegen Septoria zum Einsatz kommen. Das gilt uneingeschränkt in Situationen mit bis zu mittlerem Befall. Falls aber eine maximale Kurativleistung gegen Septoria tritici und/oder sehr gute Braunrost-Wirkungen erforderlich sein sollten, sind Alternativen wie Elatus Era, Ascra Xpro oder Ceriax zu bevorzugen.

Das neue Fungizid gibt es sowohl als Solo-Produkt als auch im Fungizidpack mit Zakeo Opti unter dem Namen Gigant Opti. Die empfohlene Aufwandmenge liegt bei 1,0 l/ha Gigant + 1,5 l/ha Zakeo Opti. Die Kombination verbessert im Weizen die Braunrost-Leistung und stellt gegen Septoria eine sehr gute Dauerwirkung sicher.

Gegen Braunrost in Roggen empfiehlt sich der Einsatz von Gigant eher nicht. In diesem Fall ist es besser, die Restbestände von Seguris zu nutzen. In Triticale könnte sich Gigant zur Abschlussbehandlung mit reduzierten Mengen, kombiniert mit Osiris, sehr gut gegen Septoria nodorum und Fusarium eignen. Hierzu fehlen aber noch Versuchsergebnisse. In Gerste ist Gigant Opti wiederum empfehlenswert, vor allem wegen der breiten Wirkung gegen Ramularia. Bei hohem Befallsdruck mit Netzflecken sollte man aber wirksamere Kombinationen einsetzen.

Neu zugelassen ist auch Mercury Pro mit den Wirkstoffen Cyproconazol (80 g/l) und Azoxystrobin (200 g/l). Mit 1,0 l/ha lassen sich damit sehr gut Rostkrankheiten in allen Getreidearten kontrollieren – besonders in Weizen und Triticale. Gegen weitere Schadpilze bringen beide Wirkstoffe nur Nebenwirkungen. Ausnahme: Septoria nodorum. Gegen diese, in Triticale vorkommende Krankheit, sind noch sehr gute Wirkungen möglich. Allerdings sind in dieser Getreideart nur die Indikationen Braunrost und Echter Mehltau zugelassen. Bei günstigen Umweltauflagen besitzt das Produkt eine breite Zulassung auch in Raps und Rüben.

Hilfe gegen Netzflecken

Vor allem für den Einsatz in Wintergerste ist der Bontima Opti Pack konzipiert. Hierbei handelt es sich nicht um neue Fungizide, sondern um einen Pack aus Bontima plus Zakeo Opti (entspricht Amistar Opti). Die empfohlene Aufwandmenge liegt bei jeweils 1,5 l/ha.

Bontima ist als Solo-Produkt — bis auf Restbestände — nicht mehr verfügbar. Wegen der nachlassenden Netzflecken-Wirkung aller anderen Wirkstoffklassen bekommt das in Bontima enthaltene Cyprodinil einen neuen Stellenwert. Gehörte es noch vor fünf Jahren eher zu den schwächeren Produkten, kann man nun von einer vergleichbaren Wirkung wie die der anderen Mittel ausgehen. Auch mit den besten Fungiziden sind Netzflecken bei hohem Befall nur noch mit Wirkungsgraden um 75% zu kontrollieren.

Mit 1,5 l/ha Bontima werden allerdings nur 281 g/ha Cyprodinil ausgebracht, die für eine exzellente Wirkung gegen Netzflecken kaum ausreichen. Mit der Ergänzung von 1,5 l/ha Zakeo Opti sind bei normalen bis mittleren Befallsstärken gute Wirkungsgrade möglich. In Situationen mit Starkbefall sind aber weitere Ergänzungen ratsam, z.B. mit Kayak oder Comet bzw. Alternativmischungen.

Somit ist auch das neue Kayak eine Bereicherung gegen Netzflecken. Es enthält 300 g/l Cyprodinil und ist ausschließlich in Gerste mit 1,5 l/ha und maximal zwei Anwendungen von EC 31 bis 61 zugelassen. Im Unterschied zum bekannten Unix wird Kayak als Solo-Produkt in flüssiger Formulierung als Emulsionskonzentrat angeboten. Die Indikationszulassung bezieht sich auf Netzflecken, Rhynchosporium und Echten Mehltau. Darüber hinaus darf man eine sehr gute Wirkung gegen Halmbruch erwarten, gegen Zwergrost aber allenfalls eine sehr schwache Nebenwirkung.

Kayak eignet sich vorzugsweise für die erste Blattbehandlung mit 1,0 bis 1,25 l/ha, um eine beginnende Netzflecken-Epidemie zu reduzieren. Vorbeugend lässt sich damit auch Mehltau gut kontrollieren. In Regionen oder Jahren mit stärkerem Rhynchosporium-Befall wirken jedoch Mischungen mit Prochloraz oder Alternativ-Produkte besser. Darüber hinaus lässt sich Kayak bei Problemen mit Netzflecken auch als Zumischpartner zur Abschlussbehandlung mit Carboxamid-Kombinationen nutzen.

Das Mittel hat – mit Ausnahme der Hangauflage – günstige Umweltauflagen. Die Mischbarkeit, z.B. mit Wachstumsreglern, soll weniger problematisch als bei Unix sein. Besonders bei Ethephon ist beim Befüllen der Spritze allerdings die Abfolge der Zumischpartner zu beachten. Ethephon-haltige Produkte gehören immer zum Schluss in den Tank.

Weitere neue Packs

Als Ersatz für den Gladio Unix Pack gibt es nun Unix Top. Der Pack besteht aus Unix plus Plexeo, welches 60 g/l Metconazol enthält und identisch mit Caramba ist (gleiche Zulassung). Empfohlen wird der Einsatz von 0,5 kg/ha Unix + 1,0 l/ha Plexeo für frühe Behandlungen ab EC 31 vorzugsweise in Weizen. Verglichen mit Unix + Gladio wirkt es

  • gut gegen Halmbruch,
  • nur vorbeugend gegen Mehltau,
  • erheblich besser gegen Gelb- und Braunrost und
  • vergleichbar schwach gegen Septoria tritici.

Nicht anknüpfen kann der Unix Top-Pack an die vorzügliche DTR-Wirkung von Unix + Gladio. Der Ersatz von Gladio durch Plexeo ermöglicht einen günstigeren Gewässerabstand. Der Pack lässt sich auch in Triticale für frühe Behandlungen nutzen, vor allem gegen Halmbruch, wenn Triticale nach Getreide folgt.

Als eine weitere Carboxamid-Variante steht in der kommenden Saison ein Pack aus dem im letzten Jahr zugelassenen Elatus Plus mit Plexeo zur Verfügung. Der Vertrieb erfolgt nur über ein Handelshaus. Elatus Plus enthält 100 g/l Solatenol (Benzovindiflupyr). Zugelassen mit 0,75 l/ha wird die vergleichbare Carboxamid-Menge ausgebracht wie mit Elatus Era. Der Pack besteht aus 5,0 l Elatus Plus und 2 x 3,75 l Plexeo, sodass die Empfehlung 0,75 l/ha Elatus Plus + 1,125 l/ha Plexeo lautet. Um Resistenzen zu vermeiden, ist Elatus Plus grundsätzlich mit Azolen zu kombinieren.

Mit der Packlösung lässt sich – verglichen mit Elatus Era – in etwa die gleiche Wirkung erzielen. Allerdings ist diese etwas schwächer in der Kurativ-Leistung gegen Septoria, besser gegen vorhandenen Rost und deutlich schwächer gegenüber Halmbruch und DTR.

Empfehlung: Generell ist Metconazol kein gutes Produkt in Wintergerste und sollte wegen der Netzfleckenschwäche dort nicht zum Einsatz kommen. In Winterroggen ist die Pack-Lösung dagegen ideal gegen Braunrost. Hier dürfte mit reduzierten Mengen von z.B. 0,5 l/ha Elatus Plus + 0,75 l/ha Plexeo eine sichere Wirkung zu erreichen sein.

Noch mehr Carboxamide

Mit Librax, einer Alternative zum Adexar, erweitert sich die Carboxamidpalette weiter. Der Unterschied: Das enthaltene Azol wurde durch Metconazol getauscht. Die Kombi wirkt sehr breit in allen Wintergetreidearten. Mit 2,0 l/ha Librax bringt man diesselbe Fluxapyroxad-Dosis aus wie mit voller Aufwandmenge von Adexar.

Das neue Fungizid wird ebenfalls nur von einem Handelshaus vertrieben. Wegen der geringen Wirksamkeit von Metconazol empfiehlt sich der Einsatz nach unserer Meinung nicht gegen Netzflecken in Wintergerste. In den anderen Getreidearten ist es aber in etwa mit Adexar vergleichbar (siehe Übersicht ab Seite 64). Die Umweltauflagen von Librax sind günstig.

Zur Saison wird es zudem einen Pack aus Comet plus Curbatur im Verhältnis 2,5 l zu 5 l geben. Comet enthält 200 g/l Pyraclostrobin – Curbatur ist dasselbe Produkt wie Proline. Der Anbieter empfiehlt den Pack für die frühe Blattbehandlung in Gerste mit 0,3 l/ha Comet + 0,6 l/ha Curbatur, um Netzflecken, Rhynchosporium und Ramularia zu kontrollieren. Gegen Mehltau in Gerste bringt Comet eine noch gute Wirkung. Bei sehr hohem Netzfleckendruck lässt sich der Pack bzw. besonders Comet als Zumischpartner nutzen, um die Wirkungsgrade zu erhöhen.

Zeitnah zur Saison wird die Zulassung von Input Triple erwartet. Hierbei handelt es sich um ein Fertigprodukt vergleichbar mit Input Classic + Talius. Enthalten sind Prothioconazole (160 g/l) + Spiroxamine (200 g/l) + Proquinazid (40 g/l). Angestrebt wird die Zulassung in allen Wintergetreide-Arten mit 1,25 l/ha und einer Anwendung von EC 30 bis 49.

Mit der reduzierten Spiroxamin-Menge strebt man einen geringeren Gewässerabstand von 5 m bei Einsatz von 90%-abdriftmindernden Düsen an. Das Produkt hat dann erhebliche Vorteile bei der Bekämpfung von Mehltau. Durch das Zumischen von Spiroxamine gelingt es, bereits vorhandenen Mehltau-Befall zu beseitigen. Das entschärft die Resistenzgefahr für Talius deutlich. Mit 1,0 l/ha ist eine vergleichbare Wirkung wie von 1,0 l/ha Input Classic zu erwarten, aber mit zusätzlicher Dauerwirkung von etwa 28 Tagen gegen Mehltau. Nur bei sehr hohem Mehltaudruck sollte man noch besser eradikativ wirkende Produkte, wie z.B. Kantik oder Gladio, kombiniert mit 0,25 l/ha Talius anwenden.

In der top agrar 1/2019 finden Sie die umfangreichen Tabellen mit allen Fungiziden.

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EU verschärft die Zulassung

Die im Jahr 2009 eingeführte EU-Pflanzenschutzverordnung, welche die Zulassung der Wirkstoffe in der EU regelt, wirkt nun mit voller Wucht. Kürzlich erfolgte die Festlegung der Kriterien für die „hormonelle Wirkung“ von Wirkstoffen – dem letzten Cut-off-Kriterium. Damit haben wir heute eine doppelte Zulassung.

Zunächst bewerten die Mitgliedsstaaten und die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) einen Wirkstoff auf EU-Ebene. Alle genehmigten Wirkstoffe kommen in eine Positiv-Liste (Annex I). Die Genehmigung ist in der Regel auf 10 Jahre befristet. Erst nach der Annex I-Listung kann auf nationaler Ebene eine Zulassung erfolgen. Trotz der neuen zonalen Zulassung, die das Verfahren eigentlich vereinfachen sollte, dürfen die Mitgliedsstaaten nationale Besonderheiten berücksichtigen und risikomindernde Auflagen festlegen.

Obwohl Pflanzenschutzmittel in Deutschland bereits diesem strengen Zulassungsverfahren unterliegen, hat die EU mit der Verordnung neue Ausschlusskriterien zur Wirkstoffbewertung eingeführt. Beurteilt wird heute nach dem Vorsorgeprinzip. Dabei versucht man, die mögliche Gefahr des unverdünnten Wirkstoffs für Mensch, Tier und Umwelt zu beurteilen. Dazu hat Brüssel verschiedene Ausschlusskriterien (Cut-off-Kriterien) festgelegt. Das hat Folgen für die Bewertung der „Wirkung auf den Hormonhaushalt“ (endokrine Wirkung). Nun reicht bereits der Verdacht auf eine schädliche hormonelle Wirkung aus, um einen Wirkstoff nicht zuzulassen. Wirkstoffe, die unter Cut-off-Kriterien fallen, sind grundsätzlich nicht genehmigungsfähig.

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