Hitze und Trockenheit bereiten Kartoffeln Probleme - Die Expertentipps

Den Kartoffelpflanzen wird in der aktuellen Vegetationsperiode besonders viel abverlangt. Nach einem zu viel an Wasser im Boden, kehrt sich das Ganze durch die hohen Temperaturen und den fehlenden Regen zurzeit ins Gegenteil um, schreibt die Versuchsstation Dethlingen in ihrem aktuellen Newsletter.

Den Kartoffelpflanzen wird in der aktuellen Vegetationsperiode besonders viel abverlangt. Nach einem zu viel an Wasser im Boden, kehrt sich das Ganze durch die hohen Temperaturen und den fehlenden Regen zurzeit ins Gegenteil um, schreibt die Versuchsstation Dethlingen in ihrem aktuellen Newsletter.

Trockenstress

Voraussetzungen für eine hohe Ertragsleistung des Bestandes sind sowohl günstige Umwelt-bedingungen als auch eine optimale Pflanzenentwicklung. Dabei kommt der Ausbildung des Wurzelwerks eine zentrale Rolle zu. Durch die sehr gute bis übermäßige Wasserversorgung der Böden in diesem Frühjahr haben die Kartoffelpflanzen nur ein vergleichsweise geringes Wurzelwerk ausbilden müssen, um den Bedarf des oberirdischen Blattapparates zu decken.
 
Dieser biologische Optimierungsprozess der Pflanzen wird aber in der aktuellen Trockenphase zum größten Handicap, da die wasseraufnehmende Wurzeloberfläche viel zu klein ist. Die jetzt erforderliche Intensivierung des Wurzelwachstums ist durch den Trockenstress und das zunehmende Alter der Pflanzen sehr stark eingeschränkt. Auf vielen Standorten kommen noch starke Verdichtungen im unteren Krumenbereich oder stark verschlämmte Dammflanken als wachstumshemmende Faktoren hinzu.
 
Mit einer regelmäßigen Zusatzberegnung lässt sich diese Stresssituation zwar abmildern. Das schwächere Wurzelsystem hat aber eine geringere Wasserausnutzung und damit einer Verkürzung der Beregnungsintervalle zu Folge. Deshalb gilt dieses Jahr um so mehr, dass bei begrenzten Kapazitäten weniger Bestände, diese aber bedarfsgerecht und kontinuierlich, beregnet werden sollten.

Hitzestress und Zweitwachstum

In diesen Tagen leiden die Pflanzen zudem unter den hohen Temperaturen. Dieser Hitzestress wird noch dadurch verstärkt, dass die Bestände in vielen Regionen nicht geschlossen sind und so das schützende Blätterdach fehlt. Die Dämme erwärmen sich dadurch viel schneller und erreichen Temperaturen, die noch deutlich über der Lufttemperatur liegen können.
 
Vor diesem Hintergrund steigt die Gefahr des Zweitwachstums der Knollen in Form von Kindel- und Kettenbildung oder Puppigkeit mit jedem heißen Tag deutlich an. Deshalb

  • Regelmäßige Kontrolle der Knollenentwicklung, auch bei beregneten Beständen
  • Messung der Bodentemperatur im Damm: mehrere Tage >27 °C = Warnstufe rot
  • Empfindlichkeit der Sorten gegenüber Zweitwachstum beim Züchter erfragen
  • Pflanzgut mit zu vielen kleinen Knollen: Vitalität der Pflanzen erhalten, Beregnung
  • Pflanzgut/Speise mit weitgehend zufriedenstellender Sortierung und ausreichender Stärke: umgehende Krautminderung
  • Speise/Veredlung: Sortierung noch zu klein/Stärkegehalt zu gering
    - Vitalität der Pflanzen erhalten
    - Einsatz von Maleinsäure Hydrazid
  • Regionale Beratung einschalten!
  • Nach Rücksprache mit Vermarkter, Anwendungsvoraussetzungen beachten:
    - grüne, aufrechte Pflanzen
    - Großteil der Knollen > 25/35 mm
    - kein Wasserstress
    - Temperatur < 25 °C
    - relt. Luftfeuchte >50 % (ad)