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Ernte 2024 Vereinfachungen für 2025 Pauschalierung

topplus Zusammen schlagkräftig

Landwirte teilen sich Beregnungsanlage

Als Kooperation zu beregnen, bringt viele Vorteile. Das wissen auch drei Landwirte aus Niedersachsen zu schätzen und entwickeln stetig neue Strategien. top agrar war vor Ort und hat nachgefragt.

Lesezeit: 9 Minuten

So eine Beregnungsmaschine sieht man selten. Die ganze Maschine, nicht nur der Regner, folgt dem Schlauch. „Ein dänisches Fabrikat. Es fährt Kurven, sodass wir auf der Fläche die Beregnung nicht zusätzlich umstellen müssen“, erklärt Jochen Gaus mitten im Kartoffelacker. „Dabei sind wir hier gar nicht in einer typischen Beregnungsregion.“

„Wir“ – das ist Gaus zusammen mit seinen GbR-Partnern Ernst Lütje und Ulrich Behrens. Als Ährenwert GbR bewirtschaften sie 600 ha Ackerland, darunter 91 ha Kartoffeln. Die Flächen reichen von sandigen 18 Bodenpunkten bis zu lehmigen bzw. tonigen 65 Bodenpunkten. „Hier“, das ist der kleine Ort Ohnhorst, im südlichen Landkreis Gifhorn, Niedersachsen. Inzwischen sind 416 ha der GbR beregnungsfähig.

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Ausgefeiltes Management

Das heißt aber nicht, dass alle diese Flächen beregnet werden. Denn die Kulturen sind unterschiedlich beregnungswürdig. Ganz oben stehen Kartoffeln, Zwiebeln und Süßkartoffeln. Dann folgen Zuckerrüben, Braugerste und Weizen. Das berücksichtigen Behrens, Gaus und Lütje schon bei der Anbauplanung. „Wir versuchen trotzdem, die Beregnungsmaschinen gleichmäßig zu verteilen“, erklärt Ulrich Behrens. Die Dreierkooperation entscheidet gemeinsam, welche beregnungsfähigen Früchte auf welche Flächen kommen.

Sie halten sich dabei auch an feste, gewachsene Fruchtfolgen. Auf Beregnungsflächen steht z.B. oft die Folge Kartoffeln/Weizen/Rüben/Weizen, nach Weizen kommt eine Ölrettich-lastige Zwischenfrucht. Statt Weizen wächst jetzt häufig auch Sommerbraugerste, nicht nur auf den leichten Standorten – weil sie beregnungswürdig ist. „Durch die gesicherte Beregnung ist die Braugerste schnell eine Alternative zum Weizen“, sagt Ernst Lütje. Auf den besseren Flächen, überall dort, wo keine Kartoffel steht, kommt u.a. die Folge Rüben/Weizen/Raps/Weizen/Weizen. Auf den 180 ha im Wasserschutzgebiet ist Triticale eine Alternative, Roggen wächst auf nicht beregnungsfähigen Flächen.

Angepasste Fungizidstrategie

In der GbR gibt es eine klare Aufgabenteilung: Ulrich Behrens ist für den Ackerbau zuständig, Ernst Lütje kümmert sich um den Kartoffelanbau und die -vermarktung. Und das Büro ist der Bereich von Jochen Gaus. Er übernimmt in der Saison auch die Beregnungsplanung. „Ich frage nicht wo, sondern wann die Beregnung laufen soll“, bringt er es auf den Punkt. Denn wie überall, sind auch bei der Ährenwert GbR während der Beregnungssaison die Tage lang und die Nerven kurz.

Die Pflanzenschutzmaßnahmen sind das Wichtigste, was Gaus dann mit seinen Partnern bespricht, z.B. die Fungizide bei Kartoffeln: Beregnen wir vorher oder nachher? Generell gilt: Bei hohem Krautfäuledruck geht Behandlung vor Beregnung. Dafür wählt Ernst Lütje relativ regenfeste Mittel. „So müssen wir nicht unbedingt Rücksicht auf die Beregnung nehmen“, erklärt er.

Der Start zählt

Normalerweise fängt Gaus Anfang bis Mitte Mai an, zu beregnen. Vorsommertrockenheit tritt häufig in der Region auf. Der Start richtet sich in erster Linie nach der Sichtkontrolle. „Man kennt ja seine leichten Ecken“, erklärt er lachend. „Und wenn der Weizen die Blätter rollt, dann wird es Zeit.“ Um sicher zu gehen, gräbt Gaus mit dem Spaten nochmal nach. Bei den Kartoffeln kontrolliert er den Damm: Ist der trocken, muss er dringend beregnen, sonst kommt es zu Schorfbefall.

Sichtkontrolle funktioniert auch bei Zuckerrüben. Liegen die Blätter tagsüber am Boden und stehen auch am nächsten Morgen nicht, muss beregnet werden. Die Rübe hält es durch ihre tiefe Wurzel am längsten ohne Wasser aus. Aktuell (28. Juni) bekommt sie nur Wasser, damit die auf dem Boden liegenden Blätter nicht verbrennen. Dafür ist sie im Herbst die letzte Kultur, die beregnet wird. Danach ist Schluss. Nur im letzten Jahr hat Jochen Gaus länger beregnet. „Wir haben ganz unüblich noch der Rapssaat Wasser gegeben“, sagt Lütje. Wie viel Wasser die Maschinen verteilen, richtet sich nach dem Wetter, der Wasserspeicherfähigkeit des Bodens, nach der Kultur und den Intervallen, wann die Maschine das nächste Mal auf der Fläche ist. Als Entscheidungshilfen dienen das Info-Fax vom Fachverband Feldberegnung, die Vorhersage des Deutschen Wetterdienstes, das eigene Wettergefühl und die Tensiometer.

Diese Röhren stecken 60, 30 oder 20 cm tief im Boden und messen die Saugspannung. Aus den Werten kann Gaus auf die nutzbare Feldkapazität (nFK) schließen. Ein Wert von -100 Millibar bedeutet, dass der Boden gut gesättigt ist. Bei -500 Millibar sind noch gut 50% nFK im Boden. Je niedriger der Wert, desto weniger Wasser ist im Boden pflanzenverfügbar. Ob die Pflanzen dann noch Wasser aufnehmen, hängt von der Saugspannung ab, die sie aufbauen können. Weizen baut z.B. eine hohe Saugspannung auf und nimmt somit auch bei geringer nFK noch Wasser auf.

Was bringt’s?

Eine Frage, die immer wieder aufkommt: Was hätten wir ohne Beregnung geerntet? Das testen die drei Landwirte und haben dafür z.B. zwei Flächen mit gleichen Bonitäten beregnet bzw. nicht beregnet. „Wir sind erstaunt, wie viel man ohne Beregnung zum Teil noch ernten kann“, sagt Ernst Lütje. Oft seien die Ertragsdifferenzen zwar höher als erwartet, manchmal aber auch geringer.

Dafür haben die Partner aber andere Erfahrungen gemacht: Auf beregneten Flächen ist die Nährstoffausnutzung aufgrund höherer Erträge deutlich besser und das Risiko von Stickstoffausträgen geringer. „Entscheidend ist, dass man eine schlagkräftige Beregnung hat“ sagt Lütje. Dann könne man die Flächen bedarfsgerechter beregnen. Sonst müsste man einige Flächen schon (zu) früh beregnen, um passend auf dem letzten Schlag angekommen zu sein.

Kosten im Griff

Mit zwölf Beregnungsmaschinen ist die GbR schlagkräftig aufgestellt. Bei der Planung lässt sich Jochen Gaus von dem Managementprogramm Raindancer unterstützen. Dafür ist jeder Regnerwagen mit einem GSM-Modul und einer Solarzelle sowie einem Drucksensor am Regner ausgestattet. Alle sieben Minuten übermittelt der Regner die Position und den Wasserdruck. Bei Druckabfall gibt es Alarm. Das Programm können alle Mitarbeiter per App und auf dem PC abrufen: Auf welchen Flächen sind welche Regner wann gelaufen? Wie lange ist das her? Wie viele Beregnungsgänge waren schon auf den einzelnen Flächen? Wer hat die Beregnung umgestellt?

So kann Gaus auch gleich die Kosten und die eigene Arbeitszeit genau erfassen. Über eine Schnittstelle überträgt er die Daten von Raindancer in die Abrechnungssoftware Agrarmonitor. Warum diese genaue Erfassung? „Wir wollen die Beregnungskosten wieder erwirtschaften und Gewinn erzielen“, erklärt Gaus. Pauschalieren kann er die Kosten nicht, jedes Jahr, jede Kultur und jeder Schlag ist anders. „Wenn man das nicht beachtet, wird eine Beregnung schnell unwirtschaftlich“, sagt er.

Deshalb berechnet Jochen Gaus die beregnungskostenfreie Leistung. Das macht auch der Fachverband Feldberegnung und kommt im Durchschnitt auf jährliche variable Kosten von z.B. 2 € je mm Wasser und auf Festkosten von 200 €/ha und Jahr für die Beregnungsinfrastruktur und die Maschinen. Diese Zahlen können Gaus, Lütje und Behrens bestätigen. Ihre variablen Kosten teilen sich auf in: 40% Beregnung umstellen (Trecker, Diesel, Arbeitskraft), 45% Wasserförderung (Strom/Diesel) und 15% für Beregnungsmaschinen und Wasser. Jochen Gaus setzt auf nächtliche Beregnung, weil die Wasserverdunstung geringer ist. Zudem spart die GbR mit dem Nachstrom ca. 4 Cent/kWh, denn viele Pumpen laufen mit Strom.

Zwei Beregnungsverbände

Besonders ist: Die Flächen der Ährenwert GbR liegen im Einzugsgebiet von zwei Beregnungsverbänden. Der Beregnungsverband Wasbüttel entnimmt Wasser aus dem Elbe-Seiten-Kanal und dem Mittellandkanal. Zwei der Pumpstationen laufen elektrisch, 2015 hat der Verband die Infrastruktur verbessert und über 20 km Erdleitungen verlegt. Dafür wurden einige Brunnen geschlossen, u.a. im Wasserschutzgebiet. Das Wasserrecht sieht vor, dass max. 100 mm/ha und Jahr entnommen werden dürfen. Zusätzliche Mengen kann man nur über ein Wasserrechtsverfahren bei der zuständigen Behörde (Landkreis) beantragen.

So auch auf den anderen Flächen, die im Einzugsgebiet des Beregnungsverbands Meine liegen. Hier wird Grundwasser verregnet, es gilt eine Höchstgrenze pro Jahr und Brunnen, die über zehn Jahre geprüft wird. Die Brunnen sind im Eigentum der Landwirte, jeder Landwirt investiert für sich. Lütje, Gaus und Behrens haben den Vorteil elektrischer Wasserförderung auf den Flächen bei Wasbüttel schätzen gelernt und gehandelt: Sie verlegten auf den Flächen bei Meine in Eigenleistung Erdleitungen und stellten auch einige Brunnen auf Strom um. Ernst Lütje nennt ganz klar den Vorteil seiner Kooperation: „Alleine kann das kaum ein Landwirt stemmen. Zusammen war der Ausbau deutlich leichter.“

Das Ziel: Wasser sparen

Mit den ausgebauten Leitungen kamen neue Gedanken auf. „Wir haben uns selbst gefragt, wie man Beregnung neu steuern kann“, sagt Lütje. „Unsere Beregnungsstrategie war eingefahren“, gibt Gaus zu. Im Ziel sind sich die drei Partner einig: Sie wollen Wasser sparen. „Wir versuchen Erfahrungen zu sammeln, wie sich Kulturen bei Beregnung verhalten“, erklärt Ulrich Behrens.

Dafür hat der Beregnungsverband Wasbüttel zusammen mit einem Ingenieurbüro und dem Beregnungsexperten Ekkehard Fricke von der LWK Niedersachsen drei Bodensonden in unterschiedlicher Tiefe vergraben (bis zu 1,20 m). Diese erfassen den volumetrischen Wassergehalt des Bodens. Jetzt ist das Projekt im dritten Jahr. „Durch die Sonden sehen wir sehr gut, in welcher Tiefe die Pflanzen wurzeln und wo sie Wasser entnehmen“, erklärt Jochen Gaus. Je länger man mit der Beregnung wartet, desto tiefer können die Wurzeln wachsen und desto mehr Wasser können sie aus dem Boden holen. Künftig soll die Beregnungstrategie in Ohnhorst deutlich wassersparender sein.

Jetzt, im zweiten Jahr, testen die drei Landwirte zudem Tropfschläuche. Verlegt sind die Einwegschläuche in Kartoffeln und Süßkartoffeln. Die anfangs erhoffte Arbeitserleichterung trat bislang noch nicht ein, gibt Ernst Lütje zu. „Vor allem im letzten Jahr hatten wir relativ viele Leckagen“, sagt Gaus. Die sind in diesem Jahr weniger, vielleicht liegt es an dem geringeren Schlauchdurchmesser (16 mm, statt 22 mm) und der besseren Schlauchqualität.

Neu ist in diesem Jahr ein Düsenwagen. An dem 48 m breiten Gestell sind Rotationsdüsen angebracht. „Das Wasser schießt nicht so durch die Luft und verregnet mehr“, erklärt Gaus den Unterschied zum üblichen Trommelregner. „Der Nachteil ist, dass es doppelt so lange dauert, die Maschine umzustellen“, sagt Ernst Lütje. Denn das System besteht aus zwei Maschinen – mehr Zeitaufwand und mehr Fehlerquellen. Und die sind in der Beregnungssaison nicht zu unterschätzen. Auch, wenn man so Wasser spart.

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