Wasser-Gipfel

Lies: „Kommen um Düngereduzierung nicht herum“

Einschränkungen bei der Düngung sollen diejenigen Bauern treffen, die für die Situation verantwortlich sind, sagt Olaf Lies (SPD). Deshalb wolle man bei der Düngeverordnung weg von der Pauschalierung.

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies war sich am Montag in einer Video-Konferenz mit den Wasserversorgern einig, dass es für viele Grundwasserkörper im Land dringenden Handlungsbedarf gebe. Rund 39 % der Landesfläche würden zurzeit in den Bereich der „Roten Gebiete“ mit einer hohen Nitratbelastung von mehr als 50 Milligramm pro Liter fallen und befänden sich damit laut EG-Wasserrahmenrichtlinie in einem schlechten chemischen Zustand.

„Wir müssen an die Verursacher ran. Da sind wir uns komplett einig“, ergänzte Umweltminister Lies, der ebenso wie die gesamte Expertenrunde der bei Teilen der Landwirtschaft eine Verantwortung für zu hohe Nitratwerte im Grundwasser sieht. „An einer Reduzierung des Düngereinsatzes werden wir für einzelne Landwirtschaftsbetriebe nicht herumkommen“, sagte Lies weiter.

„Ein Landwirt jedoch, der nicht Verursacher für schlechte Nitratwerte ist, soll auch künftig nicht zum Verursacher gemacht werden. Einschränkungen beim Düngereinsatz sollen diejenigen treffen, die für die Situation verantwortlich sind. Deshalb wollen wir bei der Düngeverordnung von der Pauschalierung wegkommen und zur Differenzierung wechseln. Im Klartext: Zum Verursacherprinzip. Pauschale minus 20 Prozent in den Gebieten sind keine Lösung. Da verstehe ich die Kritik der Landwirtschaft an dieser falschen Pauschalisierung.“ Mit Nachdruck stellte sich der Wasser-Gipfel allerdings der Kritik von Landwirten entgegen, dass ein falsches Messsystem oder fehlerhafte Messstellen ein verzerrtes Bild von der Wirklichkeit liefern würden. „Nicht falsche Messungen, sondern der vorhandene Nähstoffüberschuss führt zum Nitrat-Problem“, war sich die Expertenrunde einig.

„Der Schutz des Grundwassers ist ein unverhandelbares Gut“, hieß es übereinstimmend. „Aber unabhängig davon wollen wir mit den Landwirten einen gemeinsamen Weg gehen“, stellte Umweltminister Lies in seinem Schlusswort fest: „Wir sind uns doch im Ziel einig: Nicht gegeneinander, sondern miteinander. Denn Wasser ist zu einem wertvollen Gut geworden, das wir weiter nutzen, das wir aber auch schonen wollen. Das gilt sowohl für die Qualität des Grundwassers wie auch für die Nutzung des Grundwassers. Wir wollen auch ein Konzept entwickeln, dass der Landwirtschaft die Perspektive der Bewirtschaftung auch mit einer notwendigen Bewässerung gibt.“

OOWV: 31.000 t Stickstoff zuviel

Für Karsten Specht, Geschäftsführer im Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV), ist „unstrittig, dass - gemessen am vorhandenen Flächen- und Pflanzenbedarf - in Niedersachsen mindestens 31.000 t Stickstoff jährlich zu viel ausgebracht werden. Die Problemlage des Stickstoffüberschusses ist nicht nur wissenschaftlich belegt, sondern auch durch eigene Messungen von Wasserversorgern, die im Einklang mit den NLWKN-Messungen stehen.“

Für den OOWV begrüßt Karsten Specht die neuen Düngepläne für Niedersachsen: „Die neue Düngeverordnung mit strikteren Düngeregeln ist ein richtiger Schritt, um die Qualität der Gewässer und die Trinkwasserversorgung auch für künftige Generationen zu sichern.“


Mehr zu dem Thema


Diskussionen zum Artikel

von Klaus Fiederling

Genug weiß niemand - zuviel so mancher. (Marie v. Ebner-Eschenbach)

Kein spezielles Problem in Niedersachsen zwar - Bayern muss sich allerdings damit aktuell notgedrungenermaßen befassen. // Jüngst erst von der dortigen Lokalpresse aufgenommen u. publiziert: Vor einem Münchner Gericht streiten sich aktuell um die 200 deutsche Mineralwasserverkäufer ... mehr anzeigen

von jann petersen

Nährstoffbericht

Der vom OOWV genannte Überschuss kommt aus dem Nährstoffbericht NDS, und ist der niedrigste jemals ermittelte Wert. Ein Fakt den auch Top Agrar gerne mal erwähnen dürfte. Zu behaupten es seinen 31000 to zuviel ist grundfalsch, da der Saldo niemals bei 0 liegen kann. Ein weiterer zu ... mehr anzeigen

von Diedrich Stroman

Düngerüberschuss

Diese ganze Rechnerei und Statistiken sind schon mangelhaft und substanzlos und können nicht Gegenstand einer Diskussion sein, genau dasselbe mit dem Brunnendesaster was eben doch eine fatale Lüge ist! Populismus macht Politik ehrhafte Politik ist das nicht! Der OOWV sollte mal sein ... mehr anzeigen

von Hans Merk

Ich halte es für richtig

die Verursacher zu masregeln. Wer aufgrund seines Viehbesatzes und Nährstoffaufnahme/Abgabe unter 170 N organ. bleibt sollte von allen Pflichten der Verordnung , incl. der schwachsinnigen Dokumentation befreit werden!

von Diedrich Stroman

Befreien

Wierd es nicht geben und kein Gesetz wierd revidiert auch wenn es falsch ist, genausowenig wie falsche Steuern wieder zurück genommen werden, das perfide gebaren der populistischen Demokratie ist zu keinen Änderungen bereit!!Das hat Adenauer schon gesagt, was interessiert mich mein ... mehr anzeigen

von Stefan Lehr

Wie soll es gehen?

Man (=Minister) propagiert das Miteinander um zur Loesung zu kommen. Ausser das man die landwirtschaft in ihrer Bewirtschaftung beschneiden will kommt aber weiter nichts! DAS ist KEIN Miteinander!! Auch tut die Wasserwirtschaft so, als wenn bei ihr alles in Ordnung waere. Dem ist nicht ... mehr anzeigen

von Gerhard Steffek

Andere Seite!

Wie wäre es, wenn der OOWV mit seinem übermäßigen Wasserentzug aus dem Boden aufhören würde? Dann wäre das Problem auch schnell erledigt. Ohne Wasser, aber auch ohne Essen, keine Menschen. Ohne Menschen keine Landwirtschaft, keine Düngung. Wäre das nicht die optimalste Lösung ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Ohne Menschen, das geht !

Aber ohne Bienen und anderen Insekten?

von Gerhard Steffek

„Der Schutz des Grundwassers ist ein unverhandelbares Gut“,

Ausreichend zu Essen ist es auch! Daran sollten die Herrschaften denken, wenn sie so große Töne spucken. Ohne Düngung aber keine Erträge und nur vom Wasser alleine lebt es sich auch schlecht. Die Intention des OOWV ist doch nur die, daß er ohne großem Zutun billig an sein Wasser als ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

"Der Schutz des Grundwassers ist ein unverhandelbares Gut",

ist nur eine leere Worthülse ohne Substanz, mit der heute Politik gemacht wird. Sind unsere Politiker wirklich so dumm?

von Renke Renken

Von Olaf Lies

habe ich mal eine Menge gehalten, als er noch ohne Bart und Wirtschaftsminister war, die Kehrtwende , die er nach der letzten Wahl vollzogen hat, ist für mich in keinster Weise nachvollziehbar. Er versucht die Grünen wirklich links und rechts zu überholen, um seinen Arsch auf dem ... mehr anzeigen

von Gerhard Seeger

„Nicht falsche Messungen, sondern ... "

O.K. Herr Lies, das heisst dann wohl dass der Autofahrer in Zukunft nicht mehr geblitzt werden muss um wegen überhöhter Geschwindigkeit belangt zu werden. Es reicht wenn jemand aussagt dass das Fahrzeug "ziemlich schnell" zu fahren schien.

von Wilhelm Grimm

So denkt er tatsächlich.

Die von unabhängigen Gutachtern festgestellten Mängel sind für ihn wertlos. Aber den Aussagen des OOWV vertraut er.

von Wilhelm Grimm

Wir dürfen uns von Lies nicht einlullen lassen,

er glaubt dem OOWV, wenn er von 39% der Landesfläche spricht, die über 50 Milligramm pro Liter aufweisen würden. Der Landvolkverband muss mit Lies eine härtere Gangart einlegen.. Auch bei der Diskussion um den Wolf hat der nett geredet, aber nichts gemacht. Dem kann man nicht trauen.

Sie müssen sich anmelden um Kommentare zu bewerten

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen

Kommentar melden

Abbrechen

Sie haben noch kein Benutzerkonto?

Benutzerkonto erstellen