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Linsen als künftige Ackerkultur?

Forscher wollen den Linsenanbau mit ertragreichen Sorten erleichtern. Die Pflanzen müssen platzfeste Hülsen haben sowie stabil und standfest wachsen.

Lesezeit: 4 Minuten

In dem Projekt LinSel selektieren die Beteiligten geeignete Sortentypen von Linsen für nachhaltige Anbausysteme. Nach drei Jahren steht fest: Der Anbau ist herausfordernd, aber möglich. Wir sprachen mit Alex Kröper. Er ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Universität Hohenheim und Doktorand im Projekt LinSel.

Herr Kröper, aktuell wachsen kaum Linsen auf deutschen Äckern. Warum forschen Sie an der Kultur?

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Kröper: Da vegetarische und vegane Ernährung immer beliebter wird, nimmt auch der Bedarf an wertvollem pflanzlichem Protein zu. Dass die Linse (Lens culinaris) dazu einen wichtigen Beitrag leisten kann, entdecken auch immer mehr Konsumenten – die Nachfrage steigt. Für die Kultur spricht, dass sie als Leguminose meistens ohne zusätzlichen Dünger auskommt. Außerdem wird die Linse üblicherweise sehr extensiv im Gemenge mit einer Stützfrucht wie zum Beispiel Gerste, Hafer oder auch Leindotter angebaut. So entsteht auf Linsenäckern eine sehr hohe Biodiversität. Was die Linsen vor allem zu einer zukunftsfähigen Kulturpflanze macht, ist ihre Toleranz gegenüber Trockenheit. Damit könnte sie auch in Regionen mit zunehmender Sommertrockenheit für Landwirte interessant sein.

Wie hat sich der Anbau entwickelt?

Kröper: In Deutschland hat der Linsenanbau eine lange Tradition. Erst ab den 1950er Jahren ging der Linsenkonsum und damit der Anbau bei uns stark zurück. Viele Linsen werden u.a. aus Kanada und der Türkei nach Deutschland importiert. Bekannt wurde der Anbau dann wieder durch Woldemar Mammel, der zunächst einige Jahre Linsen anbaute und dann 2001 auf der Schwäbischen Alb eine Erzeugergemeinschaft für Anbau und Vermarktung von Linsen gründete. Mittlerweile werden in Deutschland schätzungsweise 2000 ha Linsen angebaut, hauptsächlich in Baden-Württemberg auf der Schwäbischen Alb und im Heckengäu sowie in Hessen im Vogelsbergkreis.

Welche Sorte eignet sich für den Anbau?

Kröper: Mit unseren Projektpartnern haben wir sechs bis acht geeignete Sorten aus einem Pool von 110 selektiert. Wichtig waren uns gute Anbaueigenschaften. Wir wollen damit den Anbau erleichtern, sowie höhere und stabilere Erträge erzielen. Neben den üblichen Ertragsparametern müssen die Linsen platzfeste Hülsen haben sowie stabil und standfest wachsen. So sollen bei hohem Ertragspotenzial die Verluste vor allem während der Abreife und der Ernte minimiert werden.

Für wen lohnt sich der Anbau?

Kröper: Der Linsenanbau lohnt sich vor allem für Landwirte, die ihre Produktpalette für die Selbstvermarktung erweitern möchten oder eine Möglichkeit haben, die Linsen z.B. bei einer Erzeugergemeinschaft abzuliefern. Wichtig ist ein Standort mit gut durchlüfteten und durchlässigen Böden ohne Staunässe und Verdichtungen. Genaue Informationen dazu gibt es beim Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ). Wer Linsen anbauen möchte, sollte Freude an Biodiversität, eine gewisse Experimentierfreude und den Mut haben, weiterzumachen, wenn in einem Jahr die Ernte mal nicht so gut ausfällt.

Wo liegen die Herausforderungen?

Kröper: Linsen sind recht konkurrenzschwach gegenüber Beikräutern, was ein gutes Beikrautmanagement voraussetzt. Außerdem schwanken die Erträge sehr stark, sodass nach guten, motivierenden Erträgen auch eine schlechte Ernte, wie vielerorts 2021, auftreten kann. Eine große Hürde im Linsenanbau ist auch die notwendige Infrastruktur für die Ernteaufbereitung. Der Zeitpunkt der Linsenernte ist meist ein Kompromiss zwischen den Reifestadien von Linse und Stützfrucht. Durch die ungleichmäßige Abreife der Linsen ist in den meisten Jahren ein sofortiges Trocknen nach dem Drusch notwendig. Um die Ernte zu reinigen, werden dann Anlagen wie Trieur, Siebe, Tisch- und Farbausleser benötigt, wie sie teilweise auch in der Saatgutproduktion üblich sind. Die Linsenproduktion ist in Deutschland noch immer aufwendig. Doch die nachfragenden Verbraucher sind bereit, für regionale Produkte etwas mehr zu bezahlen als für die importierten Linsen.

Was wünschen Sie sich künftig für den Linsenanbau in Deutschland?

Kröper: Ich wünsche mir, dass in der Zukunft wieder verstärkt an und mit der Kulturpflanze Linse gearbeitet wird, sodass durch weitere Selektion und Züchtung eine Auswahl an Sorten entsteht, die Landwirte gewinnbringend anbauen und vermarkten können. Von den Landwirten wünsche ich mir beim Linsenanbau vor allem den Mut, mehr aufeinander zuzugehen und gemeinsam Strukturen für die Ernteaufbereitung und die Vermarktung aufzubauen. So kann die Linse auch für kleine landwirtschaftliche Betriebe, die diese Hülsenfrucht ursprünglich zu einem der wichtigsten Nahrungsmittel weltweit gemacht haben, eine Kulturpflanze für die Zukunft sein.

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