Freising

Ohne Crispr/Cas ist die Welternährung in Gefahr

Wenn wir die Genschere Crispr/Cas jetzt blockieren, machen wir uns schuldig, dass die Menschheit in 30 Jahren nicht mehr genug zu Essen hat, meint Prof. Hückelhoven.

Ohne den Einsatz von Gentechnik könnte die Menschheit in 30 Jahren nicht mehr vollständig ernährt werden. Das sagte Prof. Ralph Hückelhoven vom Lehrstuhl für Phytopathologie der TU München-Weihenstephan (TUM) am Dienstagabend bei einer Veranstaltung der Jusos in Freising.

Thema des Abends war „Crispr/Cas: Genschere auf dem Acker: Chancen und Herausforderungen“. Hückelhoven hob hervor, dass das molekularbiologische Werkzeug in der Pflanzenbiologie ein ganz normales und effizientes Zuchtverfahren darstelle, zitiert der Münchner Merkur. Es mache die Züchtung von Nutzpflanzen präziser, schneller und günstiger. Das Verfahren eröffne Möglichkeiten, Kulturpflanzen widerstandsfähiger gegen schädliche Pilze, Viren und Bakterien zu machen. Krankheitsbedingten Ertragsverlusten könne vorgebeugt, der Einsatz von Pestiziden minimiert werden.

Die Pflanzen könnten auch hitze- und dürreverträglicher gemacht werden, was in Zeiten des Klimawandels wichtig sei. All das sei eine Frage der Ethik, meinte der Wissenschaftler laut der Zeitung. „Wenn wir die Technologie jetzt blockieren, machen wir uns schuldig, dass die Menschheit in 30 Jahren nicht mehr genug zu Essen hat.“

Wissenschafter für Änderung der GVO-Gesetzgebung

Ortrun Mittelsten Scheid (Bildquelle: www.oeaw.ac.at)

Vor genau einem Jahr hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) in der Rechtssache C-528/16 geurteilt, dass auch die neuen Gentechnikverfahren wie CRISPR & Co. unter die europäische Gentechnik-Regulierung fallen.

Genome-Editing-Verfahren wird rechtlich als Gentechnik eingestuft. Das bedeutet, dass sie der Freisetzungsrichtlinie unterliegen, mit der sehr strenge Zulassungs- und Kennzeichnungsverpflichtungen verbunden sind. Deren Umsetzung und Kontrolle sind jedoch problematisch, da derzeit nicht nachweisbar ist, ob neue Züchtungstechniken verwendet wurden.

Zahlreiche namhafte europäische Wissenschafter appellierten anlässlich der einjährigen Entscheidung an die EU, die Nutzung neuer präziser Zuchtmethoden zur Verbesserung von Kulturpflanzen zu vereinfachen. Dadurch soll eine nachhaltige Entwicklung von Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion auch in Zeiten des Klimawandels und des Bevölkerungswachstums ermöglicht werden, heißt es laut aiz.info in einer öffentlichen Stellungnahme an das neu gewählte EU-Parlament und die EU-Kommission.

"Die neuen Verfahren wie CRISPR/Cas erlauben die präzise Züchtung, bei der die gleichen positiven Genomveränderungen ohne die begleitenden 'Schäden' im Erbgut erzielt werden können", so Ortrun Mittelsten Scheid, Gruppenleiterin am Gregor-Mendel-Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI).

Diese minimalen Veränderungen durch die neuen Präzisionsverfahren könnten nachträglich nicht mehr von den gleichen Mutationen aus den Zufallsverfahren unterschieden werden. Eine Einfuhr von außerhalb der EU genomeditierten Kulturpflanzen in die EU sei daher problemlos möglich, während innerhalb der EU die Zulassung eigener Züchtungen erschwert wird.

Die Weltbevölkerung wächst, und zahlreiche Pflanzenarten sind durch den Klimawandel mit längeren Phasen der Trockenheit bedroht. Die Unterzeichner fordern daher eine Anpassung der veralteten GVO-Gesetzgebung und Harmonisierung mit anderen Staaten, um auch kleineren Forschungsinstituten und Produzenten in der EU die Züchtung zu erleichtern. Dies sei ein wichtiger Beitrag Europas zur Nahrungssicherheit und auch zu den von der UNO formulierten nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals).

Raiffeisenverband fordert Rechtssicherheit

Dr. Henning Ehlers (Bildquelle: DRV)

Der Deutsche Raiffeisenverband (DRV) kritisiert, dass seit dem Urteil nichts passiert sei. "Die Bundesregierung ist in dieser Sache zerstritten und die Diskussion auf europäischer Ebene verläuft bisher leider sehr schleppend. Das muss ein Ende haben. Die EU-Institutionen, nicht zuletzt die künftige Kommission, müssen hier dringend handeln“, sagte DRV-Hauptgeschäftsführer Dr. Henning Ehlers.

Generell bedauert der DRV, dass der EuGH mit seiner Entscheidung eine Situation geschaffen hat, in der die Forschungsergebnisse führender Wissenschaftler nicht beachtet werden. Sie haben gezeigt, dass Mutationen durch neue Züchtungstechniken nicht von natürlich auftretenden Mutationen zu unterscheiden sind. Ehlers: „Die Nutzung von Innovationen in der Pflanzenzüchtung ist durch das EuGH-Urteil deutlich erschwert worden. Wir müssen aufpassen, dass Deutschland, und ganz Europa, im Vergleich mit anderen Ländern nicht den Anschluss an wichtige Entwicklungen verlieren.“

BUND: Jede Gentechnik muss risikogeprüft werden

Hubert Weiger (Bildquelle: nachhaltigkeitsrat.de)

Naturschützer, wie BUND-Vorstand Hubert Weiger, sehen das ganz anders. Er kritisiert, dass das Urteil immer noch unter Beschuss steht: „Ein Jahr nach dem Urteil des EuGH müssen wir feststellen, dass weiter versucht wird, die klare Einstufung neuer Gentechnikverfahren als Gentechnik zu umgehen und damit Risikoprüfung, Kennzeichnung, Zulassung und Transparenz bei der neuen Gentechnik zu vermeiden. Der BUND fordert deshalb, dass die Europäische Kommission den Rufen nach Deregulierung der neuen Gentechniken eine Absage erteilt. Das schafft Rechtssicherheit für Erzeuger sowie Lebensmittelunternehmen, die ohne Gentechnik arbeiten."

Weiger appelliert an Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner und an die neue Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen, dass auch bei CRISPR & Co. zuerst das europäische Vorsorgeprinzip gelten muss. Jede Gentechnik müsse risikogeprüft, zugelassen und gekennzeichnet werden. Nur so hätten Verbraucher weiter die Wahlfreiheit, keine Lebensmittel mit gentechnisch veränderten Organismen (GVO) zu kaufen.

"Der EuGH hat ganz deutlich gemacht: Gentechnik ist jeder technische Eingriff in die DNA. Mit den neuen Verfahren kann viel tiefer ins Genom eingegriffen werden als bisher, bis hin dazu, dass DNA grundlegend umgebaut oder Organismen künstlich erschaffen werden. Dies muss klar dem europäischen Gentechnikrecht unterliegen", so Weiger.

Umzingelt von Öko: Konventionelle Bauern leiden unter Käferinvasion

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Artikel geschrieben von

Alfons Deter

Redakteur top agrar Online

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Diskussionen zum Artikel

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von Christian Bothe

GVO

Endlich mal ein fachkompetenter Kommentar zu neuen Züchtungsverfahren von dem Prof. Nur so können wir die anstehenden Probleme lösen.Dieses unmögliche Urteil vom EuGH gehört in den Müll und ist kontraproduktiv und ein Rückschritt zur nachhaltigen Entwicklung unserer LW unter den neuen klimatischen Herausforderungen.Was Weiger (wer immer das ist?)dazu zu sagen hat, interessiert doch keinen ausgebildeten Landwirt...

von Rudolf Rößle

Turbosaatgut

ist ein Gendefekt in einer Kette von Aminosäuren. Die Natur schafft ihre eigene Mutationen, sollte es erforderlich sein. Die Natur arbeitet auch gegen die konventionelle Züchtung. Sie würde nie Pflanzen erzeugen, die selbständig sich nicht gesund erhalten können. Wie viele Erbfehler haben wir in der Tierzucht schon ausgelöst, durch übertriebene Inzucht auf von uns gewünschte Merkmale ?

von Christian Kraus

Seit inzwischen Jahrzehnten gibt es Gentechnisch verändertes Saatgut. Welche Wunder hat es seitdem vollbracht? Warum soll das gentechnisch veränderte "NichtGVOsaatgut" auf einmal so viel mehr können? Zeigt uns das Saatgut das all die Wunder kann die versprochen werden und DANN diskutieren wir über die Zulassung!!!!

von Rudolf Rößle

Genschere

brauchen wir nicht, da die wachsende Weltbevölkerung durch Bildung und Einkommen der Erwerbsfähigen zum Stillstand kommen muß. Dieses Saatgut ist nur eine Gelddruckmaschine für viele Personen und wir Bauern haben nur Risikosaatgut und den Unmut der Gegner.

von Klaus Fiederling

ICH = WIR!?

Einige kurze Fragen, werter Herr Prof. Hückelhoven: Aktuell produzieren wir mehr als ein Drittel Überhänge, eben jene Mengen, die im eigentlichen niemand braucht, niemand so wirklich haben will. Im Durchschnitt ermittelt man derzeit Weizenerträge sogar im Ausnahmejahr 2019 innerhalb bundesdeutscher Grenzen, die höchst komfortabel jenseits der 90 dt/ha angesiedelt sind. Welche Hektarerträge sollten demnach Ihren Vorstellungen entsprechend von jedem Hektar in den westlichen Gesellschaften dank CRISPR/CAS künftig eingeholt werden? Eine extrem profitable Gelddruckmaschinerie, die für WEN(?) in Gang gesetzt werden soll!? // Des Weiteren stellt sich generell die Frage der Entwicklung künftiger Ertragspotentiale sowie die der verfügbaren Anbauflächen infolge eines rasant voranschreitenden Klimawandels weltweit. Ist die Landwirtschaft nicht sogar ein Profiteur genau selbigen Verlaufs? - Dieses medial äußerst bereitwillig publizierte gigantische MEHR AN ZUVIEL lässt jedenfalls guten Gewissens dahingehende Rückschlüsse zu. // Wen wundert es im übrigen also, dass man mögliche, weitergehend notwendige Anpassungen bei der DüVO noch immer nicht in einem notwendig reduzierten, durchaus auch vertretbaren Rahmen optimiert sieht!? Sich selbst ans Bein zu pinkeln, um hernach erschrocken wahrnehmen zu müssen, dass man dabei tatsächlich übel riechend auch noch nass geworden ist, braucht wohl verdammt viel Zeit, bis es in Slow-Motion in den jeweiligen Gehirnwindungen verwertbar angekommen zu sein scheint. // ICH = WIR, werter Herr Prof. Hückelhoven, da appellieren Sie an eine Moral innerhalb dieser Wertschöpfungskette, die allerdings nicht nur bei der Nahrungsmittelerzeugung wohl ausschließlich gedanklich unbeflecktes Wunschdenken ist, bleiben wird.

von Wilhelm Grimm

Der Siegeszug auch der Grünen Gentechnik kommt so sicher wie das AMEN in der Kirche.

Vielleicht hat aber Europa dann bereits den Anschluss verloren. Bundespräsident Herzog hat eindringlich gesagt: "Es muß ein Ruck durch Deutschland gehen". Unsere Gesellschaft aber ruht sich auf der Tatkraft unserer Mütter und Väter aus, ruckelt rückwärts und treibt die träge und schweigende Mehrheit in die Wohlstandsdürre.

von Wilhelm Grimm

Frei nach Heinrich Heine: Denk ich an den Einfluss der Grünen in der Nacht,

bin ich um den Schlaf gebracht.

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