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topplus Enorme Schadgefahr!

Praxistipp: So bekommen Sie Rapserdflöhe in den Griff

Noch wichtiger als die Wahl des Insektizids gegen Rapserdflöhe ist der optimale Bekämpfungstermin. Durch eine wetterbedingt verlängerte Eiablage der Weibchen und lichtempfindliche Käfer ist dieser schwierig zu treffen.

Lesezeit: 6 Minuten

Unsere Autorin: Manja Landschreiber, Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein

Abgefressene Pflanzen, fehlende Haupttriebe, ausgedünnte Bestände – diese Bilder geben Grund zur Besorgnis. Denn der typische Herbstschädling Rapserdfloh schädigt die Bestände mittlerweile auch im Frühjahr – teilweise massiv.

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Den Erdfloh gut zu bekämpfen, ist im Rapsanbau mittlerweile enorm herausfordernd. Milde Temperaturen noch in den Monaten November bis Januar sorgen dafür, dass Weibchen auch in dieser Zeit Eier ablegen können. Die Gelbschalenkontrolle beschränkt sich somit nicht mehr nur auf die typischen Zuflugmonate September und Oktober, sondern geht weit über das Gewohnte der Vergangenheit hinaus. Dabei ist für die späte Eiablage überwiegend kein neuer Zuflug die Ursache. Stattdessen sind es die Weibchen, die bis dahin in den Rapsbeständen überlebt haben. Somit ist eine zielgerichtete Bekämpfung wichtiger denn je.

Gelbschalen müssen früh aufs Feld!

Um die Käfersituation für die kommende Aussaat zu beurteilen, muss man bereits die Rapsernte beobachten. Auf ein stärkeres Auftreten der Käfer weisen Praxisaussagen wie diese hin: „Gefühlt laufen die Rapskörner auf dem Wagen.“

Nach der Ernte findet man die Erdflöhe noch eine gewisse Zeit in den Rapsstoppeln, bevor sie ihre Sommerruhe in Hecken-, Knick- und Waldrändern absolvieren. Das bedeutet aber keine wirkliche Entspannung, sondern ist die sprichwörtliche „Ruhe vor dem Sturm“. Die neuen Rapsflächen fliegen die Käfer ab Anfang September an, bevorzugt bei Temperaturen von 16 bis 20°C. Spätestens dann muss die Gelbschale auf dem Acker stehen. Da die Rapserdflöhe dort eher zufällig reinhüpfen und nicht explizit auf die Farbe Gelb reagieren, sollten die Schalen leicht eingegraben sein. Der Aufwand ist zwar etwas höher, die Fängigkeit der Schalen aber ebenso.

Besonderes Augenmerk in puncto Gelbschalenüberwachung gilt für Flächen, die in der Nähe zu Altrapsflächen liegen, auf denen letztes Frühjahr stärkerer Befall mit Rapserdflohlarven zu beobachten war. Die Gelbschalen müssen dann in der Nachbarschaft zu Altrapsflächen bzw. speziell in der Nähe der Sommerquartiere aufgestellt (eingegraben) werden.

Achten Sie auch darauf, dass die Schalen gut erreichbar sind, um sie wirklich regelmäßig zu kontrollieren! Es lohnt sich durchaus mehrere Schalen aufzustellen/einzugraben – vor allem auf großen Schlägen. Bei stärkerem Zuflug innerhalb eines kurzen Zeitraums sollten Sie die Gelbschalen täglich kontrollieren und das Wasser wechseln. Zu starkem Zuflug kommt es vor allem, wenn aufgelaufener Altraps bearbeitet wird. Dann suchen plötzlich mehrere Tausend Käfer eine neues zu Hause – den jungen Raps.

So finden Sie den richtigen Behandlungstermin

Nach dem Zuflug vollziehen die Käfer einen Reifungsfraß. Mit dem Beginn setzt auch eine Lichtempfindlichkeit der Käfer ein. Diese ist während und kurz nach dem Reifungsfraß besonders stark. Das belegen z.B. Praxisbeobachtungen, wonach tagsüber keine Rapserdflöhe im Bestand gesichtet wurden und die Gelbschale dann morgens gut gefüllt war. Die Käfer sind in der Dämmerung und nach Sonnenuntergang am aktivsten.

Der Reifungsfraß wird immer dann problematisch, wenn starker Zuflug auf gestresste Bestände trifft. Anfangs kleine Fraßlöcher wachsen mit, sodass sie optisch dramatischer wirken. Gut entwickelte Pflanzen können mehr Fraßschäden tolerieren. Eine in diesem Zeitraum eventuell notwendige Behandlung (Bekämpfungsschwelle 10% Lochfraß plus Zustand der Pflanzen) sollte aufgrund der Lichtempfindlichkeit in der Dämmerung und möglichst zum Ende einer Warmwetterphase erfolgen. So lässt sich der bisherige Zuflug erfassen. Neuer Zuflug wird aufgrund der dann folgenden kühleren Temperaturen vorerst nicht stattfinden. Maßnahmen direkt in Warmwetterphasen erzielen hingegen keine Dauerwirkung.

Die Lichtempfindlichkeit schwächt sich im Zuge der Eiablage ab bzw. verschwindet ganz. Dann sind die Käfer im Oktober wieder am Tag aktiv, was für eine Behandlung förderlich ist. Ab Anfang Oktober schreiten die Weibchen zur Eiablage. Diese ist temperaturgesteuert. Dabei kann ein Weibchen bei günstigen Temperaturen bis ins neue Frühjahr hinein bis zu 600 Eier ablegen. Aus den Eiern entwickeln sich Larven, die sich in die Blattstiele einbohren und diese minieren. Sind die Larven einmal in den Blattstielen, ist die Bekämpfung deutlich schwieriger.

Es gilt also, die Behandlung der Rapserdflöhe vor der Eiablage durchzuführen. Die Bekämpfungsschwelle liegt bei mehr als 50 Käfern pro Gelbschale innerhalb von drei Wochen.

Hintergrund: Gegen Schädlinge wie den Rapserdfloh gehen mittlerweile die Werkzeuge aus. Seit dem Verbot der Neonicotinoide sind nur noch zwei insektizide Beizen am Markt – lediglich mit einer Anfangswirkung gegen Erdflöhe (Blattfraßreduktion). Auch für Applikationen im Bestand gibt es immer weniger Möglichkeiten. Hinzu kommt, dass die Weibchen länger Eier ablegen. Und nicht zuletzt nehmen laut Julius Kühn-Institut (JKI) die Pyrethroidresistenzen bei den Käfern weiter zu.

Um die enorme Schadgefahr zu senken, muss man z.B. den Insektizideinsatz weiter optimieren. Denn innerhalb der Gruppe der Pyrethroide gibt es Unterschiede in Wirkungsschnelligkeit und Dauer. In diesem Zusammenhang fallen auch häufig die Begriffe „intrinsische Wirkung“ und „Potenz eines Wirkstoffs“. Was das genau bedeutet und welche Rolle die Formulierung der Wirkstoffe dabei spielt, lesen Sie hier in der top agrar 8/2021.

Schema des Julius Kühn-Instituts

Das Julius Kühn-Institut (JKI) empfiehlt, unabhängig von der gewählten Beizausstattung, folgende Vorgehensweise: Stellen Sie je nach Größe des Schlages mindestens 2 bis 3 Gelbschalen direkt nach der Rapsaussaat in die Bestände. Kontrollieren Sie die Schalen regelmäßig. Frühe Pyrethroid-Behandlungen sind nur erforderlich, wenn der Blattfraß an den Keimblättern/ersten Laubblättern so stark ist, dass mehr als 10 % der Blattfläche zerstört sind (oder wenn Raps aufgrund von Trockenheit stark leidet und sonst ganze Keimlinge ausfallen).

Ab dem 4-Blattstadium ist ein Insektizideinsatz nötig, wenn der Bekämpfungsrichtwert von mehr als 50 Käfern/Gelbschale in 3 Wochen überschritten ist. Wichtig ist, dass auch nach bereits durchgeführtem Insektizideinsatz die Gelbschalen im Herbst weiter kontrolliert werden, vor allen Dingen bei warmer/milder Witterung. Von Oktober bis Dezember können späte Pyrethroid-Einsätze nötig sein, wenn mehr als 5 Larven pro Pflanze vorkommen und/oder noch deutliche Erdfloh-Aktivität an den Gelbschalen festgestellt wird. Um den Selektionsdruck zu reduzieren dürfen nur wirklich notwendige Insektizidmaßnahmen durchgeführt werden. Die untenstehende Übersicht verdeutlicht nochmal die Vorgehensweise:

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