Düngung im Herbst

So gelingt der gute Start für Raps und Gerste

Nach der Aussaat von Raps und Gerste bei überwiegend guten Bedingungen, ist es nun das Ziel, die Bestände optimal versorgt und mit tolerierbarem Schädlingsbefall in den Winter zu bringen.

Gerade noch rechtzeitig zur Rapsbestellung schlug das Wetter in weiten Teilen Deutschlands um - der extrem heißen und trockenen Phase folgten Niederschläge und milde Temperaturen. Diese Witterung zog sich in vielen Regionen bis zur Gerstenaussaat durch, sodass sich beide Kulturen überwiegend unter guten Bedingungen aussäen ließen. Damit sich die Neuansaaten nun gut entwickeln, sollte man im Herbst einiges beachten.

Dort, wo eine Herbstdüngung unumgänglich ist, gilt es, die Vorgaben der DüV zu berücksichtigen. In Gerste bergen zudem Blattläuse als Virusüberträger ein großes Risiko. Übersteigt der Besatz die Schadschwelle, kann eine Insektizidbehandlung notwendig werden.

Schwieriger gestaltet es sich im Raps. Der Rapserdfloh bereitet seit dem Verbot der neonikotinoiden Beizen zunehmend Probleme.

Unsere unabhängigen Experten geben Tipps, wie Sie den Start Ihrer Gersten- und Rapsbestände optimal gestalten können.

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Düngeverordnung: Was ist zur Herbstdüngung erlaubt?

Unser Autor: Lüder Cordes, LWK Niedersachsen

Die aktuelle Düngeverordnung (DüV) schränkt die Herbstdüngung deutlich ein. In Raps und Wintergerste, für die eine ausreichende Herbstentwicklung für die Ertragsbildung von besonderer Bedeutung ist, ist aber eine begrenzte Düngung im Herbst unter Auflagen möglich. Folgende Punkte der DüV sind bei einer Herbstdüngung zu beachten:

  • Nach Ernte der letzten Hauptfrucht ist zu Raps und Wintergerste eine Stickstoff(N)-Düngung bei Bedarf nur nach Getreidevorfrucht erlaubt. Die Aussaat des Rapses muss bis zum 15.9. und die Saat von der Gerste bis zum 1.10. erfolgt sein.

  • Vor der Ausbringung von Düngemitteln ist der Düngebedarf auf der Ebene Schlag oder Bewirtschaftungseinheit zu ermitteln und zu dokumentieren.

  • Gedüngt werden darf bis in Höhe des N-Düngebedarfs, max. 30 kg/ha NH4 und 60 kg/ha N-Gesamt. Diese Grenze gilt nicht nur für organische Dünger, sondern auch für Mineraldünger! Einige Bundesländer, z.B. Niedersachsen, schränken auf langjährig organisch gedüngten Flächen (i.d.R. P-Gehalt im Boden > 13 mg P/100 g Boden CAL) oder auf humusreichen Böden (Humusgehalt > 4%) die Herbstdüngung zusätzlich ein.

  • Festmist von Huf- und Klauentieren (Rinder, Schweine, Pferde) sowie Kompost unterliegen nicht der 30/60er N-Regel und dürfen auch gestreut werden, wenn im Herbst kein Düngebedarf vorliegt. Die max. Menge muss sich am Bedarf der nächsten Hauptfrucht orientieren.

  • Eine Düngung auf Ackerland ist nur bis zum 1. Oktober möglich, die Sperrfrist gilt bis zum 31.01.

  • Alle organischen Dünger mit wesentlichem Gehalt an verfügbarem Stickstoff (> 10% NH4-N Anteil) sind auf unbestelltem Acker unverzüglich, spätestens aber innerhalb von vier Stunden einzuarbeiten. In den roten Gebieten beträgt die Einarbeitungspflicht auf unbestelltem Acker eine Stunde.

  • Erfolgt eine Herbstdüngung zu Raps oder Gerste, ist diese auf den N-Bedarfswert im Frühjahr anzurechnen. Die im Frühjahr ausbringbare N-Menge verringert sich damit um diesen Anteil. Mineralische N-Dünger sind mit 100% anzurechnen. Bei organischen bzw. organisch-mineralischen Düngern gilt der verfügbare Stickstoff, also die Summe aus Nitrat- und Ammonium-N (NH4). Da in der Regel Nitrat in organischen Düngern kaum messbar vorliegt, entspricht der gemessene NH4-Gehalt dem verfügbaren N-Gehalt.

Rote Gebiete ab 2021

Ab dem Jahr 2021 wird in den roten Gebieten eine Herbstdüngung zu Raps und Gerste grundsätzlich nicht mehr zulässig sein. Bei begrenzter N-Menge (wie es in den roten Gebieten Realität werden wird), ist eine N-Düngung im Frühjahr in der Regel effektiver als eine Gabe im Herbst. Das belegen Versuche der LWK Niedersachsen. Daher wird es zukünftig in diesen Regionen noch wichtiger alle pflanzenbaulichen Möglichkeiten zu ergreifen, um eine ausreichende Herbstentwicklung zu ermöglichen und eine Herbstdüngung tatsächlich überflüssig zu machen.

Optimale Saatbedingungen, geringerer N-Düngebedarf

Zu den ackerbaulichen Maßnahmen für einen optimalen Start zählen:

  • Eine intensivere Bodenbearbeitung fördert die N-Mineralisierung im Boden.

  • Eine optimale Kalkversorgung schafft gute Bedingungen für Bodenbakterien.

  • Durch eine gleichmäßige und tiefere Einarbeitung des Vorfruchtstrohes lässt sich eine kurzfristige N-Bindung durch die Strohrotte vermindern.

  • Damit die neue Saat den Bodenstickstoff optimal aufnehmen kann, empfiehlt es sich, die Durchwurzelbarkeit zu fördern. Die Bildung von Kluten und größeren festen Aggregaten gilt es zu vermeiden. Der hier enthaltene Stickstoff ist für die Pflanzen zunächst nicht verfügbar.

  • Eine größere Bedeutung hat unter der begrenzten Düngemenge der optimale Saattermin. Spätsaaten beinhalten die Gefahr, dass gerade bei knapper N-Versorgung die Entwicklung der Pflanzen im Herbst relativ schwach bleibt. Jedoch ist es auch keine Lösung, die Saattermine zukünftig einfach vorzuverlegen. Zum einen steigt die Gefahr der phytosanitären Probleme (z.B. Kohlfliege bei Raps, Schwarzbeinigkeit und Blattläuse bei Getreide).

    Zum anderen liegt das Risiko der Frühsaaten darin, dass die Pflanzen sich so weit entwickeln, dass sie auch Ertragsorgane anlegen. Ist die N-Versorgung dann begrenzt, kann dies dazu führen, dass die Pflanzen verstärkt mit Reduktionsprozessen reagieren.

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Raps: Möglichst ohne Herbst-N

Niederschläge und milde Temperaturen rechtzeitig zur Rapsaussaat ergaben in vielen Regionen optimale Bedingungen für das Auflaufen. Die noch überdurchschnittlichen Bodentemperaturen sorgten für eine zügige Entwicklung der Rapspflanzen und hohe N-Mineralisierungsraten.

Eine gute Herbstentwicklung ist die Basis für hohe Erträge. Legen die Pflanzen ausreichend Blätter an, entwickeln sich auch die Seitentriebe erster Ordnung gut, sodass die Pflanzen intensiv verzweigen. Ab dem 6-Blattstadium erfolgt zudem die Differenzierung der Blütenprimordien. Gesteuert durch die Tageslänge geht der Raps im Frühjahr zügig in die Streckung über. In der Folge schließt er die Anlage der Ertragsorgane früh ab. Als optimale Entwicklung vor dem Winter können im Mittel angesehen werden:

  • 25 bis 35 Pflanzen/m2 gleichmäßig verteilt, bei Einzelkornsaat reichen 20 bis 25 Pflanzen/m²,
  • 8 bis 10 (max. 12) Blätter,
  • Wurzelhalsdurchmesser von 8 bis 10 mm.

Im Mittel der Jahre kann davon ausgegangen werden, dass Rapspflanzen, die gegen Ende September vier bis sechs Laubblätter ausgebildet haben, auch die dargestellte optimale Entwicklung vor Winter erreichen werden. Aber man sollte dabei die Entwicklung der Einzelpflanze immer im Zusammenhang mit der Bestandesdichte sehen. In dünnen Rapsbeständen mit weniger als 25 bis 30 Pflanzen/m² ist es ratsam, Ende September eher das 6-Blattstadium als Entwicklungsziel anzustreben.

Wann ist eine N-Gabe nötig?

Ob eine Herbst-N-Gabe nötig ist, um die vegetative Entwicklung zu fördern, gilt es zu prüfen. Grundsätzlich ist eine Düngung zu Vegetationsbeginn effektiver als im Herbst. Nur, wenn sich deutliche Mangelsituationen einstellen und der Raps unterentwickelt in den Winter zu gehen droht, sollte man eine N-Düngung in Betracht ziehen. Diese sollte möglichst frühzeitig erfolgen. Die Sperrzeit für N-haltige Düngemittel ab dem 1. Oktober ist zu beachten. Betroffen sein könnten Rapsbestände,

  • die um den 25. September voraussichtlich 3 bis 4 oder weniger Laubblätter aufweisen werden und
  • die bisher keine N-Düngung zur Saat erhalten haben.

In diesen Fällen kann eine N-Gabe in Höhe von ca. 20 bis 25 kg N/ha sinnvoll sein. Der Einsatz von Gülle ist etwa ab dem 2. Laubblatt des Rapses ebenfalls möglich.

Potenzial und Grenzen von Flüssigdüngern

AHL lässt sich mit ca. 30 l/ha (bei 200 l/ha Gesamtflüssigkeit) zur Insektizid-/Fungizidspritzung zumischen. Dabei sollten Sie AHL immer als letztes einfüllen. FOP-Produkte zur Bekämpfung des Ausfallgetreides, wie z.B. Fusilade Max, lassen sich dagegen nicht in AHL pur ausbringen.

Mischungen aus Wasser plus AHL in einem Verhältnis von 9:1 sind nach Herstellerangaben möglich, soweit Sie keine weiteren Produkte, insbesondere Fungizide oder Wachstumsregler einsetzen.

Nach eigenen Erfahrungen ist es nicht sinnvoll gräserwirksame Herbizide mit AHL zu...


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