Uni Kiel

Umsetzung des Green Deal wird teuer

Laut einer Umfrage besteht unter deutschen Landwirten eine hohe Bereitschaft für Eco-Schemes. Jeder Zweite wäre dafür mit einer Umschichtung von bis zu 30 % der Mittel der Ersten in die Zweite Säule einverstanden.

Bei der Umsetzung des Green Deal setzt das derzeit dafür vorgesehene Budget enge Grenzen für die Honorierung von Eco-Schemes. Laut einer von der Edmund Rehwinkel-Stiftung der Landwirtschaftlichen Rentenbank unterstützten Studie eines Forscherteams um Prof. Uwe Latacz-Lohmann von der Universität Kiel ist es grundsätzlich möglich, die mit dem Green-Deal angestrebten Ziele über freiwillige Maßnahmen - verbunden mit Kompensationszahlungen - anzusteuern.

In einer Umfrage für die Untersuchung zeigte sich nach Angaben von Latacz-Lohmann eine hohe Bereitschaft der Landwirte zur Einführung von Eco-Schemes wie Grünbrachen, vielfältige Ackerkulturen, Altgrasstreifen oder eine Reduzierung des Mineraldüngereinsatzes. Dabei war etwa jeder zweite Teilnehmer damit einverstanden, dass 20 % bis 30 % der Gelder aus der Ersten-Säule für diesen Zweck bereitgestellt werden. Über die für entsprechende Eco-Schemes erreichbare Teilnahmefläche entscheidet nach Darstellung der Forscher nicht zuletzt die Höhe der Kompensationszahlungen.

Budget schnell überschritten

Für das Eco-Scheme „Grünbrache“ errechneten die Wissenschaftler aus den Angaben der an der Umfrage beteiligten Landwirte für die angestrebten 7 % der deutschen Ackerfläche beispielsweise eine mittlere notwendige Kompensationszahlung von 733 €/ha. Dies würde 819.000 ha oder einem Prämienvolumen von 600 Mio. € entsprechen.

Damit wäre von dem insgesamt zur Verfügung stehenden Budget für Eco-Schemes von gut 1 Mrd. € bereits mehr als die Hälfte verbraucht, konstatieren die Kieler Forscher. Je nach regionaler Flächenverfügbarkeit gehen die vorausgesetzten Förderhöhen zudem deutlich auseinander.

Für die Senkung des Düngereinsatzes um ein Fünftel auf 60 % aller Flächen wäre nach den vorliegenden Berechnungen eine Kompensation von 315 €/ha erforderlich. Würde man die im Green Deal angestrebte Reduktion des Düngemitteleinsatzes um 20 % und die Minderung der Nährstoffverluste um die Hälfte zum Beispiel rein über das Eco-Scheme „Reduktion des Stickstoffbedarfs“ erzielen wollen, müsste dieses auf der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche (LN) Deutschlands umgesetzt werden, was außerdem eine Kompensation von 515 €/ha notwendig machen würde.

Flankierende Maßnahmen nötig

Wie Latacz-Lohmann darüber hinaus feststellt, wären bei einer vollständigen Umsetzung des Green-Deal-Ziels für einen Bracheanteil von bundesweit 10 % - davon 3 % nichtproduktive Fläche und weitere 7 % Grünbrache - insgesamt rund 820 Mio. € an staatlichen Beihilfen erforderlich; für die Reduzierung des Düngereinsatzes auf 60 % der Fläche seien es etwa 3,2 Mrd. € und für breitere Fruchtfolgen auf der Hälfte der deutschen Ackerfläche immerhin 1,0 Mrd. €.

Verfügbar zur Finanzierung der Eco-Schemes seien absehbar aber nur etwa 1,1 Mrd. € pro Jahr, gibt der Kieler Agrarökonom zu bedenken. Deshalb sei es mit dem derzeitigen Agrarhaushalt nicht möglich, mehrere Ziele des Green Deal zu finanzieren. Für deren Erreichung hält Latacz-Lohmann daher flankierende Maßnahmen wie die Agrarumweltprogramme im Rahmen der Zweiten Säule für erforderlich, schließt aber auch ordnungsrechtliche Vorgaben nicht aus.


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