Kommentar

Verschärfung der DüngeVO: „Knüppel aus dem Sack!“

Das ist schon ein starkes Stück: Für die Praxis völlig überraschend kündigte das Berliner Landwirtschaftsministerium die nächste Verschärfung der Düngeverordnung an. Und das schon für das kommende Jahr.

Ein Kommentar von Anselm Richard, Chefredakteur beim Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben.

Im Mai 2020 soll es die nächste Verschärfung der Düngeverordnung geben. Das hat das BMEL jetzt mitgeteilt. Dabei sind die Landwirte noch dabei, die erst 2017 grundlegend erneuerte Düngeverordnung und die 2018 zur Pflicht gemachte Stoffstrombilanz zu verarbeiten. Niemand kann sagen, welche Auswirkungen diese Reformen haben; sie beginnen erst zu wirken. Warum also jetzt der neue Knüppel aus dem Sack?

Ganz einfach: Das Agrarministerium hat sich verkalkuliert. Die Modernisierung der Düngegesetzgebung ist in Deutschland unter starken Geburtswehen abgelaufen. Mehrere Jahre gingen ins Land, bis zur Abwehr eines EU-Vertragsverletzungsverfahrens tatsächlich alle relevanten Vorschriften runderneuert waren.

Oberstes Ziel war und ist der Schutz der Oberflächengewässer und des Grundwassers vor Nährstoffeinträgen. Am Ende standen harte Einschnitte für die Tierhaltung, aber auch viele Kompromisse, mit denen sich sowohl die Landwirte als auch die Verfechter noch strengerer Vorgaben zähneknirschend abgefunden haben.

Für viele Familienbetriebe bedeuten die neuen Vorschriften und Pflichten sowohl Einschränkungen und Mehrkosten als auch neue bürokratische Pflichten. Wenn man auch zugestehen muss: Es hätte schlimmer kommen können.

Das kommt wohl jetzt. Denn was Julia Klöckner und ihr Staatssekretär Hermann Onko Aeikens verkünden, sind keine kosmetischen Korrekturen, sondern richtige Knaller. So soll der betriebliche Nährstoffvergleich wohl durch eine neue schlagspezifische Komplettaufzeichnung aller ausgebrachten Düngemittel ersetzt werden. Noch gravierender: Der sogenannte Kontrollwert, also im Kern der zulässige Nährstoffüberschuss, soll gänzlich gestrichen werden. Hier geht es bei Stickstoff um 50 oder 60 kg/ha. Alles andere als eine Kleinigkeit!

Diejenigen, die eigentlich überhaupt keine Schwierigkeiten mit Nährstoffüberschüssen haben, werden sich über die zusätzlichen Dokumentationspflichten ärgern, und zwar zu Recht. Alles in allem: Ein neuer Schlag ins Kontor vieler Familienbetriebe, die wirtschaftlich ohnehin gebeutelt sind.

Offenbar hat die Bundesregierung lange gewusst, dass sie um eine Nachbesserung der Düngeverordnung nicht herumkommen würde, und entsprechend mit Brüssel verhandelt. Den Landwirten hat sie das aber verschwiegen. Das ist politisch unklug und kann viel Vertrauen verspielen – gerade weil die Landwirte zunehmend das Gefühl beschleicht, dass jegliche Planungssicherheit abhanden kommt.

Selbstverständlich beteuert Julia Klöckner nun, dass sie die Landwirte bei der Umsetzung der neuen Vorschriften begleiten will. „Flankierende Maßnahmen“ sollen den Bauern helfen. Doch wie die aussehen sollen, weiß niemand. Tischlein, deck dich und Goldesel werden wohl nicht dabei sein…

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Die Bundesregierung legte der Europäischen Kommission gestern Vorschläge für eine erneute Anpassung der Düngeverordnung vor. Die Maßnahmenliste umfasst insbesondere strengere Vorgaben für...


Diskussionen zum Artikel

von Matthias Zahn

www.schleppschlauch-nein-danke.de

Nicht jammern sondern machen! Der Anfang ist gemacht, jetzt braucht es Unterstützer! Eigeninitiative ist gefragt!

von Joachim Löber

Angepasste Tierhaltung

Bei uns Ökos gibt es eine an die Fläche angepasste Tierhaltung. Nur das ist der Schlüssel für weniger Gülle und Nitrat! Solange in Deutschland immer noch Ställe gefördert werden, sind wir auf dem Holzweg.

von Yvonne Richter

Lamentieren hilft nicht

Unsere Kontakdaten liegen der Redaktion vor.

von Yvonne Richter

Lamentieren hilft nicht

Solange Politiker sich anmaßen, über die Köpfe von denen die sie gewählt haben hinwegsetzen zu können wird es immer wieder Entscheidungen von Nichtskönnern geben, die ALLES KÖNNEN, egal auf welchem Gebiet. Im Industriebereich muss man ja "Rücksicht" auf die Lobby nehmen. Welche ... mehr anzeigen

von Karlheinz Gruber

Herr Hahn

ich sehe im Grunde sind wir wirklich nicht weit voneinander. Aber genau dieses System fordern halt die NGOs auf den Rücken der kleinen. Und so hart es auch klingt, auch viele Kleine können/werden große Auswirkungen haben. Und Proben sollten nicht an einer Stelle, sondern für mich ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Herr Freese,

das fragen sich bereits immer mehr. Zusätzlich sollte man sich bei dem eigenen Wasserwerk nach der Belastung der nahe liegenden Messstellen und den unterschiedlichen Messtiefen sowie über die letzte Entwicklung erkundigen, auch die Fördertiefe ist wichtig. Die Daten und Ergebnisse ... mehr anzeigen

von Hermann Freese

sollten die Nitratwerte ausschlaggebend sein und ausschließlich aus einem Belastungsnetz stammen und nicht aus representativen Messungen, warum verklagen wir die Bundesregierung dann nicht? Anders gesagt, warum gehen wir nicht juristisch gegen die neu-kommende DüVo vor?

von Heinrich-Bernhard Muenzebrock

Ungerechtigkeit

anstatt die Ackerbauern zu immer mehr Bürokratie zu verpflichten, sollte man auch die Grünlandbetriebe genauer unter die Lupe nehmen. Hier gibt es keine Werte von der LWK und nicht einmal eine Verpflichtung zur N/min Feststellung. Die N/min Werte werden nur für Kulturen im Bereich ... mehr anzeigen

von Gerd Woertel

Immer auf die Keinen

Man sollte die gewebliche Landwirtschaft verbiebieten dann würden alle Probleme schnell gelöst. Das Geld würde in der Region bleiben und die Landwirte wären nicht mehr Sklaven in ihren eigenen Ställen . Durch sinkende Tierzahlen gibt es sicher bessere Preise. Ich habe aber wenig ... mehr anzeigen

von Heinz Hahn

Falsch verstanden...

Herr Gruber, ich bin nicht von gestern. In unserem Betrieb ist die Technik vorhanden. Ich stelle nicht die nähstoffermittlung und Dokumentation in Frage. Ich sage nur dass jeder die bedarfsermittlung tun sollte. Auch die kein und kleinstbetriebe. Bei uns in der Region sind der ... mehr anzeigen

von Karlheinz Gruber

Herr Hahn

jede Schlagkartei verfügt in der Zwischenzeit über ein Rechenwerk. Das heißt die gesamte ausgebrachte Menge wird eingegeben und somit auf das Feld dokumentiert, was auch paßt wenn ich überall gleich fahre. Abdrehen des Streuers ist halt eine Grundvoraussetzung. Dies wird auch bei ... mehr anzeigen

von Markus Baier

Knüppel aus dem Sack

Wird Zeit dass die Landwirtschaft mal langsam den Knüppel aus dem Sack lässt. Und zwar in Richtung Berlin.

von Heinz Hahn

Herr Gruber...

Da bin ich mal gespannt wie die sogenannten kleinbäuerlichen Betriebe der schlagbezogenen Dokumentation nachkommen wollen... Das ist ein Schlag ins Gesicht. Hier im Südwesten liegt die Schlaggröße im Durchschnitt kaum über 1ha. Wie wollen Kleinbetriebe die exakte ausgebrachte ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Diese Düngeverordnung beschleunigt den Klimawandel.

Macht nix, sagt das BMEL. Hauptsache die Ideologie stimmt.

von Renke Renken

Es ist an der Zeit,

gelbe Westen anzuziehen. Fakt ist, was unsere Politiker anfassen, auf allen Ebenen , ist praktisch schon im Vorfeld zum Scheitern verurteilt, oder kostet Unsummen von Steuergeldern

von Karlheinz Gruber

Na ja,

zumindest die Dokupflicht sehe ich nicht so problematisch. jeder moderne, betriebswirtschaftlich arbeitende Landwirt hat eine Ackerschlagkartei, wo er eh alles reinschreibt was er am Feld tut. Das ist eigentlich ein Grundsatz des guten Ackerbaus und eines integrierten, umweltgerechten ... mehr anzeigen

von Karlheinz Gruber

Na ja,

zumindest die Dokupflicht sehe ich nicht so problematisch. jeder moderne, betriebswirtschaftlich arbeitende Landwirt hat eine Ackerschlagkartei, wo er eh alles reinschreibt was er am Feld tut. Das ist eigentlich ein Grundsatz des guten Ackerbaus und eines integrierten, umweltgerechten ... mehr anzeigen

von Hans Nagl

Jetzt mal fragen warum gibt's die DüngeVo

Die letzten Jahre wurde doch das Jahrhunderte alte Prinzip der Kreislaufwirtschaft in der Landwirtschaft über Bord geworfen. Oder andersrum wenn alle Gülle wieder auf den Acker ausgebracht wird wo das Futter herkam, dann bräuchten wir keine DüngeVo.

von Volker Hahn

leguminosen

dürfen wir in Zukunft aber en masse anbauen ... und schicken damit ein Vielfaches an Nitrat ins Grundwasser. Wie dämlich sind unsere Regierungsbeamte eigentlich, dass sie nicht in der Lage sind, simpelste Zusammenhänge, die jeder GUTE Lehrling in seiner Ausbildung vermittelt bekam, ... mehr anzeigen

von Thomas U. Cordula Schulz

Es wird Zeit

Ich denke wir tun gut daran nicht mehr alles zu schlucken, wir versuchen seit Jahren dem Ärger aus dem Weg zu gehen. Wir passen uns an, es kostet aber unser Geld! Es wird Zeit dem Verbraucher klar zu von was er alles abhängt. 1. Strom, viele Landwirte gemeinsam währen wohl in der ... mehr anzeigen

von Torsten Kremershof

Herr Grimm,

Dann wird es nach meiner Meinung höchste Zeit der Politik gegenüber auch klare Worte zu sprechen. Und nicht wie sonst von den Bundestagsabgeordneten die gleichzeitig im Verband sitzen sich wieder auf Kuschelkurs mit Frau Klöckner und den Umweltverbänden zu begeben. Was wir Landwirte ... mehr anzeigen

von Georg Summerer

Betrug!

Die alte und neue Düngeverordnung basiert einzig und allein auf dem Betrug bei den Nitratmessungen!

von Hermann Kamm

Glaubwürdigkeit und Planungssicherheit gibts nicht mehr. ( leider )

ich hoffe das jeder Landwirt zukünftig weiß das uns diese Politik der Bundesregierung nichts geholfen hat. Vielleicht weiß spätestens jetzt jeder Landwirt wen er zur EU Wahl wählen soll??????????????

von Gregor Grosse-Kock

Đüngeverordnung

Hauptsache Klärwerke und Adblue Verbraucher sind mit in der Đüngeverordnung Abwasser 10% Stickstoff, nach dem Klärwerk und auf einem m3 Gülle kommen 27 m3 Abwasser. Bei den Lkw werden im Jahr 3,6Mio to Adblue Verbraucht, nach dem Auspuff ergibt das mit Diesel Ammoniumnitrat. ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Herr Kremershof, ja

wir müssen was tun. Der DBV hat am 12.und 13. 2 Sitzungen. Leute, Angriff ist die beste Verteidigung oder wollt ihr kriechen?

von Jörg Meyer

solange die Subventionen fließen

werden die Auflagen immer mehr werden. Ob es ohne Subventionen anders wäre? Zumindest wären nicht mehr soviele NGOs und andere mit an den Töpfen und müssten sich andere Geldquellen suchen. Das Ganze geht sowieso nicht von heute auf morgen, sollte aber ernsthaft diskutiert werden über ... mehr anzeigen

von Wilhelm Grimm

Für uns ist das Maß voll,

beim BMEL ist die Maß wohl zu voll gewesen.

von Wilhelm Grimm

"Knüppel aus dem Sack"

aber Tischlein deck dich nicht aus deutschen Landen frisch auf den Tisch.

von Torsten Kremershof

Warum gehen wir nicht endlich auf die Barikaden !!

Habe es schon mehrfach geschrieben . Die Regelungswut der Bundesregierung und EU kennt keine Grenzen mehr. Die Landwirtschaft in Deutschland wird abgeschafft ! Dann sollten wir aber genau wie auch der Ausstieg aus der Braunkohle uns das bitte finanziell vergüten lassen . Die deutsche ... mehr anzeigen

von Thomas Blöthner

Ein großes Land

im Osten schickt sich schon an unsere Versorgung mit Nahrungsmittel zu übernehmen. Die Energieversorgung läuft ja schon ..... Hier saufen sich gerade gewisse Kreise die Welt schön und erfinden die Landwirtschaft ganz neu. Und wer da alles Fachwissen hat - kaum zu glauben. lg

von Rudolf Rößle

Bio

alle sind 2023 Bio. Frau Klöckner hat nur vergessen es zu sagen.

von Wilhelm Grimm

Glückliche Bayern !

Die haben nur: "Schwieriger als fast alles"

von Wilhelm Grimm

Wie bereits die Gas-Pipeline angekündigt hat:

"EUROPA ist am Ende".

von Wilhelm Grimm

NEUDEUTSCH:

"BÜROKRATIEABBAU"

von Thomas u. Helmut Gahse GbR

Wer es noch nicht gemerkt hat,

die bäuerliche Landwirtschaft wird abgeschaft, allen Beteuerungen zum Trotz.

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