Weltklimarat fordert Kehrtwende in der Landwirtschaft

Als „keine Option“ bezeichnen die Wissenschaftler des Weltklimarates ein „Weiter-so“ in der weltweiten Landnutzung. Doch sie machen der Landwirtschaft auch Hoffnung.

Der Weltklimarat (IPCC) hat heute in Genf einen Sonderbericht über Klimawandel und Landsysteme vorgelegt. Darin fordert er ein sofortiges Umsteuern in der weltweiten Landnutzung und Landwirtschaft. Die Wissenschaftler seien sich einig, dass mit Blick auf die Landnutzung „ein Weiter-so keine Option mehr ist“, sagte Prof. Hans-Otto Pörtner, der als einer von sechs Hauptautoren aus Deutschland an dem Bericht mitgearbeitet hat, bei der Vorstellung des Berichtes vor der deutschen Presse in Berlin.

CO2 Speicherfunktion der Landnutzung sinkt

Land- und Forstwirtschaft und andere Formen der Landnutzung sind laut dem Bericht für 23 Prozent des menschengemachten Treibhausgas-Ausstoßes verantwortlich. Darunter fallen laut dem Bericht ein Anteil von 13 % an den CO2-, von 44 % an den Methan-(CH4) und 82 % an den Lachgasemissionen (N2O). Werden die Vor- und nachgelagerten Bereiche der Lebensmittelproduktion, der Transport sowie die Lebensmittelverschwendung mitberücksichtigt, wächst der Anteil an den Treibhausgasemissionen auf bis zu 37%, heißt es weiter. Dem gegenüber steht, dass 30 Prozent der CO2 Emissionen von Pflanzen und Böden gebunden werden können. Die CO2 Speicherkapazität von Land nehme aktuell jedoch ab, warte Prof. Pörtner.

Weniger Fleisch und mehr Bioenergie

Konkret fordert der Weltklimarat die CO2-Speicher wiederaufzubauen, über die Nutzung von Bioenergie weiteres CO2 zu binden und zu speichern, mehr Waldgebiete auszuweisen und CO2 wieder aus der Atmosphäre zu entfernen. Die Landwirtschaft könne und müsse zu diesen vier Punkten einen Beitrag leisten indem sie die Nahrung nachhaltiger produziere und dem Verlust von Bodenfruchtbarkeit entgegenarbeite. Außerdem habe der Konsum von Getreide, Nüssen und Gemüse einen geringeren CO2 Fußabdruck als der von Fleisch, betonte Prof. Pörtner weiter. Dabei sei es jedoch wichtig weltweit auch die kulturellen Bräuche bei der Auswahl von Nahrung zu berücksichtigen.

Politische Unterstützung nötig

Die Wissenschaftler machten in ihrem Bericht und bei der Präsentation auch demonstrativ Hoffnung, dass es für Veränderungen in der Landnutzung zu Gunsten des Klimas noch nicht zu spät ist. „Wir können etwas tun, um die Bodendegradation zu bekämpfen und den Klimawandel zu verhindern und daran anzupassen“, sagte Pörtner. Er bezeichnete es als „politische Herausforderung“ die Land- und Forstwirtschaft dabei nicht allein zu lassen. „Der Landsektor braucht Unterstützung, alleine schafft er das nicht“, sagte Pörtner. Dennoch drängte er auf schnelle Entscheidungen. „Ein frühes Einsetzen der Maßnahmen wäre wichtig, denn das minimiert die Kosten“, so Pörtner.

Für ihren Bericht haben 107 Wissenschaftler aus 52 Ländern seit 2016 mehr als 7000 Studien ausgewertet. Eine Zusammenfassung in deutscher Übersetzung des Berichtes gibt es hier:

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