Textilbranche interessiert

Winterhanf: Zwischenfrucht mit Erntepotenzial

Die Textilindustrie interessiert sich zunehmend für die Fasern des Winterhanfes zur Herstellung von Textilfasern. Aber auch als Zwischenfrucht kann die Pflanze punkten.

Unser Autor: Michael Dickeduisberg, LWK Nordrhein-Westfalen

Bis spannende Ideen im Pflanzenbau den Weg in die Praxis finden, ist es oft ein steiniger Weg. Nicht selten endet dieser auch in einer Sackgasse. In vielen Fällen mangelt es an Vermarktungschancen. Hanf als Winterzwischenfrucht ist jedoch der Schritt vom Experiment zum bundesweiten Einsatz gelungen. Lag der Anbauumfang 2017 bei 149 ha, stieg er 2020 auf 697 ha an und wird sich voraussichtlich 2021 weiter ausdehnen.

Trend: Heimische Naturfaser

Der hohe Bedarf an heimischen Naturfasern hoher Qualität zu möglichst geringen Kosten treibt die Zunahme der Anbaufläche deutlich voran. „Die Textilbranche erlebt zurzeit eine Renaissance“, erklärt Dr. Heiko Beckhaus, Geschäftsführer der NFC GmbH Nettle Fibre Company in Mecklenburg-Vorpommern. Dort verarbeitet seine Firma Stroh von Winterhanf zu feinen elementaren Hanffasern.

„Synthetische Stoffe sind für eine zunehmende Zahl Allergiker nicht tragbar und verunreinigen durch Mikroplastik bei jedem Waschgang die Gewässer. Baumwolle befindet sich zudem wegen des hohen Pflanzenschutzmitteleinsatzes, des Wasserverbrauchs und den unsozialen Produktionsbedingungen zunehmend in der Kritik“, so Beckhaus weiter. Heimische Designer suchen daher nach Alternativen für feine Fasern mit entsprechender Reißfestigkeit, um strapazierfähige Kleidung mit hohem Tragekomfort zu fertigen.

Interessanter Absatz

Hanf als Faserpflanze ist vergleichsweise einfach zu kultivieren und die Fasergehalte sind mit 30% höher als beispielsweise bei Fasernesseln. „Wir haben in den letzten Jahren neue Verfahren zur Aufbereitung entwickelt und können inzwischen 75% der Fasern einer Hanfpflanze zu feinen Hanfgarnen verarbeiten“, erläutert Unternehmer Beckhaus.

Winterhanf zeichnet sich – im Gegensatz zum bekannten Sommerhanf – durch eine Aussaat im Juli/August und durch sehr feine, stabile Fasern aus. Dies findet seine Honorierung im Erzeugerpreis, der 2020 bis zu 300 €/t Stroh betrug. Ökonomisch kann der Anbau auch deshalb schnell interessant werden, da er nicht den üblichen Konkurrenzbetrachtungen von Sommerungen unterliegt. In der Fruchtfolge muss lediglich die Abwägung zwischen einer Standardzwischenfrucht und Winterhanf erfolgen. Wobei zu bedenken ist, dass Winterhanf nicht für das Greening zählt.

Die Etablierung ähnelt anderen Zwischenfrüchten. Unterschiede bestehen lediglich in etwas höheren Saatgutkosten für Hanf (5 €/kg). Die Aufwendungen für Mähen und Pressen zur Ernte sollten die Verkaufserlöse im Idealfall mehr als ausgleichen.

Einfacher Anbau

Damit sich der eigentlich in den Sommermonaten wachsende...