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Winterhanf: Zwischenfrucht mit Erntepotenzial

Die Textilindustrie interessiert sich zunehmend für die Fasern des Winterhanfes zur Herstellung von Textilfasern. Aber auch als Zwischenfrucht kann die Pflanze punkten.

Lesezeit: 7 Minuten

Unser Autor: Michael Dickeduisberg, LWK Nordrhein-Westfalen

Bis spannende Ideen im Pflanzenbau den Weg in die Praxis finden, ist es oft ein steiniger Weg. Nicht selten endet dieser auch in einer Sackgasse. In vielen Fällen mangelt es an Vermarktungschancen. Hanf als Winterzwischenfrucht ist jedoch der Schritt vom Experiment zum bundesweiten Einsatz gelungen. Lag der Anbauumfang 2017 bei 149 ha, stieg er 2020 auf 697 ha an und wird sich voraussichtlich 2021 weiter ausdehnen.

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Trend: Heimische Naturfaser

Der hohe Bedarf an heimischen Naturfasern hoher Qualität zu möglichst geringen Kosten treibt die Zunahme der Anbaufläche deutlich voran. „Die Textilbranche erlebt zurzeit eine Renaissance“, erklärt Dr. Heiko Beckhaus, Geschäftsführer der NFC GmbH Nettle Fibre Company in Mecklenburg-Vorpommern. Dort verarbeitet seine Firma Stroh von Winterhanf zu feinen elementaren Hanffasern.

„Synthetische Stoffe sind für eine zunehmende Zahl Allergiker nicht tragbar und verunreinigen durch Mikroplastik bei jedem Waschgang die Gewässer. Baumwolle befindet sich zudem wegen des hohen Pflanzenschutzmitteleinsatzes, des Wasserverbrauchs und den unsozialen Produktionsbedingungen zunehmend in der Kritik“, so Beckhaus weiter. Heimische Designer suchen daher nach Alternativen für feine Fasern mit entsprechender Reißfestigkeit, um strapazierfähige Kleidung mit hohem Tragekomfort zu fertigen.

Interessanter Absatz

Hanf als Faserpflanze ist vergleichsweise einfach zu kultivieren und die Fasergehalte sind mit 30% höher als beispielsweise bei Fasernesseln. „Wir haben in den letzten Jahren neue Verfahren zur Aufbereitung entwickelt und können inzwischen 75% der Fasern einer Hanfpflanze zu feinen Hanfgarnen verarbeiten“, erläutert Unternehmer Beckhaus.

Winterhanf zeichnet sich – im Gegensatz zum bekannten Sommerhanf – durch eine Aussaat im Juli/August und durch sehr feine, stabile Fasern aus. Dies findet seine Honorierung im Erzeugerpreis, der 2020 bis zu 300 €/t Stroh betrug. Ökonomisch kann der Anbau auch deshalb schnell interessant werden, da er nicht den üblichen Konkurrenzbetrachtungen von Sommerungen unterliegt. In der Fruchtfolge muss lediglich die Abwägung zwischen einer Standardzwischenfrucht und Winterhanf erfolgen. Wobei zu bedenken ist, dass Winterhanf nicht für das Greening zählt.

Die Etablierung ähnelt anderen Zwischenfrüchten. Unterschiede bestehen lediglich in etwas höheren Saatgutkosten für Hanf (5 €/kg). Die Aufwendungen für Mähen und Pressen zur Ernte sollten die Verkaufserlöse im Idealfall mehr als ausgleichen.

Einfacher Anbau

Damit sich der eigentlich in den Sommermonaten wachsende Hanf ausreichend entwickelt, muss man ihn unmittelbar nach einer frühräumenden Vorfrucht, wie Wintergerste oder Getreide-GPS, aussäen. Dabei werden 25 kg/ha Saatgut mit einer normalen Sämaschine auf maximal 3 cm Ablagetiefe in ein sehr gut hergerichtetes Saatbett abgelegt. Vorab empfiehlt es sich, eine organische Düngung im Rahmen der nach Düngeverordnung zulässigen N-Menge vorzunehmen.

„Eine Zwischenfrucht, die Nährstoffe benötigt und sogar Erlöse ermöglicht, passt super in unsere Betriebsstruktur“, freut sich Landwirt Johannes Döppert, der seit 2019 Winterhanf anbaut. Für den Schweinemäster aus Bayern haben Zwischenfrüchte einen hohen Stellenwert, da der Zuckerrübenanteil in seiner Fruchtfolge hoch ist.

Geerntet wird der Winterhanf im Frühjahr von Mitte Februar bis Mitte März bei befahrbarem Boden mit einem herkömmlichen Mähwerk. Dabei gilt es, auf scharfe Messer zu achten, um die Fasern sauber abzutrennen. Bedingt durch die bewusst geringe Bestandesdichte lässt sich der Hanf in der Regel mit unter 20% Restfeuchte mähen und unmittelbar aus dem Schwad in Ballen pressen. Dabei hinterlässt er eine gute Bodengare und räumt frühzeitig den Acker, um eine Mais-, Rüben- oder Gemüsehauptfrucht etablieren zu können.

Knackpunkt Ertrag

Als Landwirt Joachim Klack aus Versmold (NRW) die Idee des Winterhanfanbaus entwickelte und diesen ab 2017 großflächig anbaute, erzielte er Erträge von 3 t/ha und war begeistert: „Die ersten Erprobungen waren brillant.“ Leider konnten die letzten zwei Jahre mit starker Sommertrockenheit daran nicht anschließen. Starke Trockenheit nach der Aussaat führten auch am Versuchsstandort Haus Düsse zu Problemen bei der Pflanzenentwicklung. Um die witterungsbedingten Schwierigkeiten besser lösen zu können, sollten weitere Versuche und Praxistests erfolgen.

Je nach Witterung ist aktuell mit Erträgen zwischen 0,6 und 2,8 t/ha Trockenmasse zu rechnen. „Aber auch ohne Ernte hat der Winterhanfanbau seine positiven Effekte“, berichtet Landwirt Klack. „In den Winterhanffeldern sind oft Scharen von Vögeln auf Nahrungssuche, oder sie nutzen die Bestände zur Deckung.“ Weil Hanf den Vögeln sehr gut schmeckt, ist es auch in vielen Vogelfuttern enthalten.

Pluspunkt Bodengare

Das sieht auch sein Kollege Johannes Döppert so: „Über den Zwischenfruchtanbau konnte ich mich ohne wirtschaftliches Risiko mit der faszinierenden Kultur Hanf beschäftigen.“ Der Schweinehalter hatte für die erste Aussaat 2019 eine Fläche geteilt. Zwar war der Bestand aufgrund der Trockenheit nicht erntewürdig, aber dennoch war Döppert zufrieden: „Die Bodengare im Frühjahr zur Maisaussaat war besser als auf der nicht mit Hanf bestellten Fläche.“

Diesen Eindruck kann auch Landwirt Ludwig Wreesmann aus dem niedersächsischen Friesoythe bestätigen. Er legt viel Wert auf konservierende Bodenbearbeitung und Humusaufbau in seinem Ackerbaubetrieb. So war er auf Hanf als Winterzwischenfrucht aufmerksam geworden.

Da der Anbau im Vergleich zu anderen Zwischenfrüchten nur unwesentlich teurer ist, besteht für ihn kaum ein ökonomisches Risiko, wenn er auf Winterhanf setzt. Selbst nicht erntewürdige Bestände erfüllen die klassischen, bodenverbessernden Zwischenfruchtfunktionen und werden dann im Frühjahr eingearbeitet. „Ist der Anbau aber wie bei meinen Nachbarn erfolgreich, so exportieren wir bilanzwirksam Nährstoffe und freuen uns über zusätzliches Einkommen“, so Wreesmann.

Der N-Konservierer

Weil Winterhanf gut Nitrat bindet, eignet er sich auch für den Gewässerschutz, das zeigen Versuche der LWK Nordrhein-Westfalen. Die Nmin-Werte der Übersicht zeigen, dass das Bindungsvermögen mit Ackersenf und Phacelia vergleichbar ist, obwohl der Biomasseaufwuchs vor Winter insbesondere in den ungedüngten Varianten geringer ausfiel. Allerdings enthielt der Hanf höhere Stickstoffgehalte in der oberirdischen Biomasse von 1,8% gegenüber Ackersenf mit 1,5%.

Generell stirbt Hanf – früher als Vergleichskulturen – noch vor dem Winter ab. Blätter, und später beim Ernten auch holzige Stängelanteile, fallen zu Boden. Dadurch verbleibt nach der Ernte ein Großteil der Nährstoffe als organisches Material auf dem Acker und steht der Folgekultur zur Verfügung.

Kommt es zu einer Ernte, ist mit einer Nährstoffabfuhr von ca. 0,9 kg N je dt und 0,16 kg P/dt Trockenmasse zu rechnen. Ein Ertrag von 2 t/ha führt zu einer betrieblichen Nährstoffabfuhr von ca. 18 kg N/ha. Diese Versuchsergebnisse sind wegen der extremen Trockenjahre allerdings noch nicht belastbar und lediglich als eine Tendenz zu interpretieren.

Kultur mit Zukunft

Der Absatz der Ernte ist durch den aktuellen Bedarf an feinen Fasern derzeit gesichert. Zwar ist der Praxisanbau von Winterhanf mit der beginnenden vierten Anbausaison noch sehr jung und zusätzlich ist der Forschungs- und Beratungsbedarf insbesondere wegen der trockenheitsbedingten Ertragsausfälle noch hoch. Dennoch ist das Potenzial dieser Kultur groß. Denn sie bietet die Chance, als Zwischenfrucht, die effizient Stickstoff bindet und eine gute Bodengare schafft, zusätzliches Einkommen zu generieren.

Bei weiteren Fragen: Michael Dickeduisberg, Zentrum für nachwachsende Rohstoffe der LWK Nordrhein-Westfalen, E-Mail: michael.dickeduisberg@lwk.nrw.de, Tel.: 02945 989144

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Betäubungsmittel: Anbau ist meldepflichtig

Der Anbau von Nutzhanf unterliegt in Deutschland auch ohne berauschende Wirkung dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG). Nach Vorgabe des Gesetzes ist jeglicher Anbau von Nutzhanf der Bundesanstalt für Landwirtschaft (BLE) zu melden. Dasselbe gilt für den INVEKOS-Sammelantrag – auch hier ist der Hanfanbau zu melden.

In der Vergangenheit mussten Anbauer den erfolgten Anbau stets bis zum 1. Juli melden. Für den klassischen Hauptfruchtanbau von Hanf stellte diese Frist nie ein Problem dar, schloss aber damit den Winterhanfanbau praktisch aus. Erst eine Gesetzesänderung im März 2017, die nun besagt, dass die Anbauabsicht zu melden ist, schuf die Grundlage zur fristgerechten Meldung trotz späterer Aussaat. Damit ist auch rein rechtlich der Weg für die Nutzung des Winterhanfes frei.

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