Klimawandel

Zeitdruck in der Pflanzenzüchtung

Der Klimawandel stellt die Pflanzenzüchtung unter zusätzlichen Zeitdruck. Zunehmende Temperaturen nützen Insektenschädlingen, pilzlichen Schaderregern und Viren. Der neue Präsident des Julius-Kühn-Instituts, Prof. Frank Ordon, bedauert, dass die politische Reglementierung des Genome Editings die Züchtung zusätzlich bremse.

Molekulare Züchtungstechnologien wie die markergestützte Selektion unterstützen Pflanzenzüchter bei der Anpassung an die Herausforderungen des Klimawandels. Darauf hat der Präsident des Julius-Kühn-Instituts, Prof. Frank Ordon, auf einer Tagung des Kuratoriums für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) hingewiesen, gleichzeitig jedoch den hohen Zeitaufwand der konventionellen Züchtung auch unter Zuhilfenahme der Marker betont. Mindestens zehn Jahre müsse man für das Einkreuzen der genetischen Ressourcen rechnen.

„Das ist das Problem, denn wir stehen vor erheblichen Herausforderungen“, mahnte der Forscher und sprach in den Zusammenhang auch das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) zur strengen Reglementierung des Genome Editings an: „Crispr/Cas ist nur ein Werkzeug in der Pflanzenzüchtung, aber es wäre eines gewesen, das die Züchtung erheblich beschleunigt hätte“, gab der Agrarwissenschaftler zu bedenken. Mit den kürzeren Entwicklungszeiträumen hätte man schneller und effizienter auf die neuen Herausforderungen reagieren können. „Die ganze Welt außerhalb Europas macht das. Dieser Zug fährt mit Hochgeschwindigkeit weiter“, so Ordon.

Die Züchtungsziele seien allerdings nach wie vor, wenn auch unter höherem Zeitaufwand, zu erreichen. Durch Sequenzinformationen und Technologien würden zunehmend Gene und Netzwerke identifiziert, die für die gewünschten Ausprägungen der Pflanzen, wie Trockenstresstoleranz, verantwortlich seien. Nutzbar gemacht werden könnten die Eigenschaften dann durch die Markertechnologie, bei der aber immer noch eine, obgleich geringe, Restwahrscheinlichkeit bestehen könne, die falsche Selektionsentscheidung zu treffen.

Mit Blick auf die negativen Auswirkungen des Klimawandels auf die Landwirtschaft prognostizierte Ordon bei einer Steigerung der Durchschnittstemperatur um 3° bis 6° Celsius eine Ausbreitung wärmeliebender Insektenschädlinge von bis zu 1 000 km in Richtung Norden. Pilzliche Schaderreger würden mit höheren Temperaturen ebenso an Bedeutung gewinnen. Das gelte auch für insektenübertragene Viren. Dazu gehöre beispielsweise das Turnip-Yellows-Virus.

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Stefanie Awater-Esper

Korrespondentin Berlin

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Diskussionen zum Artikel

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von Wilhelm Grimm

Wir brauchen gute Leute wie Professor Ordon.

Davon gibt es viele, aber sie müssen in einem Netzwerk gemeinsam gegen die rückwärts gerichtete apokalyptische Agrarpolitik von heute antreten. Wir brauchen eine Bewegung für eine Landwirtschaft der Zukunft.

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